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Beim Lokalaugenschein am Bahnhof in Kolbnitz ertönte mehrmals die Durchsage: „Achtung! Zug fährt durch." Richard Huber setzt sich für einen regelmäßigen S-Bahn-Verkehr im Mölltal ein.
Im Mölltal wächst der Wunsch nach einem stündlichen S-Bahn-Verkehr – insbesondere angesichts der bestehenden Bahnhöfe, an denen dutzende Züge täglich vorbeifahren.
REISSECK. Der Verein „Zukunft Regionalverkehr Mölltal“ setzt sich für einen regelmäßigen S-Bahn-Verkehr zwischen Spittal und Mallnitz ein. Obmann Richard Huber stellt fest: „Ein zumindest stündlicher S-Bahn-Takt ist heute österreichweiter Standard.“ Zwischen Spittal und Mallnitz liegen rund 40 Kilometer, die Haltestellen Mühldorf-Möllbrücke und Kolbnitz werden jedoch kaum bedient. Die Haltestelle Oberfalkenstein ist derzeit außer Betrieb.
„Wir brauchen zunächst einmal einen S-Bahn-Verkehr, weil uns die beste Haltestelle nichts hilft, wenn dort keine Züge halten.“
Vereinsobmann Richard Huber fordert einen regelmäßigen S-Bahn-Verkehr im Mölltal ein.
Aus Sicht Hubers wäre die notwendige Infrastruktur grundsätzlich vorhanden. Die Strecke sei gut ausgebaut und verfüge über ausreichende Kapazitäten. „Es ist eine Hochleistungsstrecke“, betont er.
Die notwendige Infrastruktur für einen Stundentakt wäre grundsätzlich vorhanden.
Laut einer Studie gibt es ein Potenzial von rund 1.800 Personen in Richtung Spittal und Villach sowie rund 300 Pendler in Richtung Salzburg. „Sie sind alle auf das Auto angewiesen“, sagt Huber. Für Pendler wäre der Umstieg vor allem finanziell interessant: Huber zufolge könnten sich bei einer Strecke zwischen Obervellach und Spittal gegenüber dem Auto mehrere tausend Euro pro Jahr einsparen lassen. Steigende Kosten für das Autofahren, die Koralmbahn und günstige Klimatickets würden den öffentlichen Verkehr attraktiver machen.
Zwischen Spittal und Mallnitz liegen rund 40 Kilometer, die Haltestellen Mühldorf-Möllbrücke und Kolbnitz werden jedoch kaum bedient.
Eine bessere öffentliche Anbindung könne auch der Abwanderung entgegenwirken: „Wenn ich nach Klagenfurt pendeln muss, besteht die große Gefahr, dass ich zum Wochenpendler werde. Oder ich wandere überhaupt ab.“ Eine gute Bahnverbindung könne Menschen ermöglichen, im Mölltal zu wohnen und in weiter entfernten Zentren zu arbeiten oder zu studieren. „Seitdem die Koralmbahn in Betrieb ist, fangen die Studenten erst umzudenken an“, sagt Huber. Voraussetzung sei allerdings ein entsprechendes Angebot am Abend. „Wenn ich ins Mölltal muss, dann muss ich in Graz spätestens um 17.22 Uhr wegfahren, damit ich noch einen Bus in Spittal erwische“, weiß Huber. Der Bus bleibe ein wichtiger Bestandteil des Verkehrsangebots. Allerdings sei er auf längeren Strecken deutlich langsamer als die Bahn und fahre am Abend nicht lange genug. „Der Bus kann die Bahn nie ersetzen, aber man könnte das sehr gut kombinieren“, sagt Huber. Eine Buslinie könnte beispielsweise Orte wie Winklern oder Obervellach mit einem Bahnhof verbinden.
Ist 2028 das Schlüsseljahr?
Reißecks Bürgermeister Stefan Schupfer (FLR) unterstützt die Forderung. Dass sie nicht einfach umzusetzen ist, weiß er allerdings auch. „Letzlich geht es ums Geld“, sagt er. Zudem sei das Bahnnetz eng miteinander verknüpft. Änderungen bei den Regionalzügen könnten Auswirkungen auf Anschlüsse im gesamten Netz haben. Die Verhandlungen über den Verkehrsdienstvertrag zwischen dem Land Kärnten und den ÖBB im Jahr 2028 könnten deshalb zum entscheidenden Zeitpunkt für Gespräche werden. Auch ein Mikro-ÖV-Angebot im unteren Mölltal sei derzeit in Planung. Mehrere Gemeinden zwischen Reißeck und Flattach führen dazu Gespräche.
Nächstes Jahr noch komplizierter
Auch die geplante mehrmonatige Sperre der Tauernbahn nächstes Jahr bereitet Huber große Sorgen. Der Ersatzverkehr werde voraussichtlich funktionieren, doch weil zeitgleich die Deutsche Bahn die Strecke zwischen Freilassing und Rosenheim sperrt, werde die Situation schwieriger als bei der ersten Sperre. „Wenn du von Kärnten nächstes Jahr nach München fahren willst, dann darfst du zweimal vom Zug auf den Bus umsteigen“, sagt Huber. Nach Abschluss der Bauarbeiten hofft er auf bessere Bedingungen – und langfristig auf einen regelmäßigen S-Bahn-Verkehr im Mölltal.
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