Archäologie-Sensation in Burg
Geschirrfabrik aus der Römerzeit in großer Dimension entdeckt
Eine Lehrgrabung des Instituts für klassische Archäologie der Universität Wien brachte eine antike "Geschirrfabrik" aus der Römerzeit in Burg ans Tageslicht. Über eine Tonne an Material wurde herausgeholt und katalogisiert.
BURG. Bei einer Grabung für die neue Brücke bei der Umfahrung wurde ein Brennofen-Fundament entdeckt. Es folgte eine geomagnetische Untersuchung und daraufhin eine mehrwöchige Lehrgrabung für Studierende der Universität Wien, die letztlich Mitte Juni startete und bis Anfang August dauerte.
"Wir haben ein rund sechs Hektar Feld untersucht und es gab viele Anomalien auf den Bildern. Was wir aber dann entdeckt haben, war eine große Überraschung", strahlte Basema Hamarneh, Grabungsleiterin vom Institut für klassische Archäologie der Universität Wien, im Gespräch mit MeinBezirk.
- Grabungsleiterin Basema Hamarneh von der Universität Wien erläutert die Funktion eines ausgegrabenen Brennofens.
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
- hochgeladen von Michael Strini
"Römische Geschirrfabrik"
"Wir haben zwei große Keramiköfen und einen kleinen entdeckt, vermutlich gibt es rund 100 weitere am Areal. Bislang wurden über eine Tonne an Material gefunden. Die Funde stammen aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus. Vermutlich haben hier in Burg hunderte Menschen rund 200 Jahre Gebrauchsgeschirr in unglaublichen Mengen hergestellt. Es war sozusagen eine römische Geschirrfabrik", so Hamarneh, die ergänzt: "Das Material stammt vermutlich ebenso vor Ort. Siedlungen gab es keine, die Leute haben nur hier gearbeitet. Die Stücke bilden eine große Vielfalt von Tellern, Becher, Dolia - in teils besonders gutem Zustand."
Davon ist auch Archäologin Michaela Löffler-Leutgeb aus Welgersdorf beeindruckt: "Es handelt sich um Alltagsgeschirr. Viele Stücke sind fast komplett erhalten. Die besondere Qualität und vor allem Anzahl sind für Österreich in der Dimension wohl einzigartig. In anderen Ausgrabungsstätten wie Carnuntum ist eine solche Masse nicht vorhanden. Die Öfen dürften lange verwendet und auch mehrfach saniert worden sein. Auch die Produktion ist unterschiedlich erfolgt. Einige wurden mit schnellen Drehscheiben geformt, andere sehr langsam." Das fiel auch Fritz Wagner vom Landesmuseum auf: "Ich bin wirklich fasziniert. Dieser Ort ist etwas Besonderes." Absatzmärkte dürften Siedlungen in der Region, aber vor allem die Stadt Savaria (Szombathely) gewesen sein. Für Hamarneh ist eine zweite Grabung das große Ziel, um noch weitere Entdeckungen und Vergleiche zu gewinnen.
- Bürgermeister Gerhard Klepits lässt sich über Funde aus der Steinzeit aufklären.
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
- hochgeladen von Michael Strini
Für die Nachwelt festhalten
"Das Material wird dann in Wien weiter und genauer untersucht", so Löffler-Leutgeb. Ein Teil wird dann nach Burg zurückkehren. Bgm. Gerhard Klepits kann sich für den "archäologischen Schatz" dann eine Art Museum vorstellen: "Wichtig ist, diese Geschichte für die Nachwelt zu erhalten."
Da hat auch Wagner bereits Ideen: "Ich fände es super, wenn wir in Burg einen originalen Brennofen und einen modernen Nachbau nebeneinander inmitten der bestens erhaltenen Gefäße präsentieren könnten." Neben den sensationellen Keramikgefäßen aus der Römerzeit wurden auch noch steinzeitliche Funde wie Tierknochen entdeckt.
Mehr Berichte aus der Gemeinde Hannersdorf
MeinBezirk auf
MeinBezirk als
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.