Wipptal wird klimafitter
Unabhängig vom Sportgerät, so sieht die Zukunft aus
- Schnee auf der einen, apere Verhältnisse auf der anderen Seite – "kein Problem", sagt Thomas Senfter, "man muss nur die Angebote adaptieren".
- Foto: Thomas Senfter
- hochgeladen von Tamara Kainz
Thomas Senfter kreiert neue Wege für den Urlaub in den Bergen. Diese sollen das Wipptal an die Folgen des Klimawandels anpassen.
SCHMIRN/ST. JODOK. Das Wipptal liegt Thomas Senfter besonders am Herzen. Der 38-Jährige ist Wissenschaftler, Ingenieur und Bergführer aus St. Jodok. Er denkt sich gerne Neues aus und überlegt sich ebenso, wie die Dinge umgesetzt werden können. Auf seine Initiative hin wurde zB die Stafflacher Wand für Kletterer erschlossen und die WippTraverse ins Leben gerufen – beides gemeinsam mit vielen Mitstreitern, versteht sich.
Leuchtturmprojekt
2023 und 2024 hat Senfter im Auftrag des TVB Wipptal zudem eine ganzheitliche Strategie erarbeitet, die abbildet, wie sich die Tourismusregion an die Folgen des Klimawandels anpassen kann. Der erste Teil des "Leuchtturmprojekts" wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft gefördert. Der 400 Seiten starke Leitfaden definiert verschiedenste Ideen in mehreren Bereichen, um das Wipptal in den nächsten Jahren unabhängiger von klimabedingten Veränderungen zu machen. Aufbauend darauf läuft inzwischen ein weiteres Projekt über Interreg (unterstützt durch die EU), das die ersten Konzepte aus dieser "Klimafolgenanpassungsstrategie" in die Umsetzung bringt. Der TVB Wipptal und die Ratschings Tourismus-Genossenschaft treten hier als Projektträger auf.
100 % Erlebnisgarantie
Im Prinzip werden die bergsportlichen Angebote so adaptiert, dass der Gast zB keine Angst vor schneearmen Wintern wie dem heurigen haben muss. Senfter: "Vorweg möchte ich festhalten, dass die Projekte nicht im Bereich des klassischen Skifahrens auf Pisten verortet sind. Dabei kämpft ja aktuell kaum eine Region mit Problemen – die Beschneiungssysteme funktionieren und die Pistensaison 2025/2026 ist ja offensichtlich top. Wir wollen vielmehr künftig immer gleichwertige Alternativen bzw. eine grundsätzliche 'Erlebnisgarantie' für Unternehmungen abseits der Pisten bieten. Für den Buchenden kann dieses Erlebnis dann entweder auf einer Skitour oder auf einer Bergtour oder am sonnigen Klettersteig stattfinden. Mit der Erstellung von Paketen und Produkten wie den 'Winter-Hits' oder dem ganzjährigen Wipptaler Klettersteig-Trio beschäftigen wir uns gerade. Wir formulieren jetzt also von vornherein Beschreibungen so, dass wir auch liefern können. Das ist wichtig, denn der Gast will im Urlaub kein 'Downgrade-Feeling' erfahren. Bestehende Websites usw. bekommen dafür einen 'Zwilling'; der Skitourenführer wird zum Winterführer, Outdoorangebote werden mit Indoorangeboten wie Yoga kombiniert und Ähnliches."
Volle Flexibilität
Mittelfristig soll auch die Infrastruktur im Tal angepasst werden. Beispiele: Wege könnten oft mit kleinen Maßnahmen wintertauglich gemacht werden, Biathlon funktioniert auch mit Rollen und für den Fall, dass das Eis zum Eisklettern fehlt, kann dem Drytooling gefrönt werden. Senfter denkt in viele Richtungen: "Ein weiteres Ziel wären flexiblere Öffnungszeiten der Hütten. Idealerweise gelingt es künftig, diese schon früher aufzusperren, wenn die Verhältnisse günstig sind. Ergänzend wollen wir ein durchdachtes Tourenportal etablieren, wo Interessierte auf einen Klick topaktuell und relativ detailliert erfahren, wie die Bedingungen an Olperer & Co. gerade sind." Das Thema hat also viel Potzenzial und wird den engagierten Jodoker und alle Wipptaler Touristiker zweifellos noch länger beschäftigen.
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