Coming Out / Psychologie
Cross-Dressing und Transvestitismus

Cross-Dressing bezeichnet das Tragen „gegengeschlechtlicher“ Kleidung, um zeitweilige Zugehörigkeit zum „anderen“ Geschlecht zu erleben, ohne Wunsch nach dauerhafter Geschlechtsangleichung oder chirurgischen Eingriffen. Meist sind dabei Personen mit männlichem Geburtsgeschlecht im Blick, es gibt jedoch auch Cross-Dresser, deren zugewiesenes Geschlecht „weiblich“ lautet. Der medizinisch-psychiatrische Begriff Transvestit für Cross-Dresser wird sehr oft als abwertend empfunden und sollte nicht ungefragt als Bezeichnung für eine Person verwendet werden. Transe ist ebenfalls eine abwertende Bezeichnung. Gelegentlich verwenden Trans*Personen oder auch Drag Performer*innen „Transe“ als ironische Selbstbezeichnung, aber: Bitte nicht mit diesem Begriff über eine Person sprechen!
Cross-Dresser sehen sich mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert, etwa der Unterstellung, dass sie transident seien oder eine andere sexuelle Orientierung hätten. Viele Cross Dresser*innen sind allerdings heterosexuell. Cross-Dressing hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, sondern ist ein davon unabhängiges, eigenständiges Phänomen. Ein Mann, der Frauenkleider trägt, tut dies unabhängig davon, ob er schwul, bisexuell oder heterosexuell ist.

Leider wird Cros-Dressing unter dem Schlagwort Transvestitismus noch immer pathologisiert, d.h. als eine psychische Erkrankung definiert. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme in ihrer 10. Revision (ICD-10-WHO) definiert Transvestitismus mit folgenden Worten:
„Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Der Wunsch nach dauerhafter Genitalorganumwandlung oder chirurgischer Korrektur besteht nicht; der Kleiderwechsel ist nicht von sexueller Erregung begleitet.“
Auch der fetischistische Transvestitismus wird als „Störung der Sexualpräferenz“ pathologisiert:
„Zur Erreichung sexueller Erregung wird Kleidung des anderen Geschlechts getragen; damit wird der Anschein erweckt, dass es sich um eine Person des anderen Geschlechts handelt. Fetischistischer Transvestitismus unterscheidet sich vom transsexuellen Transvestitismus durch die deutliche Kopplung an sexuelle Erregung und das starke Verlangen, die Kleidung nach dem eingetretenen Orgasmus und dem Nachlassen der sexuellen Erregung abzulegen. Er kann als eine frühere Phase in der Entwicklung eines Transsexualismus auftreten.“

Diese Pathologisierungen sind m.E. höchst problematisch, da die ICD-10 damit einen engen Bereich von gesellschaftlicher „Normalität“ völlig willkürlich festlegt und alles was davon abweicht als eine psychische Erkrankung definiert. Hierbei handelt es sich um strukturellen und psychisch-gewaltvollen Machtmissbrauch, in welchem das Konstrukt von „Normalität“ (Normalität gilt dabei als gesund, alles davon Abweichende hingegen als psychisch krank) nicht hinterfragt wird und ein psychisch gesundes Erleben (hier das Cross-Dressing) als psychische Erkrankung definiert wird.

Im Bereich der Identität und der Sexualität ist jedoch immer das Individuum der Maßstab für psychische Gesundheit oder Erkrankung. Ist jemand mit seiner Neigung zum Cross-Dressing zufrieden und erlebt sich dabei als erleichtert, lebendig und zufrieden oder spürt in seinem tiefsten Innersten, dass das Cross-Dressing für ihn/sie authentisch und stimmig ist, so ist Cross-Dressing niemals eine psychische Erkrankung.
Die Pathologisierung des Transvestitismus verunsichert noch immer viele Menschen, die diese Neigung haben. Auch die Partner*innen von Menschen, die zum Cross-Dressing neigen und dieses ausleben, sind oft irritiert und zwar oft so stark, dass sie die Partnerschaft mit einem Cross-Dresser/einer Cross-Dresserin beenden.

Autor: Florian Friedrich
Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (Logotherapie und Existenzanalyse)

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