Naturpark trifft Politik
"Ohne Politik würde es keinen Naturpark gaben"
- Hannes Amesbauer und Andreas Steininger bei einem Lokalaugenschein des im Umbau befindlichen Naturmuseums.
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Politik trifft auf Naturpark: Landesrat Hannes Amesbauer im Gespräch mit Naturpark-Geschäftsführer Andreas Steininger.
NEUBERG/MÜRZ. Der Neuberger Hannes Amesbauer (FPÖ) ist als Umwelt-Landesrat auch zuständig für die steirischen Naturparks. In seiner Heimatgemeinde traf er auf den Geschäftsführer des Naturparks Mürzer Oberland, Andreas Steininger. Ein Gespräch über politische Einflussnahme, die Entfaltungschancen einer ländlichen Randregion und was ein Naturpark zu leisten vermag.
- Umweltlandesrat Hannes Amesbauer (re.) im Gespräch mit Naturpark-Geschäftsführer Andreas Steininger.
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Am 26. Oktober 2003 wurde der Naturpark Mürzer Oberland offiziell mit der Prädikatisierung gegründet. Mehr als 20 Jahre hatte der damals sechste Naturpark der Steiermark Zeit, sich zu entwickeln. Wie hat sich der Naturpark Mürzer Oberland entwickelt?
ANDREAS STEININGER: Der Naturpark hat sich seinerzeit mit starkem touristischen Hintergrund gegründet. Mittlerweile hat er sich vom Tourismus weg entwickelt, mehr in Richtung Umweltschutz und Bewusstseinsbildung. Ein ganzheitlicher Beitrag für nachhaltige Regionalentwicklung.
Hannes Amesbauer, mehr als 20 Jahre hat Sie der Naturpark in ihrer Heimatgemeinde begleitet. Wie sehr hat Sie dieser Naturpark geprägt.
HANNES AMESBAUER: An die Prädikatsverleihung kann ich mich noch gut erinnern. Mittlerweile ist der Naturpark aus der Region nicht mehr wegzudenken. Eine Einrichtung, die sich etabliert hat. Jeder kennt den Naturpark als Marke und der Naturpark ist auch ein wichtiger Impulsgeber mit vielen wertvollen Veranstaltungen. Den Zauberwald als größte Veranstaltung des Naturparks kennt man weit über das Mürztal hinaus. In Summe ein Riesengewinn für die Gemeinde.
- Das Naturmuseum im Stift Neuberg wird am 12. Mail offiziell eröffnet.
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Mittlerweile gibt es sieben Naturparks in der Steiermark. Möglicherweise könnte es mit Ramsau & Dachstein bald einen achten Naturpark geben. Wie weit sind hier Umsetzungspläne fortgeschritten?
AMESBAUER: Noch ist es eine regionale Angelegenheit. Die Verantwortlichen müssen sich vor Ort finden und die betroffenen Gemeinden auch einig werden. Sind alle Kriterien erfüllt, dann steht aus meiner Sicht einer Prädikatsverleihung nichts im Wege. Ein weiterer Naturpark wäre zu begrüßen, zumal er geografisch eine wertvolle Ergänzung darstellen würde.
Wie ist eigentlich die Position der FPÖ zu Landschafts- und Naturschutzgebieten? Sind wir zu überreguliert, braucht es mehr? Braucht es Nachbesserungen?
AMESBAUER: Ich kann nur meine persönliche Wahrnehmung darlegen: Wir sind in der Steiermark in Bezug auf Schutzgebiete recht gut aufgestellt. Mir ist es ein Anliegen, dass es generell bei allen erforderlichen Genehmigungsverfahren einen Rechtsschutz für alle Beteiligten gibt. In der Landesregierung gibt es die Bestrebung nach einer Deregulierung und Verfahrensvereinfachung. Zurück zu den Schutzgebieten: Es ist gut, dass wir sie haben, weniger Schutzgebiete wäre aus meiner Sicht nicht gut. Ob es mehr braucht, mag ich momentan nicht beurteilen, da verlasse ich mich auf das Urteil meiner Experten.
Der Naturpark will auch ein Modell für eine Kleinregion sein: auf Basis des Naturschutzes sollen die Säulen Erholung, Bildung und Regionalentwicklung umgesetzt und entwickelt werden. Demnach sollte sich jede Randregion wohl um so ein Prädikat bemühen?
AMESBAUER: Die Idee der Naturparke ist eine steirische Erfolgsgeschichte, es wäre aber nicht zielführend, würde man sie inflationär übers Land ausschütten. Jeder Naturpark hat und braucht für sich ein Alleinstellungsmerkmal und die Idee muss in der Region Zeit haben, zu keimen und zu wachsen. Der Naturschutz sollte dabei immer im Fokus bleiben.
- Hannes Amesbauer (rechts): "An die Prädikatsverleihung kann ich mich noch gut erinnern. Mittlerweile ist der Naturpark aus der Region nicht mehr wegzudenken. Eine Einrichtung, die sich etabliert hat."
