„Für mich gibt es keine Parteipolitik“

Herbert Grießer, Gemeindechef von Mühlen: „Ich bin menschlich, freundlich und lebe für ein Miteinander.“ Foto: Leitner
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Herbert Grießer weiß, was es heißt, zu pendeln. Für seinen Vollzeit-Beruf, Betriebsratsvorsitzender der ÖBB, fährt er von Mühlen nach Villach - in seiner „Freizeit“ ist er Bürgermeister. Ein erfolgreicher noch dazu: Bei der diesjährigen Gemeinderatswahl konnte er die absolute Mehrheit sogar ausbauen.

Murtaler Zeitung: Herr Grießer, was macht Sie zu einem guten Bürgermeister?
Herbert Grießer: Ich bin hier als „Bua“ aufgewachsen, war in der Gemeinde und im Vereinsleben immer verwurzelt. Wir hatten lange Jahre einen Gewerbebetrieb. Als ich zwölf Jahre alt war, ist mein Vater verstorben, das war ein harter Weg. Viele Menschen haben uns damals unterstützt. Für mich gibt es deshalb keine Parteipolitik, es kommt einfach auf die menschliche Seite an. Zu mir kann jeder kommen. Ein Zwölfjähriger vergisst nämlich nicht, was die Menschen für einen getan haben - und ich vergesse es auch jetzt nicht.

MZ: Wie sind Sie überhaupt Bürgermeister geworden?

Grießer: 1995 wurde ich von meinem Vorgänger Günther Ofner gefragt, ob ich in den Gemeinderat eintreten will. Ein paar Mal habe ich schon abgelehnt - ich sag‘s, wie es ist. Im Vorfeld gab es eine SPÖ-Bürgerbefragung, bei der wurde ich an die siebte Stelle gewählt. So begann alles. 2003 ist Günther Ofner zurückgetreten und hat mich gefragt, ob ich das Amt übernehmen will.

MZ: 33 Jahre war Ofner Bürgermeister von Mühlen. Was ist das für ein Gefühl, in solche Fußstapfen zu treten?
Grießer: Ich muss ehrlich sagen, es hat schon ein, zwei Nächte gegeben, in denen ich nicht gut geschlafen habe (lacht). Man fragt sich, ob man der ganzen Sache gewachsen ist. Günther Ofner hat mir aber ein gutes, positives Haus überlassen. Außerdem gibt es in der Gemeinde so viele Leute, die mich unterstützen.

MZ: Welche Gemeindeprojekte wollen Sie umsetzen?
Grießer: Ab September gibt es die Ganztagesbetreuung für Kinder in Form einer Tagesmutter. Weiters haben wir Grundstücksflächen gekauft, die für Gewerbe und Wohnräume genutzt werden können. Wir waren die Ersten im Bezirk mit dem Bau des Wohnhauses „Betreutes Wohnen“ und möchten ein weiteres errichten, auch für junge Leute möchte ich die Errichtung von leistbaren Wohnungen umsetzen. Erneuerbare Energie ist ebenso ein großes Thema in Mühlen - Photovoltaikanlagen sind geplant, unter anderem für das Schulgebäude.

MZ: Wie steht die Gemeinde finanziell da?
Grießer: Ich muss gleich sagen: Die Ertragsanteile werden nicht gerecht an die Gemeinden verteilt. Vergleicht man die Anteile pro Bewohner von Mühlen mit denen z. B. von Graz, fallen unsere viel geringer aus. Kleine Zellen sollten mehr unterstützt werden. Unser Verschuldungsgrad ist aber sehr gering und liegt bei 1,2 Prozent. Ohne die Unterstützungen des Landes Steiermark wären aber viele Projekte nicht möglich - beispielsweise die Instandhaltung unseres Straßennetzes. Immerhin haben wir rund 90 Kilometer Straßen und Wege.

MZ: Was gefällt Ihnen an Mühlen am besten?
Grießer: Das Vereinsleben und die Mentalität der Menschen, die hier leben. Wir haben jährlich 25.000 bis 30.000 Nächtigungen in der Gemeinde, das zeigt, dass sich die Besucher sehr wohlfühlen.

MZ: Wo gibt es Aufholbedarf?
Grießer: Ein großes Thema im ländlichen Raum ist das Breitbandinternet. Das wollen wir demnächst in die Gemeinde bringen. Zudem gibt‘s bei uns viele ältere Personen, für die wir ein eigenes Seniorentaxi installieren möchten. Im Bezirk Murau wäre es auch wichtig, endlich neue Arbeitsplätze zu schaffen. Bei uns in Mühlen gibt es rund 60 Prozent Pendler, viele davon fahren nach Kärnten, Wien und Graz. Ein Thema ist die Lehrlingsausbildung, es sollte mehr Möglichkeiten in Murau geben. In der Gemeinde haben wir in den letzten Jahren fünf Lehrlinge ausgebildet - von der Bürokauffrau bis zum Straßenerhaltungsfachmann.

MZ: Asylwerber gibt es in Mühlen noch keine. Sind Unterkünfte geplant?
Grießer: Derzeit stehen keine öffentlichen Gebäude oder Wohnungen frei. Wenn Möglichkeiten bestehen, werden wir diese natürlich diskutieren.

MZ: Wo trifft man Sie in ihrer doch sehr spärlichen Freizeit?
Grießer: Ich besuche fast alle kulturellen, kirchlichen und anderen Veranstaltungen in der Gemeinde. Ich bin Obmann des Männergesangvereins Mühlen und singe sehr gerne. Mein neuestes Hobby: das Fischen am Badesee. Ich habe im Schnitt zwar einen 12-14 Stunden-Tag, kann das aber gut mit Familie und Freizeit vereinbaren.

Info

Herbert Grießer, 55 Jahre, hat zwei Söhne und lebt mit seiner Gattin in Mühlen.
Nach der Lehre zum Maschinenschlosser bei der VOEST-Alpine Zeltweg war er bei der ÖBB in Zeltweg im Bereich Verschub beschäftigt. Seit 1993 ist er auch als Personalvertreter und Betriebsrat für diesen Bereich sowie den betrieblichen Wagendienst tätig und seit 2001 Betriebsratsvorsitzender bei der ÖBB für Kärnten und Steiermark, Netz Verschub.
Politisch aktiv wurde Herbert Grießer 1995 mit dem Eintritt in den Gemeinderat Mühlen. Ab 2000 war er Vizebürgermeis-
ter und Ortsparteiobmann der SPÖ-Mühlen-Kulm/Zirbitz, im September 2003 übernahm er das Bürgermeisteramt von Günther Ofner. Bei der GRW 2015 erreichte die SPÖ 61,2 %.

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