Emotionaler Missbrauch / psychische Gewalt / Psychologie und Psychotherapie
Narzissmus in Familie und Partnerschaft

Narzisstische Menschen müssen immer als großartig anerkannt werden und benötigen permanent Bewunderung. Sobald sie sich als durchschnittlich erleben, bekommen sie immense Angst, die Aufmerksamkeit und Wertschätzung ihrer Mitmenschen, die sie so dringend benötigen, zu verlieren. Kränkungen, auch alltägliche, können zu schweren Depressionen, ja sogar zur Suizidalität führen.
Narzisstische Menschen sind beeinträchtigt, wenn es um das Spüren des Eigenen, des Persönlichen geht. Ein narzisstischer Mensch darf nicht er selbst sein. Das behindert wiederum die Entwicklung des Selbstwerterlebens. Ein narzisstischer Mensch, vor allem dann, wenn der Narzissmus stark ausgeprägt ist (etwa bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, siehe unten) kann seine eigenen Schwächen nicht wahrnehmen und diese integrieren. Er muss sie verleugnen und kann nicht zu ihnen stehen, denn er fürchtet den Verlust seines Ansehens, wenn er nicht seinem Ideal entspricht und dieses zusammenbricht (was wiederum zu einer suizidalen Krise führen kann).
Aufgrund dieser schwierigen Psychodynamik wird verständlich, warum es sehr schwer sein kann, eine Partnerschaft mit einem narzisstischen Menschen zu führen. Oft lässt sich der psychisch stabilere Partner/die psychisch stabilere Partnerin von der starken destruktiven Dynamik anstecken und wird dann seinerseits/ihrerseits destruktiv, agiert die eigene Hilflosigkeit hasserfüllt aus oder wird ebenfalls psychisch oder physisch gewaltvoll. Narzisstische Menschen spüren in der Regel schnell die wunden Punkte ihrer Partner*innen und werten dann dort ab, wo es dem/der anderen am meisten weh tut, etwa im Bereich des Körpers, der Sexualität und des Aussehens.
Aussagen wie „Ich mag den Geruch Deiner Geschlechtsorgane nicht“ oder „Du bekommst einen Bauch“ oder „mich stört Deine Körperbehaarung“ sind keine Seltenheit und können zutiefst kränken. Mitunter idealisieren und entwerten narzisstische Menschen auch innerhalb kurzer Zeit.

Narzisstische Menschen handeln nicht aus schlechter Absicht, wenn auch ihre Taten schlecht und schädlich sind. In der Regel ist ihnen ihr Verhalten völlig unbewusst. Ihre emotionale Bedürftigkeit nach Selbstbestätigung ist immens hoch und dementsprechend groß ist auch ihre Kränkung, wenn die Partnerin/der Partner diese Selbstbestätigung nicht erfüllt (und wer kann das schon?). In diesem Fall scheuen narzisstische Menschen nicht davor zurück, in der Partnerin/im Partner durch schwere Vorwürfe Schuldgefühle zu manipulieren. Ein kleines „Nein!“ kann von einem narzisstischen Menschen als so kränkend erlebt werden, dass er ausrastet, mit Hass reagiert oder die Partnerschaft infragestellt bzw. gleich ganz beendet. In jeder Partnerschaft kommt es unweigerlich zu Konflikten und alltäglichen Kränkungen, die ein narzisstischer Mensch jedoch nicht auf einer erwachsenen Ebene austragen kann.
Nach einer Trennung (auch wenn diese vom narzisstischen Partner/von der narzisstischen Partnerin ausgeht), verhalten sich narzisstische Menschen in der Regel wie kleine gekränkte Kinder und agieren hasserfüllt. Rache ist dann nicht selten – so wird der Expartner/die Expartnerin am Arbeitsplatz und im Freundeskreis schlechtgemacht, es kommen hasserfüllte Mails, Sprachnachrichten oder Briefe. Der Expartner/die Expartnerin wird in den Augen des narzisstischen Menschen zum Feind. Narzisstische Partner*innen fühlen sich nach einer Trennung für nichts verantwortlich, geben jede Verantwortung ab und weisen jede Schuld dem/der anderen zu.
Besonders problematisch kann es sein, wenn der narzisstische Partner/die narzisstische Partnerin die gemeinsamen Kinder manipuliert und in den Konflikt der Eltern hineinzieht. So scheuen narzisstische Menschen nicht davor zurück, die eigenen Kinder gegen den anderen Partner/die andere Partnerin auszuspielen, schlecht zu machen, abzuwerten oder den Kindern einzureden, dass der andere Elternteil sie nicht liebe. Hierbei handelt es sich natürlich um schweren psychischen und emotionalen Missbrauch der Kinder.

