Stubai
Ableitungen fix - Enttäuschung groß

Das Naturdenkmal Grawa-Wasserfall hier mit Blick auf das darunter liegende Observatorium bleibt von den Eingriffen verschont.
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  • Das Naturdenkmal Grawa-Wasserfall hier mit Blick auf das darunter liegende Observatorium bleibt von den Eingriffen verschont.
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STUBAI.Nach elf Jahren des Hin und Hers bekam die TIWAG grünes Licht für den Ausbau des Speicherkraftwerks Kühtai.

Die endgültige Entscheidung ist gefallen. Jetzt ist fix, dass mehrere Stubaier Bäche in Richtung Speicherkraftwerk Kühtai abgeleitet werden. Der Landesenergieversorger bekam vor kurzem grünes Licht für das umstrittene Vorhaben.

Massiv bekämpftes Vorhaben

"Das Verfahren ist beendet", bestätigt Rechtsanwalt Simon Gleirscher, dass alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Der Neustifter vertrat in der Sache zuletzt den ÖAV, den DAV und den Umweltdachverband und ergänzt: "Wir sind natürlich enttäuscht über den Ausgang. Das Projekt stand lange auf Messers Schneide. Die Bemühungen waren trotzdem nicht umsonst. Wir konnten zumindest viele zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen erwirken."

Gefahren und Schäden erwartet

Wobei der Naturschutz nur die eine Seite darstellt, wie Luis Töchterle betont: "Das Vorhaben der TIWAG bringt dem Tal Gefahren und ökologische wie wirtschaftliche Schäden." Enttäuscht zeigt sich der Naturschützer und Ideengeber des WildeWasserWeges "vor allem wegen der Schieflage des UVP-Verfahrens": "Dieses ist zwar umfangreich aufgebaut, der massive Machtklumpen aus einem landeseigenen Betreiber und willfährigen Amtsgutachtern hat aber alle fachlich gut begründeten Gegenargumente einfach niedergewalzt.“

Rettenbacher: "Interessen missachtet"

Ebenso enttäuscht über die geplanten Wasserentnahmen ist der Obmann der Bürgerinitiative WildeWasser und Obmann des TVB Stubai, Sepp Rettenbacher: "Wenn das Land Tirol jetzt als Eigentümer die TIWAG beauftragt, die Stubaier Bäche abzuleiten, werden unsere Interessen schlichtweg missachtet. In den vergangenen Jahren haben wir viel Geld in den WildeWasserWeg investiert und ein gesellschaftliches sowie touristisches Erfolgsprojekt geschaffen, das nun schwer beeinträchtigt werden soll. Es verliert nicht nur viel Wasser, sondern auch seine Authentizität. Dabei leistet unser Tal mit Wasserableitungen zu drei großen und über 30 kleinen Kraftwerken schon längst einen erheblichen Beitrag zur Energiegewinnung.“
Selbstverständlich hätten wir auch Standortbürgermeister Peter Schönherr aus Neustift um eine Stellungnahme gebeten, konnten ihn aber leider nicht erreichen. Erwähnt sei an dieser Stelle dennoch, dass auch die Gemeinde permanent Protest gegen die geplanten Wasserableitungen bekundete, entsprechende Beschlüsse fasste und über Anwalt Michael Sallinger ebenfalls alle möglichen Rechtsmittel ergriff, um das Vorhaben abzuwenden.

TIWAG zu den Maßnahmen

Welche Auswirkungen der Kraftwerksausbau im Kühtai haben wird bzw. was die Stubaier erwartet, haben wir beim Vorstandsdirektor der TIWAG, Johann Herdina, nachgefragt.

Welche Maßnahmen sind im Stubaital geplant und wie sieht der Zeitplan dafür aus?
Die Hauptbauarbeiten beginnen im Frühjahr 2021 und finden im Kühtai statt. Von dort aus wird auch der 25 km lange Beileitungsstollen gebaut, der erst nach mehrjähriger Bauzeit das hinterste Stubaital erreichen wird. Im Stubaital selbst sind lediglich vergleichsweise kleine Baustellen für drei Wasserfassungen geplant: Am Fernaubach unterhalb der Mittelstation des Stubaier Gletschers sowie am Daunkogelfernerbach und Unterbergbach in der Wilden Grube. Die Bauarbeiten für diese Wasserfassungen sind jedoch erst in den Jahren 2024 und 2025 vorgesehen. Sämtliche Baustellenbereiche liegen im Gletscherschigebiet und können auf bereits bestehenden Wegen auch mit Lkw gut erreicht werden.

Ist mit Einschränkungen z.B. im Wanderbetrieb zu rechnen?
Die Arbeiten an den Wasserfassungen finden nur in der schneefreien Jahreszeit statt, für den Schibetrieb gibt es deshalb keinerlei Einschränkungen. Auch der alpine Steig zur Dresdner Hütte wird von der Wasserfassungsbaustelle am Fernaubach nicht berührt. In der Wilden Grube kann es im Fall von Sprengungen für die Herstellung der Bauwerksfundamente vereinzelt zu kurzzeitigen Sperren von Wegen kommen. Diese dauern allerdings in der Regel weniger als eine Stunde und dürfen bescheidgemäß von vornherein nur außerhalb der touristischen Hauptsaison (Anfang Juli bis Mitte September) durchgeführt werden.

Wird das Projekt „WildeWasserWeg“ tangiert? Welche langfristigen Auswirkungen sind zu erwarten – Stichwort weniger Wasser etwa beim Grawa-Wasserfall?
Der WildeWasserWeg wird auch in Zukunft seinem Namen gerecht werden. Im Abschnitt entlang der Ruetz wird im Sommer etwas weniger Wasser fließen. Der spektakuläre optische Eindruck wird allerdings erhalten bleiben. Der Grawa-Wasserfall als Hauptattraktion des Wilde-Wasser-Wegs und auch der Wasserfall am Langentalbach bleiben vom nun genehmigten Projekt der TIWAG vollkommen unberührt. Schon vor Jahren hat die TIWAG die Interessen im Tal berücksichtigt, ihr Projekt verkleinert und auf die Nutzung dieser beiden Bäche verzichtet.
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Autor:

Tamara Kainz aus Stubai-Wipptal

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