Ein Tag mit
Arbeiten macht Freu(n)de

Ein Gruppenfoto muss sein.
Hinten: Engelbert Langbrandtner, Manfred Schafflinger, Lukas Kraßnitzer, Christoph Ottino, Safak Atlas und Kurt Manzl
Mitte: Patrick Lercher, Petra Bachinger, Matthias Kendlbacher und Hubert Aster
Vorne: Anita Marchgraber und Petra Panzl.
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  • Ein Gruppenfoto muss sein.
    Hinten: Engelbert Langbrandtner, Manfred Schafflinger, Lukas Kraßnitzer, Christoph Ottino, Safak Atlas und Kurt Manzl
    Mitte: Patrick Lercher, Petra Bachinger, Matthias Kendlbacher und Hubert Aster
    Vorne: Anita Marchgraber und Petra Panzl.
  • Foto: ama
  • hochgeladen von Anita Marchgraber

Die Bezirksblätter Pongau verbrachten einen Tag mit der Holzgruppe der Lebenshilfewerkstätte Schwarzach.

SCHWARZACH. Die Lebenshilfewerkstätte bietet keine Beschäftigungstherapie sie ist ein Arbeitsplatz. Dort gibt es Tischler, Handwerker, Textilarbeiter und einen Bügelservice. Die Klienten bestimmen großteils frei in welchem Rhythmus sie arbeiten, doch sollte man die geleistete Arbeit nicht unterschätzen.

Locken für Palmzweige

Safak Atlas ist Experte beim Zusammenstellen von bunten Holzspänen für Palmzweige. Geübt bewertet er ob die Späne die entsprechende Qualität haben. Auch wenn ein Gespräch kaum möglich ist, unterhalten wir uns mit Händen und Füßen. Ich versuche mit ihm mitzuhalten und zeige Atlas immer wieder einen Span bei dem ich mir nicht sicher bin, ob er denn passt. Neben uns bauen Engelbert Langbrandtner, Matthias Kendlbacher und Christoph Ottino Gartenbänke zusammen. Unterstützer Kurt Manzl sortiert lediglich die einzelnen Latten vor, die Montage übernehmen die drei selbstständig.

Spaß bei der Arbeit

Kurt Manzl hat mich bereits morgens gebeten Froschschablonen auf Holzplatten zu übertragen. Kevin Gold sitzt mir im Rollstuhl gegenüber und grundiert die fertigen Frösche. Im Gemeinschaftsraum wird munter geplaudert, während alle arbeiten. Gold spricht nur wenig, ist aber nicht aus der Unterhaltung ausgeschlossen, zwischendrin bringt er den ganzen Raum mit einem wohlgesetzten Wort zum Lachen. Petra Bachinger bügelt mit Elisabeth Groder fleißig Wäsche weg. „Die wird bald abgeholt, die muss fertig werden“, sagt Bachinger, die so sauber bügelt, dass ich mich für meine bügelfreien Hemden schäme. Groder hilft heute wegen des Zeitdrucks beim Bügeln. Ihre Kollegin und Freundin Barbara Panzl sitzt an einem anderen Tisch und verziert Taschen für eine Gasteiner Apotheke. Hubert Aster ist mit 56 der Älteste der Gruppe und begeisterter Handarbeiter. Aus bunter Wolle fertigt Aster Häkelschnüre die für Dekorationen benötigt werden.

Rollen für die Herzen

Mit den fertigen Fröschen in der Hand frage ich nach meiner nächsten Arbeit. Patrick Lercher erklärt mir wie er Zirbenspäne zu kleinen Rollen dreht. Diese werden später in Zirbenherzen eingesetzt. Manfred Schafflinger und Lercher fertigen gerade mehrere dieser Röllchen an. Matthias Kendlbacher wirft ein wachsames Auge auf Lercher und mich. Er ist der „Herzspezialist“ in der Holzwerkstätte. „Ich drehe die Rollen einfach mit der Hand, aber für die beiden ist es einfacher mit den Stäbchen“, erklärt Kendlbacher. Patrick Lercher dreht erst seit zwei Tagen Späne, er ist mir gegenüber sehr fürsorglich. Ich bekomme die Hilfsstäbchen und Wäscheklammern von ihm bereitgelegt und genau erklärt was ich machen soll.

„Das Hendl bist du!“

Dann ist es Zeit für einen Botengang. Manfred Schafflinger geht mit mir zur Zweigstelle der Werkstätte Schwarzach. Es werden ein paar Bastelmaterialien abgeliefert und gefragt, ob etwas mitzunehmen ist. Auf dem Weg sehen wir ein ausgebüxtes Huhn, „Das Hendl bist du!“, beschließt Schafflinger prompt und so bleibe ich den restlichen Tag sein Hendl. Mein Begleiter ist nicht maulfaul. „Wir werden manchmal angesprochen, dass er so gerne ratscht. Man darf aber ruhig sagen, dass jetzt keine Zeit dafür ist. Er muss nicht wie ein rohes Ei behandelt werden“, erklärt mir Unterstützerin Doris Riedlecker.

