"Mikroschadstoffe" bedrohen die Gesundheit

In Labors wird eifrig nach Ursachen und Wirkung geforscht.	Foto: Bilderbox
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Autor: Wolfgang Pfister

EHEC-Keime sind für uns Menschen lebensbedrohlich. Aber auch
viele andere Bakterien im Wasser gefährden unsere Gesundheit.

Die Konsumenten in Europa sind verunsichert. Nachdem in Deutschland bereits mehr als 1.000 Menschen erkrankt sind und leider auch schon einige Todesfälle auf den Erreger zurückzuführen sind, wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Ursache zu finden. Unter Verdacht steht zurzeit spanisches Gemüse. Auch in Österreich hat man darauf reagiert und verdächtiges Gemüse wie Gurken, Paradeiser und Melanzani, die aus Spanien importiert wurden, aus den Regalen genommen. Die Ermittler vermuten, dass die EHEC-Bakterien über verschmutzte Bewässerungsanlagen oder kontaminierten Naturdünger auf das spanische Gemüse gelangt sein könnten.
Aber auch andere Mikrostoffe bedrohen permanent unsere Gesundheit, wie das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz im April informierte.
Rund 3.000 Wirkstoffe werden in der Humanmedizin verwendet und von den Patienten nicht nur eingenommen, sondern auch wieder ausgeschieden. Viele dieser Stoffe passieren unsere mechanisch-biologischen Kläranlagen und gelangen damit in den Wasser- und Nahrungsmittelkreislauf. Insbesondere die Wirkstoffe der Pille, Blutdrucksenker, Blutverflüssiger, Antibiotika und dergleichen.
Aber auch Inhaltsstoffe von Kosmetika, Sonnenschutzmittel, Seifen und Reinigungsmittel gehören zu den schleichenden und oft unentdeckten Krankmachern.
Über die Kläranlagen gelangen diese Stoffe ins Wasser und damit, wie schon angesprochen, über Pflanzen und Tiere in den Nahrungskreislauf, an deren Spitze der Mensch steht.
Mit der Verweiblichung von Fischen, aber auch einem bereits festgestellten Rückgang von Spermien bei jungen Männern seien nur zwei der möglichen Folgen genannt. „Seit Jahren warnen wir vom Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz vor diesen nicht untersuchten Folgen, gibt es doch 100.000 chemische Bestandteile in diesen Produkten, die unter anderem in der Kunststoffindustrie als Flammhemmer und Weichmacher verwendet werden“, so Helmut Belanyecz, der Präsident des ÖKF.
Nachdem eine Untersuchung namhafter Wissenschaftler in der EU-Zeitschrift „EU-research“ bestätigt, dass es 100 bis 200 Jahre dauern würde, um die Wirkungen von Mischungen aus über 100.000 Komponenten in Testreihen herauszufiltern, müssen andere Maßnahmen ergriffen werden.
Die Schweiz arbeitet auf diesem Gebiet vorbildlich und hat bereits eine brauchbare Lösung. Weil rund 80 bis 90 Prozent jener gesundheitsgefährdenden Mikroschadstoffe über die Kläranlagen in die Umwelt gelangen, wird genau dort der Hebel angesetzt. Zwei weitere Stufen in unseren biologischen Kläranlagen würden diese Mikroschadstoffe ausfiltern. Dazu sei nur eine Stufe mit einem Aktivkohlefilter und eine weitere mit einer Ozonierung des Klärwassers notwendig, wie es heißt.
Deshalb nimmt die Schweiz nun rund 1,2 Milliarden Franken in die Hand, um die 100 größten Kläranlagen mit solchen zusätzlichen Stufen auszustatten. „Am 21. Jänner 2011 bestätigte das Schweizer Bundesumweltamt, dass die Pilotversuche bei zwei Kläranlagen äußerst erfolgreich waren“, heißt es in der Presseinformation des ÖKF.
Die Kosten für eine solche Nachrüstung von Kläranlagen würden laut der Zeitschrift „EU-research“ bei fünf Euro pro Kopf und Jahr liegen. Das müsste auch uns Österreichern die Volksgesundheit wert sein, oder?

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