Die Toilette ist kein Mistkübel

  • Foto: Reinhaltungsverband Steyr und Umgebung
  • hochgeladen von Sandra Kaiser

BEZIRK. Von Hygieneartikeln bis zum 30 Meter langen Gartenschlauch, täglich geht so einiges ins oberösterreichische Kanalnetz. Fremdkörper, die mühevoll aus dem Abwasser entfernt werden müssen, die Pumpwerke und Maschinen beschädigen und somit unnötige Mehrkosten bei den Kanalbenützungsgebühren verursachen.
Auch in der Kläranlage in Steyr kennt man das Problem. "Besonders Feuchttücher, die über die Toilette entsorgt werden, bereiten uns Probleme. Die Tücher lösen sich nicht auf und führen zu sogenannten Verzopfungen in den Pumpen, die mühevoll händisch gelöst werden müssen", erklärt Gunter Mayrhofer, Obmann des Reinhaltungsverbandes Steyr und Umgebung.

Tausender ins Klo
Aber auch andere Dinge wie Plastikhandschuhe, Spielzeug, Hygieneartikel oder Zahnbürsten werden in der Kläranlage angeschwemmt. "Einmal wurden einige Tausend-Schilling-Noten angespült. Eine ältere Frau hatte diese im Klo entsorgt, weil neue Banknoten kamen und sie geglaubt hat, das alte Geld ist nichts mehr wert", erinnert sich Anita Schürrer-Wizani, Technische Geschäftsführerin des Reinhaltungsverbandes. Probleme bereiten außerdem Strumpfhosen, die über das Klo entsorgt werden. Bei der Schnecke, mit der das Abwasser zum Rechen transportiert wird, ehe Feststoffe vom Rechen aussortiert werden, kann sich das Nylon verwickeln und die Schnecke lahmlegen.
Ebenfalls problematisch sind Essensreste, und hier im Speziellen Fette und Öle. "Mit den Essensresten in der Spüle oder im Klo bereiten sich vor allem auch die Privathaushalte selbst mehr Schaden", betont Schürrer-Wizani. Oftmals verstopfen schon im eigenen Heim irgendwann die Leitungen, wenn beispielsweise viele fettige Essensreste so entsorgt werden. "In den Rohren, wo Küchen- und Sanitärabwasser zusammenfließen, entsteht eine gelartige Masse, die zur Verstopfung führt. Auch für Ratten sind solche Verstopfungen sehr interessant", so Schürrer-Wizani.

Strom aus Eigenversorgung
Elf Gemeinden, davon drei aus Niederösterreich, sind im Reinhaltungsverband zusammengeschlossen. Im Schnitt laufen 250 Liter pro Sekunde in die Kläranlage. 8 Millionen Kubikmeter Wasser sind es im Jahr. 34 Mitarbeiter kümmern sich um rund 300 Kilometer Kanalnetz im Verband. Seit 2015 verfügt der Reinhaltungsverband über einen Kamerawagen, mit dem die Kanäle inspiziert werden. "Es können damit der Zustand erhoben werden und in weiterer Folge Sanierungsvorschläge ausgearbeitet werden. Die Auslastung des Fahrzeugs ist sehr gut", so Mayrhofer. Besonders stolz ist man auf die eigene 400 Kv-Photovoltaikanlage. "Die Anlage ist die größte Österreichs im kommunalen Bereich. Den Strom speisen wird nicht ins Netz, sondern nützen ihn für die Kläranlage" erklärt der Obmann. Auch das Gas, das in den beiden Faultürmen entesteht, wird nicht einfach abgebrannt, sondern zum Antrieb für Turbinen genutzt.
Infos zum Reinhaltungsverband Steyr und Umgebung unterwww.rhv-steyr.at

Richtiges Entsorgen
• Speisereste und Fette führen zu Geruchsbelästigung, Rattenplagen, sie verkleben und verstopfen die Kanäle.
• Gifte, Chemikalien, Motor- und Getriebeöle zerstören notwendige Mikroorganismen.
• Strümpfe oder Unterwäsche und Hygieneartikel verstopfen Pumpen und beschädigen Maschinen.
• Katzenstreu, andere Feststoffe und Tierkadaver verstopfen die Kanäle und müssen mühevoll entfernt werden.
• Zement, Mörtelreste und Bauschutt bilden Ablagerungen.
• Gebisse, Batterien, Handys und Brillen führen zu Verstopfungen.
www.denkklobal-ooe.at

Autor:

Sandra Kaiser aus Steyr & Steyr Land

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