Pause muss sein

Zurück in der Werkstätte ist erstmal Pause angesagt. Beim Kaffee erklärt mir Kurt Manzl, dass die Klienten zur Arbeit gehen und nicht zur Betreuung. „Sie sagen selbst, dass sie zum Beispiel Tischler bei der Lebenshilfe sind und genauso ist es auch. Gemeinsam werden Aufträge angenommen und erfüllt, einzig beim Termin, darf man es nicht so genau nehmen“, sagt Manzl.

Frösche sägen

Nach der Kaffeepause geht es wieder in die Tischlerei. Ich darf an die elektrische Laubsäge. Lukas Kraßnitzer zeigt mir wie es geht und schnell wird mir klar, dass ich das nie so hinkriege. Mit ruhiger Hand fährt Kraßnitzer die angezeichneten Linien nach. Ich versuche mich an meiner ersten Geraden. „Und wie sieht das aus Lukas?“ – „Da müssen wir noch ein bisschen schleifen, aber sonst schön“, sagt Kraßnitzer. Den restlichen Frosch will ich auch noch aussägen und bemerke in meinem Arbeitseifer nicht, wie mir die gesammelt Mannschaft durchs Fenster zu sieht. Wirklich gut mache ich es nach ihren Handzeichen nicht. Aber Kraßnitzer hat Geduld für mich, er hilft mir meinen Frosch so zu schleifen, dass man nicht unbedingt sieht wo die Laubsäge und ich uns nicht einig waren.

Eigenständig sein

Kraßnitzer ist generell sehr geschickt. Er hat die Aufgaben der Essensbestellung und der Anwesenheitsliste übernommen. Für die Anwesenheit erstellt er Monatstabellen in die er Feiertage und Wochenenden im Voraus markiert. Für die Essensbestellung hängen an einer Magnettafeln Bilder des Essens, jeder Klient setzt dann sein Bild neben seinen Wunsch für den nächsten Tag. Kraßnitzer gibt die Bestellung gesammelt an die Küche des Kardinal Schwarzenberg Klinikums weiter. Man merkt schon, dass viel von den Klienten eigenständig abgehandelt wird. „Genau darum geht es uns auch, soviel Eigenständigkeit wie möglich zu lassen und wenn nötig zu unterstützen“, erklärt Kurt Manzl.

Mahlzeit

Zu Mittag braucht Kevin Gold etwas Unterstützung, ihm schneide ich das Essen klein und binde ihm einen Latz um. Safak Atlas sitzt zu meiner Rechten, er ist nicht besonders begeistert, dass das Essen nicht von allen zusammengegessen wird. Nach dem Essen wird Pause gemacht. Jeder kann in dieser Zeit machen was ihm gefällt. Matthias Kendlbacher macht ein Nickerchen, Barbara Panzl und Elisabeth Groder zeichnen und der Rest verteilt sich im Haus.

Masseurin aus Leidenschaft

Elisabeth Groder hat heute noch etwas besonderes vor. „Ich gehe um zwei ins Wohnhaus massieren.“ Sie hat gelernt wie man Wellnessmassagen gibt und macht das jeden Dienstag im Wohnhaus der Lebenshilfe bei ihren Mitbewohnern.

Ein Herz für Holz

„Ich hätte jetzt eine Spezialaufgabe für dich“, verkündet mir Kurt Manzl nach der Pause. Hoffentlich nicht wieder an die Laubsäge. Matthias Kendlbacher zeigt mir wie man die Röllchen vom Vormittag in die Herzen klebt und ich darf mein Wissen an Julian Sint weitergeben. Sint schnuppert zur Zeit in der Werkstätte. „Das ist ganz normal, dass erstmal geschnuppert wird wo es einem gefällt. Julian könnte auch nach Bischofshofen, wenn es ihm dort gefällt“, sagt Manzl.

Schade

Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es Zeit für die Abschlussbesprechung. Wie in jedem Betrieb wird sich miteinander unterhalten, sich gegenseitig etwas aufgezogen und der neuesten Tratsch ausgetauscht. Am Ende des Tages bin ich so gut aufgenommen worden, dass auch jene die eher zurückhaltend waren mit mir blödeln. Das freut mich persönlich am meisten und wieder einmal ist es Schade, dass ich nur einen Tag dabei sein durfte.

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