Großarl
Teures Grünland erhitzt die Gemüter

Ein Grünland-Verkauf ist in Großarl zur Streitfrage geworden, um die sich jetzt der Volksanwalt kümmert.
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  • Ein Grünland-Verkauf ist in Großarl zur Streitfrage geworden, um die sich jetzt der Volksanwalt kümmert.
  • Foto: DOC-RABE-Media/Fotolia - Symbolbild
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Nach Diskussionen rund um einen Grundstücksverkauf in Großarl schaltet sich der Volksanwalt ein.

GROSSARL. Rund um den Verkauf und die geplante Umwidmung eines Grundstückes gibt es in Großarl viel Gesprächsbedarf: Wie Vize-Bürgermeister Johann Ganitzer (SPÖ) schildert, habe ein Landwirt 3.300 Quadratmeter Grünland in Bauland umwidmen lassen wollen. Die Gemeinde habe als Bedingung dafür auf Baulandsicherungsverträge gedrängt, damit für junge Familien leistbare Baugründe geschaffen werden können. "Das Grundstück wurde von einem Gutachter auf 241 Euro pro Quadratmeter Baulandpreis bewertet, wir hätten als Gemeinde bis zu 280 Euro geboten. Dann stieg der Landwirt allerdings aus – mit dem Argument, er könne das Grundstück teurer an andere Investoren verkaufen", sagt Ganitzer: "Veräußert wurde es schließlich um 300 Euro, obwohl der ortsübliche Grünlandpreis zwischen 25 und 30 Euro liegt."

"Wir tun der Gemeinde damit nichts Gutes", ist Vize-Bürgermeister Johann Ganitzer enttäuscht: "Wir brauchen leistbare Baugründe für unsere jungen Familien."
  • "Wir tun der Gemeinde damit nichts Gutes", ist Vize-Bürgermeister Johann Ganitzer enttäuscht: "Wir brauchen leistbare Baugründe für unsere jungen Familien."
  • Foto: Arne Müseler
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Nicht alles ist "nur" Grünland

Ganitzer ärgert vor allem, dass die eingesetzte Grundverkehrskommission zugestimmt hat, "dass Grünland um diesen Preis verkauft werden darf." Gottfried Rettenegger von der Bezirksbauernkammer St. Johann weist die Vorwürfe, die der Kommission gemacht werden, zurück:

„Grünland ist nicht gleich Grünland. Hier handelt es sich um ein Bauerwartungsland, das im räumlichen Entwicklungskonzept erfasst ist und für das es bereits einen Bebauungsplan gibt."
– Gottfried Rettenegger, Bezirkssekretär der Bezirksbauernkammer St. Johann/Pg.

Solche Flächen würden üblicherweise ausgehend vom Baulandpreis, mit gewissen Abschlägen für das bleibende Risiko, bewertet. Wer der Kommission vorwerfe, sie hätte das ablehnen müssen, gehe von falschen rechtlichen Grundlagen, die im Detail stecken, aus: „Es gibt klare Bestimmungen, wann die Kommission einem derartigen Rechtsgeschäft zuzustimmen hat oder wann sie es ablehnen muss“, sagt Rettenegger.

Sollte sich die Gemeinde stärker für Baulandsicherungsmodelle einsetzen?

"Unsere Entscheidung war vorgezeichnet"

Er sieht die Kommission in eine politische Entscheidung hineingedrängt, Raumordnungspolitik sei aber nicht deren Zuständigkeit. „Ob die Flächen schließlich verbaut werden oder nicht, hängt vom Flächenwidmungsplan der Gemeinde ab. In einer Stellungnahme vom November 2019 hat die Gemeinde aber klargestellt, dass einer Bebauung aus ihrer Sicht nichts im Wege steht, und sie hat auch selbst ein Angebot für die Flächen abgegeben“, fasst Rettenegger zusammen: „Wenn keine Widmungshindernisse gegeben sind und die Gemeinde in einer Stellungnahme nicht grundsätzlich von einer Widmung absieht, ist für uns der Weg vorgezeichnet.“

"Wenn die Gemeinde selbst um 280 Euro mitbietet, können wir auch einem Verkauf um 300 Euro zustimmen", sagt Gottfried Rettenegger von der Bezirksbauernkammer Pongau zu den Vorwürfen an die Grundverkehrskommission.
  • "Wenn die Gemeinde selbst um 280 Euro mitbietet, können wir auch einem Verkauf um 300 Euro zustimmen", sagt Gottfried Rettenegger von der Bezirksbauernkammer Pongau zu den Vorwürfen an die Grundverkehrskommission.
  • Foto: Bezirksbauernkammer Pongau
  • hochgeladen von Alexander Holzmann

Abwanderung bleibt ein Problem

Der Ball liegt nun bei der Gemeinde – sie müsste die Umwidmung zu ihren eigenen Ungunsten beschließen, denn sie wurde überboten und sieht sich vor einem bekannten Problem: "Wir haben in Großarl massiv mit Abwanderung zu kämpfen, weil die Baugrundpreise so teuer sind", sagt Ganitzer, der auch SPÖ-Abgeordneter im Salzburger Landtag ist. Er verweist auf andere Pongauer Gemeinden, wo Baulandsicherungsmodelle funktionieren.

"Damit tun wir der Gemeinde und unseren jungen Bürgern nichts Gutes. Wir haben immer Probleme, die Menschen im Ort zu halten.
– Vize-Bürgermeister Johann Ganitzer

Laut Ganitzer verlassen viele junge Leute die Gemeinde, um zu studieren oder weil sie einen Partner kennenlernen. "Jetzt bleiben aber nicht einmal mehr die hier, die eigentlich gerne im Ort bleiben würden, weil wir ihnen nicht die Möglichkeit bieten", bedauert Ganitzer, der sich kämpferisch gibt. Einer Umwidmung möchte er aus derzeitiger Sicht nicht zustimmen: "Der Amtsleiter hat die Sache mittlerweile an den Volksanwalt übergegeben."

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