Umbenennung im 2. Bezirk
Donaukanalpromenade und Platz am Heustadlwasser werden weiblich

Mehrere Abschnitte des Donaukanals sollen einen neuen Namen erhalten. Dies soll die vielfältigen Leistungen von Frauen sichtbar machen.
  • Mehrere Abschnitte des Donaukanals sollen einen neuen Namen erhalten. Dies soll die vielfältigen Leistungen von Frauen sichtbar machen.
  • Foto: Fleck
  • hochgeladen von Nicole Gretz-Blanckenstein

Gemeinsamer Antrag der Leopoldstädter Bezirksvertretung: Donaukanalpromenade und Platz am Unteren Heustadlwasser werden nach Frauen benannt.

WIEN/LEOPOLDSTADT. Es war wieder so weit: Nach dem Sommer kam die Leopoldstädter Bezirksvertretung erstmals zusammen, um Aktuelles zu besprechen. Fast drei Stunden wurde getagt, um 39 Anträge zu diskutieren. Dabei waren es zwei Anträge, die besonders hervorstachen. Denn diese wurden von allen Parteien (SPÖ, Grüne, ÖVP Neos, FPÖ, Links und Team HC Strache) gemeinsam eingebracht.

Gefordert wird die Benennung der Fläche beim Unteren Heustadlwasser und der Wehlistraße sowie von sieben Abschnitten auf der Donaukanalpromenade. Mit den neuen weiblichen Namen will man ein Zeichen setzen. "Es soll um die Sache und nicht um Parteien oder Einzelpersonen gehen", so Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ).

Platz der Erdarbeiterinnen

Geht es nach der Bezirksvertretung, soll die bislang unbenannte Fläche beim Unteren Heustadlwasser und Wehlistraße künftig "Platz der Erdarbeiterinnen" heißen. Damit will man an die "Praterschlacht" im Jahr 1848 erinnern: Wegen Missernten ordnete die Regierung "Notstandsarbeiten" an.

Im Prater waren rund 20.000 Personen mit Erdarbeiten beschäftigt. Die 8.000 Frauen verdienten ein Drittel weniger als Männer. Als die Regierung auch noch Lohnkürzungen ankündigte, war dies den Arbeiterinnen genug. Sie organisierten die ersten bekannten Frauendemonstrationen, welche von der Nationalgarde blutig niedergeschlagen wurden. "Die Namen der demonstrierenden und getöteten Frauen sind unbekannt. Mit der Benennung soll an ihren Einsatz und ihren Mut erinnert werden", lautet der Antrag.

Im Gedenken an neun Frauen

Weiblich werden soll auch der Leopoldstädter Donaukanal. "Frauen haben ihren Anteil an der Geschichte ihr Wohn- und Arbeitsumgebung", so im Antrag der Bezirksvertretung. Dies werde zwar zu Lebzeiten oft anerkannt, doch geraten die Frauen und ihre Leistungen nach dem Tod schnell in Vergessenheit.

Mithilfe der Benennung einzelner Abschnitte der Donaukanalpromenade will der 2. Bezirk die Vielfalt der Leistungen der mit der Leopoldstadt verbundenen Frauen aufmerksam machen. Konkret will man folgenden sieben Frauen ein Denkmal setzen:

Adele Jellinek
Der Abschnitt zwischen der Verlängerung der Perinetgasse und dem Siemens-Nixdorf-Steg soll nach Adele Jellinek (1890–1943) benannt werden. Sie war Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin. 

Im März 1938 wurde Adele Jellinek aus ihrer Wohnung delogiert. Nach mehrerer Zwischenstationen - unter anderem in der Großen Mohrengasse 20 - wurde sie1943 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie kurz darauf getötet wurde.

Margit Czernetz
Der Abschnitt zwischen dem Siemens-Nixdorf-Steg und der Roßauer Brücke soll nach Margit Czernetz (1910–1996) benannt werden. Sie war Widerstandskämpferin, Politikerin und Krankenpflegerin.

Margit Czernetz wurde in der Leopoldstadt geboren. Ab 1932 war sie Heimleiterin für „Jugend in Not“ in der Zirkusgasse, ein Tageszentrum für notleidenden Frauen und Mädchen. Nach 1934 war Margit Czernetz für die Revolutionären Sozialisten im Untergrund tätig.

1938 konnte sie der Verhaftung der Gestapo entkommen und flüchtet nach Großbritannien, wo sie im Austrian Labour Club tätig war. Nach ihrer Rückkehr nach Wien im Jahr 1945 nahm sie ihre politische Tätigkeit wieder auf.

Friedl Dicker-Brandeis
Der Abschnitt zwischen der Roßauer Brücke  und der Herminengasse soll den Namen der bildenden Künstlerin, Innenarchitektin und Kunstpädagogin Friedl Dicker-Brandeis (1898–1944) erhalten.

Sie gründetet bildende Werkstätten in Wien sowie das Architekturbüro Singer-Dicker, welches 1930 den Kindergarten im Goethehof in Kaisermühlen (damals ein Teil der Leopoldstadt) ausstattete. Nach ihrer Übersiedlung nach Prag 1934 wegen der Verfolgung als Kommunistin setzte sie dort ihre Künstlerische Tätigkeit fort.