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STEININGER: Es ist ja gar nicht so einfach, Naturpark zu werden. Es braucht zumindest ein ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet als Grundlage. Auf dieser Basis beginnt man sich auch zu positionieren. Mit unserer alpinen Ausrichtung haben wir das Thema Wasser, Wald und Almen bereits vorgegeben. Eine Südsteiermark oder das Pöllauer Tal werden sich naturgemäß anders positionieren – darauf ausgerichtet sind auch die Managementpläne innerhalb der Naturparke.
Die Naturpark-Betreiber selbst vermeiden es, dass man einen Glassturz über eine Region stülpt. Jüngst hat man aber bei einer Bürgerversammlung in Neuberg anlässlich eines geplanten E-Auto-Abstellplatzes just so einen Glassturz gefordert. Bremst so der Naturschutz nicht die Wirtschaft aus?
AMESBAUER: Letztendlich würde auch das Verfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung in mein Ressort fallen. Es ist ein Behördenverfahren im Laufen, hier eingreifen darf ich als Regierungsmitglied nicht, das wäre Amtsmissbrauch. Derzeit läuft ein Feststellungsverfahren, in dem geprüft wird, ob ein UVP-Verfahren notwendig ist, oder nicht. Und wenn ein UVP-Verfahren kommt, heißt es ja nicht automatisch, dass es negativ ausgehen wird.
Ich sehe es selbst entspannt: Hier sich auf den Naturpark zu berufen, ist ein wenig zu kurz gedacht. Einfach, weil der Naturpark andere Aufgaben hat. Wir sind kein Nationalpark, wir sind kein Naturdenkmal.
STEININGER: Das infrage kommende Gebiet ist als Gewerbegebiet gewidmet, und wenn alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, wird es schwer sein, es zu verhindern. Überspitzt formuliert: Würde man hier in Atomkraft oder einen Braunkohleabbau planen, wären wir sehr dagegen. Hier aber ist ein Abstellplatz für E-Autos geplant. Man sollte die Kirche schon im Dorf lassen. Was viele nicht wissen: das Gelände selbst ist nicht Teil des Naturparks.
AMESBAUER: Wir müssen in Neuberg schon auch aufpassen. Wir sind die Gemeinde mit dem drittgrößten Bevölkerungsrückgang in der Steiermark. Man ist nicht in der Position, sich gegen jede wirtschaftliche Entwicklung zu sträuben.
Die Politik braucht Naturpark und Nationalpark, weil damit positive Emotion transportiert werden kann. Wie sehr braucht ein Naturpark die Politik?
STEININGER: Ohne Politik würde es keinen Naturpark geben. Es braucht den Willen der Politik und somit die gesetzliche Grundlage, ob einen Naturpark oder Nationalpark umzusetzen. Wir selbst fühlen uns von der Politik bestens akzeptiert: Das beginnt in der Gemeinde und endet im Land in der Landesregierung – und stets über alle Fraktionen hinweg.
AMESBAUER: Das fraktionsübergreifende Wohlwollen kann ich nur bestätigen. Einer der wenigen Punkt, wo sich sogar Freiheitliche und Kommunisten treffen.
Muss ein Naturpark immer an der Landesgrenze Halt machen? Hätte ein länderübergreifender Naturpark nicht auch Charme?
STEININGER: Die Strukturen der steirischen und der niederösterreichischen Naturparke sind grundlegend verschieden. Schon aus diesem Grund wäre eine länderübergreifender Naturpark nur sehr schwer umsetzbar. Hier hat die Steiermark durchaus Vorbildwirkung in der professionellen Umsetzung in der Naturparkverwaltung. Naturschutz hört aber deswegen nicht an der Landesgrenze auf. Wir kooperieren in vieler Hinsicht mit den Nachbargemeinden in Niederösterreich.
Ihr seid beide ja auch in die Welterberegion Semmering-Schneealpe involviert. Mit dem Andocken an der Wirtschaftsraum Area Süd eröffnen sich neue Perspektiven fürs obere Mürztal?
AMESBAUER: Alle Optionen und Chancen soll man ergreifen. Auch hier hat es Bestrebungen gegeben, stärker mit Niederösterreich zu kooperieren, das wurde ab von niederösterreichischer Seite nicht angenommen.
STEININGER: Hier kämpfen wir schon noch stark mit den Grenzen und Blockaden in den Köpfen. Nur: in wenigen Jahren wird Mürzzuschlag der wichtigste Bahnhof in der Semmering-Region sein. Ich hoffe nur, dass die Region diese Riesenchance auch erkennt und nutzt. Wir sind schon einmal froh, dass die öffentliche Busverbindung ins Neuberger Tal mit dem Zweistundentakt deutlich verbessert wurde.
AMESBAUER: Wir müssen vorbereitet werden. So viel Zeit ist nicht mehr.
Link:
• Naturpark Mürzer Oberland
• Naturparke Steiermark
• Welterberegion Semmering-Schneealpe
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