Altkleider-Revolution
Haslach denkt Textilabfall neu, zeigt Wege der Wiederverwertung
- Die Altkleider-Sitzbank im Textilen Zentrum Im Bild mit der Textilkünstlerin Joanna Czekajlo enthält die Menge Altkleider, die in Haslach an einem Tag im Altstoffsammelzentrum abgegeben werden.
- Foto: Helmut Eder
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Etwa drei Viertel des in Österreich anfallenden Textilabfalls landen im Restmüll. Das Textile Zentrum Haslach und der Bezirksabfallverband thematisieren das Thema Kreislaufwirtschaft und die Wiederverwertung von Textilabfällen.
HASLACH, BEZIRK ROHRBACH. In Oberösterreich wurden laut Bezirksabfallverband Rohrbach 2.928 Tonnen Textilabfall in den Altstoffsammelzentren abgegeben, im Bezirk Rohrbach waren es 268 Tonnen. Seit mehr als 25 Jahren werden Textilien in den landesweiten regionalen Abfallsammelzentren gesammelt. Die abgegebene Textilmüllmenge in den Sammelstellen des Bezirksabfallverbandes Rohrbach sei laut der Abfallberaterin Lisa Oberpeilsteiner in letzter Zeit konstant geblieben. Nur die Qualität der abgegebenen Stücke habe sich verschlechtert. Als Ursache nennt sie den Trend zu Billigware: "Diese ist minderwertiger und hält weniger lang, was auch die qualitative Weiterverwendung einschränkt.“
- Die Abfallberaterin Lisa Oberpeilsteiner vom Bezirksabfllverband Rohrbach appelliert, gut erhaltene „Alt-Kleidungsstück“ bei den Volkshilfe-Shops abzugeben. „Das ist vor Ort oft der kürzeste und nachhaltigste Weg zur Wiederverwendung von Textilien.“
- Foto: BAV Rohrbach.
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Die gesammelten Textilen werden laut Auskunft der Umweltprofis durch die LAVU (Landes-Abfallverwertungsunternehmen GmbH) an Sortierbetriebe – vorwiegend in Italien und Europa – weitergegeben, wo man sie anschließend zur Wiederverwendung in Osteuropa und in Afrika einsetzt. Ein geringer Teil gehe direkt in Secondhandshops in West- und Mitteleuropa. Nicht mehr verwertbare Stoffe werden der Verbrennung zugeführt.
Masterarbeit zu Textilabfällen
Laut dem Textilen Zentrum landen drei Viertel des in Österreich anfallenden Textilmülls direkt im Restmüll. „Mit ihnen werden nicht nur all die Fertigkeiten entsorgt, die in ihnen stecken, sondern auch Unmengen an Rohstoffen und wertvollen Ressourcen. Ein großer Teil landet in Afrika, wo die ökologischen und sozialen Folgen des globalen Textilkonsums besonders drastisch spürbar sind“, weiß die 31-jährige Textilkünstlerin Joanna Czekajlo. Diese Thematik beschäftigt sie schon länger und hat sich auch dazu bewogen, es zum Thema ihrer Masterarbeit im Rahmen ihres Studiums Textil und Design an der Kunstuni Linz zu machen. „Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich unter anderem eine Datenbank zu anfallenden Textilabfällen in Österreich gemacht.“ Christina Leitner, wissenschaftliche Leiterin des Textilen Zentrums Haslach, wurde dort auf sie aufmerksam. Die gebürtige Berlinerin ist nun seit eineinhalb Jahren im Rahmen des EU-Interreg-Projekts Symcraft beim Textilen Zentrum beschäftigt.
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Wiederverwertung und Kreislaufwirtschaft
Das Textile Zentrum Haslach beschäftigt sich beim Projekt mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und der Wiederverwertung von Textilabfällen. Das Sommersymposium Textile Kultur Haslach steht daher heuer auch unter dem Motto „Textilabfall neu denken“. "Es geht dabei um aktuelle Fragen rund um Überproduktion und Recycling sowie den Umgang mit Fast Fashion und Produktionsabfällen und stellt Ideen in den Mittelpunkt, die Abfall als wertvolle Ressource begreifen“, erklärt Czekajlo. Mehrere Ausstellungen, Kurse und Abendveranstaltungen werden verschiedene Facetten dieses umfangreichen Themas beleuchten.
Zwei Ausstellungen
Die Ausstellung „Mist! Textilabfall neu denken“ gibt einen Einblick in eine junge Generation an Textilgestaltern und Aktivisten, die all diesen Herausforderungen mit Mut und neuen Ideen begegnen, wie eben die Textilkünstlerin und Designerin Joanna Czekajlo. Die Ausstellung „Twist. Kunst aus Mist!“ zeigt auf den acht Etagen des Haslacher Kirchturms freie, experimentelle Arbeiten, die sich verschiedener textiler Abfallmaterialien bedienen. „Ich wünsche mir, dass möglichst viele Besucher unsere Ausstellungen besuchen, um sich selbst Inspirationen zum nachhaltigen Umgang mit Textilen für ihren Alltag zu holen“, so Czekajlo. Mehr dazu unter www.textiles-zentrum-haslach.at/home
Umwelt-Tipp: Volkshilfe-Shops
Abfallberaterin Lisa Oberpeilsteiner appelliert, gut erhaltene „Alt-Kleidungsstücke“ bei denVolkshilfe-Shops abzugeben: „Das ist vor Ort oft der kürzeste und nachhaltigste Weg zur Wiederverwendung von Textilien.“ Auch Tauschbörsen und -märkte seien ein wertvoller Beitrag zur Vermeidung von Textilmüll. Generell rät der Bezirksabfallverband Rohrbach zum Ankauf qualitativer Kleidungsstücke.
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