1942 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie Zeichenkurse für Kinder abhielt. 1944 wurde Friedl Dicker-Brandeis ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Vilma Steindling
Der Abschnitt zwischen der der Herminengasse und der Marienbrücke soll nach der Widerstandskämpferin Vilma Steindling (1919–1989) benannt werden.

Vilma Steindling engagierte sich schon früh im Kommunistischen Jugendverband. Kurz vor dem Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich, flüchtete sie nach Paris. Nach der Besetzung Frankreichs engagierte sie sich in der sogenannten "Mäderlarbeit" in der der Résistance. 

1942 wurde Vilma Steindling denunziert, verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert. Mithilfe der kommunistischen Lagerorganisation konnte sie überleben und kehrte nach Wien zurück. Dort war sie Fürsorgerin, arbeitete beim Jugendamt der Bewährungshilfe und den Wiener Pensionistenheimen. Mit ihrer Familie lebte sie in der Leopoldstadt.

Gisela Werbezirk
Gisela Werbezirk (1875–1956) war Schauspielerin und Kabarettistin. Der Abschnitt zwischen der Marienbrücke und der Aspernbrücke soll nach ihr benannt werden.

Nach ihrer Schauspielausbildung trat Gisela Werbezirk auf verschiedenen Bühnen im In- und Ausland auf. Von 1919 bis 1926 war sie an der Rolandbühne im Prater, wo sie sie rasch zum Publikumsliebling wurde. Gisela Werbezirk brillierte in häufig auf sie zugeschnittene Komödien etwa in "Frau Breier aus Gaya", eine in der Leopoldstadt angesiedelte Geschichte.

Auch beim Film war sie erfolgreich etwa in "Die Stadt ohne Juden". 1938 emigrierte sie in die USA, wo sie ihre Schauspielkarriere erfolgreich fortsetzen konnte. In New York angekommen, nannte sie sich in Giselle Werbisek um.

Henriette Fahrbach
Der Abschnitt zwischen der Aspernbrücke und der Franzensbrücke soll nach Musikerin, Komponistin und Kapellmeisterin Henriette Fahrbach (1851–1923) benannt werden.

Henriette Fahrbach wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Die Virtuosin auf der Flöte war schon in frühen Jahren erfolgreich. Besonderen Ruhm erreichte sie als Kapellmeisterin eines Damenorchesters. Gemeinsam mit ihrem Mann betrieb sie ab 1907 das Kaffeehaus "Grand Preis" – zunächst in der Großen Stadtgutstraße 28, später in der Zirkusgasse 50.

Emilie Turecek 
Der Abschnitt zwischen der Franzensbrücke  soll nach der Sängerin Emilie "Fiakermilli" Turecek (1846–1889) benannt werden.

Bereits in jungen Jahren trat Emilie Turecek als Sängerin bei Fiaker- und Wäschermädelbällen auf und wurde bald unter ihrem Künstlernamen "Fiakermilli" bekannt. Auftrittsorte waren unter anderem die Dianasäle und das Tanzlokal "Zum Sperl" in der Leopoldstadt.

Bekannt wurde  Emilie Turecek auch, weil sie bei ihren Auftriitten eine Hose trug -  wofür sie zur damaligen Zeit sogar eine polizeiliche Genehmigung brauchte. Ihr Leben war Vorbild für Opern und Filme. Große Summen ihrer Gagen spendete sie für wohltätige Zwecke. 

Henriette Willardt 
Henriette "Miss Senide" Willardt (1866–1923) war Raubtierbändigerin und Praterunternehmerin. Der Abschnitt zwischen der Rotundenbrücke und der Stadionbrücke soll ihren Namen tragen.

Ihre Familie betrieb eine erfolgreiche Schaubühne im Prater. Auf Henriette "Miss Senide" Willardts Wunsch wurden Wildtiere angeschafft, die sie "zahm" trainierte und das gewaltfrei.  Bald schon tourte sie unter dem Künstlernamen "Miss Senide" mit ihren Raubtiernummern durch ganz Europa.

Auch schwere Verletzungen hielten Henriette Willardt nicht davon ab, weiter in der Männerdomäne als Tierbändigerin aufzutreten. Erst als ihre Mutter krank wurde, verkaufte sie die Tiere an einen Zoo und übernahmen den Praterbetrieb, den sie bis zu ihrem Tod erfolgreich weiterführte.

Lucie Goldner
Der Abschnitt zwischen der Stadionbrücke und Praterspitz soll nach der verfolgten Schwimmerin und Trainerin Lucie Goldner (1918–2000) benannt werden.

Lucie Goldner war eine Schwimmerin des jüdischen Sportvereins SC Hakoah Wien mit Sitz in der Krieau. 1935 wurde sie vom Olympischen Comitee für die Teilnahme an den Olympischen Spiele in Berlin nominiert. Gemeinsam mit anderen Schwimmerinnen boykottierte sie diese aber wegen der Rassenpolitik und der Verfolgung von Juden im Deutschen Reich. 

Sie wurde lebenslang vom Olympischen Schwimmverband gesperrt und ihr Name aus den Bestenlisten gestrichen. Eine vollständige Rehabilitierung erfolgt erst Jahrzehnte später. Nach dem Anschluss konnte sie nach London flüchten. Nach dem Krieg ging sie mit ihrer Familie zunächst nach Prag  und dann nach Australien, wo sie als Schwimmtrainerin erfolgreich war.

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