Mein Lungau
"Mit eigener Hand" beweist Liedtext-Herkunft aus Mariapfarr
- Die Madonna in der Basilika Mariapfarr mit dem Altar im Hintergrund, der als "Vorlage" für die Strophen im Liedtext Stille Nacht! Heilige Nacht! gedient haben soll.
- Foto: Christa Pritz
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MeinBezirk sprach anlässlich der Schwerpunktausgabe "Mein Österreich" mit der Präsidentin der Stille Nacht Gesellschaft und Kustodin des Stille Nacht Museums in Mariapfarr, Christa Pritz über den zweijährigen Aufenthalt von Joseph Mohr als junger Hilfspriester in Mariapfarr. In dieser Zeit (1816) schrieb er auch den weltbekannten Liedtext "Stille Nacht! Heilige Nacht!.
MARIAPFARR. Das weltweit bekannte und in viele Sprachen übersetzte Weihnachtslied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" wurde von dem Salzburger Josef Mohr verfasst. Lange Zeit wurde angenommen, dass der Liedtext während des Aufenthaltes von Joseph Mohr in Oberndorf entstanden ist. Doch ein zufälliger Fund im Jahre 1995 von einer Mitarbeiterin des Salzburger Museums Karolinum Augusteum, veranlasste dazu, dass das Entstehungskapitel von "Stille Nacht! Heilige Nacht!" komplett neu geschrieben werden musste.
MeinBezirk sprach mit der Präsidentin der Stille Nacht Gesellschaft und Kustodin des Stille Nacht Museums in Mariapfarr, Christa Pritz, über den zweijährigen Aufenthaltes Josef Mohrs in Mariapfarr und der Entstehung des weltbekannten Liedtextes "Stille Nacht! Heilige Nacht!".
- Das Autograph – 1995 zufällig entdeckt, beweist eindeutig, dass der Liedtext aus dem Jahre 1816 stammt und somit in Mariapfarr entstanden ist und nicht, wie lange angenommen in Oberndorf.
- Foto: Museumsverein Mariapfarr
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1995 änderte ein zufälliger Autographenfund von "Stille Nacht! Heilige Nacht! das Entstehungskapitel
Besagte Museumsmitarbeiterin besaß einen in ihrem Nachlass befindlichen Autographen (Handschrift einer bekannten Persönlichkeit) – dieser konnte, so Christa Pritz, nach gründlichen wissenschaftlichen Untersuchungen, eindeutig Joseph Mohr zugewiesen werden. "Damals sorgte nicht nur das unverhoffte Auftauchen einer Handschrift Josef Mohrs für Aufsehen, sondern hauptsächlich das Datum, das darauf zu finden ist. Die angegebene Jahreszahl auf dem Autograph die vermerkt ist, ist 1816 sowie der Zusatz 'Coadjutor' (Hilfspriester). Somit wurde der ganzen Welt offenbart, dass der berühmte Liedtext in Mariapfarr entstanden ist, wo Joseph Mohr von 1815 bis 1817 lebte. Dass Mohr der rechtliche Urheber dieses Autograph ist, beweist der Vermerk 'm.ia.' – manu propria (mit eigener Hand)", schilderte Christa Pritz MeinBezirk äußerst genau den Beweis für die Herkunft des Liedtextes.
Josef Mohr, so Christa Pritz, war mit 23 Jahren ein sehr junger Priester – Mariapfarr war seine allererste Dienststelle. "Dass Mohr als lediges Kind überhaupt Priester werden konnte, verdankte er seinem Befürworter und Förderer, Domchorvikar Nepomuk Hiernle. Dieser ermöglichte ihm den Besuch des Akademischen Gymnasiums in Salzburg sowie ein anschließendes Theologiestudium", erzählte die Präsidentin der Stille Nacht Gesellschaft MeinBezirk.
Kennenlernen des Großvaters in Mariapfarr
Wie Redakteurin Sarah Braun erfuhr, war der Vater von Mohr aus Mariapfarr, weshalb laut Christa Pritz nicht ganz klar ist, ob Joseph Mohr auf eigenen Wunsch hierherkam oder von der Kirche sozusagen geschickt wurde. In der Heimatgemeinde seines Vaters, welchen er nicht kannte, lernte der junge Mohr seinen Großvater kennen, dieser verstarb im Jänner 1816 – die beiden kannten sich laut Pritz drei Monate, in denen sie offenbar ein sehr gutes Verhältnis pflegten.
"Joseph Mohr war seiner Zeit weit voraus"
"Generell war Mohr ein äußerst geselliger und zugänglicher Mensch und kam mit der Lungauer Bevölkerung ausgezeichnet klar. Er ging sogar ins Gasthaus, um mit den Menschen in Kontakt zu treten. Außerdem wollte Joseph Mohr Messen in deutscher Sprache halten, um sie für alle verständlich und zugänglich zu machen – im 19. Jahrhundert wurden alle Messen noch in Latein gehalten, dass allerdings nur wenige Leute verstanden/gesprochen haben. Mohr war ein sehr modern denkender Mensch und seiner Zeit meist weit voraus", so Christa Pritz.
- Pfarrer Bernhard Rohrmoser fertigte im Jahr 2011 diese Büste von Joseph Mohr an.
- Foto: Hand-in-Hand-Handwerker
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Vulkanausbruch erschwerte für Mohr seinen Aufenthalt
"Der Aufenthalt von Mohr in Mariapfarr war nicht einfach, es war eine schwierige Zeit – 1815 brach der Vulkan Tambora auf Indonesien aus und bescherte 1816 einen Sommer ohne Sonne, dafür mit Regen und Schnee. Damals war es für die Menschen unerklärlich, warum das so war. Zudem setzte dieser Umstand dem kränklichen Mohr äußerst zu, weshalb er 1817 nach Salzburg zurückkehrte und dort gesund gepflegt wurde", betonte die Expertin am Ende des Gesprächs mit MeinBezirk.
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