Kommentar
Die Oberösterreicher und die Supermacht
- hochgeladen von Online-Redaktion Oberösterreich
Warum hat die Region Shandong mit 100 Millionen Einwohnern und einem Bruttoregionalprodukt von einer Billion Euro Interesse an Oberösterreich? Die Frage stellte sich im Rahmen einer Reise, die Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander nach China führte.
Sie war in der Vorwoche dort, um 30 Jahre Partnerschaft von OÖ und Shandong zu feiern. Unterwegs sahen die Oberösterreicher automatisierte Häfen, musizierende Roboter, "Smart Homes", Sonderwirtschaftszonen. Und Megacitys wie Shanghai, in denen das Nachtleben an Los Angeles oder Paris erinnert. Gleichzeitig kämpft China mit explodierender Jugendarbeitslosigkeit, stagnierendem Binnenkonsum, massiver Überalterung und einer riesigen Immobilien-Blase. Am Zugfenster zogen leere Wohnhaus-Wolkenkratzer, unfertige Bahntrassen, vermüllte Felder und Bretterbuden vorbei.
Das Regime drillt Jugendliche in Eliteschulen, überwacht sie mit Kameras und KI. Lässt sie beim Lauftraining Lieder zu Ehren des Staates singen. Ein System, das Ergebnisse liefert, aber der Preis ist hoch. Hinter vorgehaltener Hand offenbarten Chinesen: Wir sind neidisch auf euch, wir haben nur fünf Tage Urlaub im Jahr.
Die Partnerregion rollte den "Austrians" jedenfalls den roten Teppich aus, ließ Hochhäuser in OÖ-Rot und mit Landeswappen erstrahlen. Ein Regime, das die Bevölkerung umfassend kontrolliert, würde genauso gern das Bild des Landes im Ausland kontrollieren. China, die unsichere Supermacht.
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