Exkurs: Narzisstische Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung
Eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung ist nach DSM-5 (dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders in seiner fünften Auflage) ein durchgängiges Verhalten von Grandiosität (in Phantasie oder Verhalten), ein Verlangen nach Bewunderung und ein Fehlen von Empathie.
Die Narzisstische Persönlichkeitsstörung beginnt im frühen Erwachsenenalter. Sie zeigt sich in einer Vielzahl von Lebensbezügen in mindestens fünf (oder mehr) der folgenden Kriterien:
• Ein anhaltendes Muster von Grandiosität, Bewunderung und mangelndem Mitgefühl. Dieses Muster wird durch das Vorhandensein von mindestens fünf der folgenden Punkte gezeigt:
• Ein übertriebenes, unbegründetes Gefühl der eigenen Bedeutung und Talente (Grandiosität)
• Die Beschäftigung mit Phantasien von unbegrenzten Erfolgen, Einfluss, Macht, Intelligenz, Schönheit oder der vollkommenen Liebe
• Der Glaube, dass sie speziell und einzigartig sind und sich nur mit den Menschen auf höchstem Niveau verbinden sollten
• Der Wunsch bedingungslos bewundert zu werden
• Ein Gefühl des Anspruchs
• Ausnutzung anderer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen
• Ein Mangel an Empathie
• Neid auf andere und der Glaube, dass andere sie beneiden
• Überheblichkeit und Hoffart

Das zentrale Beziehungsmotiv eines narzisstischen Menschen liegt in der Ernährung des grandiosen Selbst. Es besteht eine Gier nach Bestätigung, exzessiver Bewunderung, nach Anerkennung und Hochachtung. Die betroffene Person möchte in ihrer Bedeutsamkeit immerfort bestätigt werden.
Sobald eine Eroberung (etwa ein sexueller Kontakt, eine Affäre, eine Leistung) vollzogen ist, verringert sich der narzisstische Jagdinstinkt.
Die narzisstische Persönlichkeit ist davon überzeugt, etwas Besonderes und Herausragendes zu sein, ganz besondere Probleme zu haben, zu Großem geboren zu sein, niemanden zu brauchen und keine Angst zu kennen.
Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeit konnten ihre Schwächen nicht integrieren und müssen diese deshalb abspalten. Schmerz und Angst sind dabei wie betäubt. Typische Ängste von narzisstischen Menschen äußern sich oft nur in Hypochondrien.

Die Stärken und Qualitäten von narzisstischen Menschen werden vom sozialen Umfeld zu Beginn als angenehm (mit der Zeit jedoch als ausbeuterisch) empfunden. Hierunter fallen:
- das verführerische Werben, wenn der andere Mensch ein wichtiger ist,
- das Idealisieren,
- das Auserwählen und Emporheben des/der anderen;
Narzisstische Menschen schaffen sich eine Gefolgschaft und ihr Lieblingspublikum. Sie sind erfolgreich und angesehen, sehr auf ihr Äußeres bedacht, sie laden andere ein und sind gönnerhaft.

Autor: Florian Friedrich
Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision (Logotherapie und Existenzanalyse)

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