Der Maibaum-Irrtum
Kein Fruchtbarkeitssymbol, sondern Verbotsschild
- Stiegl Maibaumfest 2025 bei der Stieglbrauerei Salzburg
- Foto: Franz Neumayr
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Geschmückt, bejubelt und von Muskelkraft in den Himmel gestemmt – der Salzburger Maibaum. Was er wirklich bedeutet, überrascht: Er steht nicht für Fruchtbarkeit, sondern war einst ein weithin sichtbares Warnzeichen mit klarer Botschaft: betreten verboten.
SALZBURG. Ende April, aber spätestens mit 1. Mai, werden in den meisten Salzburger Orten festlich geschmückte Maibäume aufgestellt. Bereits in den Tagen zuvor werden die Baumstämme – vor allem Fichten – entrindet und mit einem kunstvoll gebundenen Kranz geschmückt. Die feierliche Zeremonie des Aufstellens wird von Musik begleitet und zieht zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Traditionell wird der Maibaum mit langen Holzstangen und reiner Muskelkraft aufgerichtet. Mittlerweile sichern aber meist Kräne den Baum vor Umfallen und die Mitwirkenden vor Unfällen.
- Der Maibaum im Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain (2022).
- Foto: Franz Neumayr
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Achtung, Betretungsverbot
Hartnäckig hält sich die Erzählung, der Maibaum symbolisiere Liebe, Fruchtbarkeit, Leben und Wachstum. „Das stimmt nicht“, sagt Michael Greger, Institutsleiter des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde und damit der Experte für Bräuche und Rituale im Land Salzburg. „Der Maibaum war im 13. Jahrhundert ein Rechtssymbol. Er war das weithin sichtbare Zeichen, dass nun das Wachstum auf Feldern und Wiesen nicht mehr gestört werden durfte“, erklärt Greger. „Wenn man so will, war er ein Betretungsverbot und erinnerte an mögliche Sanktionen bei Übertretung.“
„Der Maibaum ist auch sicher kein keltisches Fruchtbarkeitssymbol. Das heißt nicht, dass die Kelten keine Bräuche oder Rituale gehabt hätten, aber über deren genauen Ablauf wissen wir sehr wenig.“
Michael Greger, Institutsleiter des Salzburger Landesinstituts für Volkskunde
Ehrensymbol für Offiziere
Auch das zum Baum gehörende Maibaumfest existiert bereits seit dem Mittelalter. In der heute bekannten Form ist es aber eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Ab etwa dem „Dreißigjährigen Krieg“ im 17. Jahrhundert wird der Maibaum zum Ehrensymbol für hohe Adelige und Offiziere und von deren Soldaten aufgestellt, erklärt der Experte.
- Foto: Pixabay
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Mit der Entwicklung der selbstständigen Ortsgemeinden – ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts – wird der Maibaum einerseits zum Gemeindesymbol, andererseits zum Ehrensymbol, häufig vor Gasthäusern aufgestellt.
Von den Nazis inszeniert
Zur Verbreitung des Maibaum-Brauchs trug später die nationalsozialistische „Brauchtumspflege“ bei, die das Aufstellen als angeblich „uraltes Symbol der erwachenden Natur“ für das ganze Reich anordnete. Dieser damals inszenierte Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol wirkt bis heute nach. Während der NS-Zeit kamen auch Figuren und bunte Bemalung auf den Maibaum.
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Maibaum löste Fehden unter Nachbargemeinden aus
Ganz traditionell wurde der Baum erst in der Nacht auf den 1. Mai gefällt. In manchen Gegenden Österreichs darf der Maibaum aus einem Wald gestohlen werden, was als Ehre für den Waldbesitzer gilt. „In Salzburg war das früher nur teilweise der Fall, ist aber heute nicht mehr erlaubt“, warnt Michael Greger vor Straftaten. Auch das Stehlen oder Fällen des bereits geschlagenen Baumes ist eine alte Tradition, die von Gemeinde zu Gemeinde variiert und zu alten Fehden unter den Nachbargemeinden beitrug.
- Foto: Gerhard Langmann
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Einen oder viele Monate
Die Bearbeitung des Baumes ist regional unterschiedlich. In Salzburg wird der Baum komplett seiner Äste entledigt und ganz oder in Spiralen entrindet. Nur der Wipfel bleibt erhalten. Dann thront der Baum je nach Region bis Ende Mai, Pfingsten oder mitunter auch bis in den Herbst hinein über der Gemeinde.
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