Fulpmes/Tirol
Der "Lawinör" erklärt: Warum noch ein Lawinenreport?

Auch der Fulpmer Lawinenexperte sieht die Berge derzeit nur von unten an.
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  • Auch der Fulpmer Lawinenexperte sieht die Berge derzeit nur von unten an.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Tamara Kainz

STUBAI/WIPPTAL.Viele trifft es dieser Tage hart, so auch die Sportler. Während eigentlich gerade die schönste (Hoch-)Tourenzeit begonnen hätte, sind Skitouren untersagt. Aber warum gibt es trotzdem noch einen täglichen Lawinenlagebericht? Stellvertretend für das Team des Euregio-Lawinenreports nimmt der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, Rudi Mair aus Fulpmes, zu dieser Frage Stellung.

Was hat sich in den letzten Tagen in den Warnteams des Euregio-Lawinenreports getan? Wie schaut die Erstellung des Berichts derzeit aus?
Rudi Mair: Den Lawinen und der Schneedecke ist der Corona-Virus ziemlich egal, deshalb wird der Euregio-Lawinenreport wie gewohnt weiterhin regelmäßig veröffentlicht. Unsere Einschätzung dient vor allem dazu, die Gefahren für Infrastruktur und Siedlungsraum zum Schutz der Bewohner besser bewerten zu können. Seit den Ausgangsbeschränkungen in den jeweiligen Regionen – im Trentino und Südtirol waren solche ja schon früher in Kraft, als in Tirol – arbeiten die Lawinenwarner von zu Hause aus. Deshalb erstellen wir seit ein paar Tagen die Prognose der Lawinengefahr auch in einem absoluten "Notbetrieb". Von Anfang an war unser redaktionelles Eingabesystem übrigens so gut und modern aufgestellt, dass alle drei Lawinenwarndienste gemeinsam und von überall an der Erstellung des Reports arbeiten konnten. Einzige Voraussetzung ist (schon immer) eine einigermaßen stabile Internetverbindung.

Warum dann Notbetrieb?
Notbetrieb deswegen, weil uns im Moment die so wichtigen, direkten Informationen aus dem Gelände fehlen. Ohne Geländearbeit ist die Einschätzung der Lawinengefahr extrem schwierig. Keine Beobachtung ist so wichtig, so aussagekräftig, wie eine frisch beobachtete Lawine oder ein Schneedeckentest. Eben gerade diese Information, die uns sehr direkt etwas über den Schnee und seine Stabilität sagen, wie z.B. Schneedeckenuntersuchungen und Stabilitätstests, sind seit der Einführung der der Ausgangsbeschränkungen nicht mehr vorhanden.

Und wie sieht die Einschätzung jetzt aus?
Unsere Einschätzung der Situation stützt sich nun primär auf das Bild des Schneedeckenaufbaus vor den Ausgangsbeschränkungen, auf die Daten der Wetterstationen, Bilder von Webcams, auf Rückmeldungen aus Tallagen, auf Modellanalysen sowie auf Prozessdenken – angelehnt an die aktuellen Wetterverhältnisse. Hier spielt Erfahrung und ständiger Austausch zwischen den drei Warndiensten eine extrem wichtige Rolle. Wir sprechen uns noch enger ab als das zuvor der Fall war, diskutieren die Beurteilungen via Skype lange durch und versuchen dadurch mit den vorhandenen Mitteln weiterhin ein Höchstmaß an Güte und Zuverlässigkeit des Reports zu bieten.

Möchtet ihr sonst noch was loswerden?
Bitte keine Ski- und Bergtouren unternehmen! Jeder Unfall ist eine unnötige Belastung für das Rettungs- und Gesundheitssystem. Nützt die Zeit und schaut euch auf lawinen.report etwas um. Wir haben viel Information zu Schnee und Lawinen. Und wer tiefer in die Materie Schnee und Lawinen vordringen möchte, für den haben wir nachfolgend noch zwei Tipps zum längeren Schmökern:
• lawine. ISBN-13: 978-3702236960
• Wer davon nicht genug bekommen kann. Hier sind alle praktischen und
wissenschaftlichen Veröffentlichungen der ISSW 1976 – 2018 zum Nachlesen:
https://arc.lib.montana.edu/snow-science/
Viel Spaß damit und kommt gesund durch den Frühling!
www.meinbezirk.at

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