Umfrageergebnis
Regionalität bei Lebensmitteln ist TirolerInnen wichtig
- Vielen KonsumentInnen ist es wichtig, zu wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Allerdings sieht man häufig nicht, woher die Lebensmittel beziehungsweise die Zutaten kommen. Da hilft auch die EU-Primärzutatenverordnung nichts.
- Foto: BIO AUSTRIA Tirol
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Vielen KonsumentInnen ist es wichtig, zu wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Allerdings sieht man häufig nicht, woher die Lebensmittel beziehungsweise die Zutaten kommen. Da hilft auch die EU-Primärzutatenverordnung nichts.
TIROL (skn). Für viele Konsumentinnen und Konsumenten ist die Herkunft von Lebensmitteln wichtig für eine Kaufentscheidung. Häufig nehmen sie jene Produkte, wo klar erkenntlich ist, woher diese Lebensmittel stammen. Sie achten auf heimische und regionale Produkte. Um für KonsumentInnen die Herkunft der Waren und der Zutaten sichtbarer zu machen, hat die EU die Primär-Zutaten Verordnung mit April 2020 eingeführt.
Ergebnis unserer Umfrage der Woche zur Herkunft von Lebensmitteln
Hier das Ergebnis unserer Umfrage der Woche*
Insgesamt haben 431 Leserinnen und Leser an unserer Umfrage der Woche zur Herkunft von Lebensmitteln teilgenommen. Wir wollten von euch wissen, ob ihr beim Kauf von Lebensmitteln auf die Herkunft achtet.
- 210 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben an, dass sie beim Kauf von Lebensmitteln auf Regionalität und Herkunft achten.
- 184 Leserinnen und Leser achten meist auf die Herkunft der Lebensmittel, vor allem bei bestimmten Produkten wie Fleisch, Fisch oder Milchprodukten.
- 37 Leserinnen und Leser geben an, dass ihnen die Herkunft der Lebensmittel vollkommen egal ist.
Bei unserer Umfrage der Woche haben insgesamt 431 Leserinnen und Leser teilgenommen. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer achtet bei Lebensmitteln mehr oder weniger auf Regionalität bei Lebensmitteln. 48,72 Prozent achten bei allen Lebensmitteln darauf, dass sie regional und saisonal sind. 42,69 Prozent bevorzugen Regionalität zumindest bei bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch oder Milchprodukten. Nur 8,58 Prozent geben an, dass ihnen die Herkunft der Lebensmittel vollkommen egal ist.
Eine RollAMA-Marktanalyse von November 2022 zeigt, dass gut ein Fünftel der Befragten beim Kauf von Lebensmitteln auf Regionalität ist. Bei 60 Prozent ist Regionalität unter den Top drei der gelisteten Themen.
Die Primär-Zutaten Verordnung der EU
Seit dem 01. April 2020 gilt in Europa die Primär-Zutaten Verordnung zur Kennzeichnung primärer Zutaten anderer Herkunft. Darin heißt es, dass bei freiwilliger Angabe des Ursprungslands oder des Herkunftsorts eines Lebensmittels auch das Ursprungsland oder der Herkunftsort der primären Zutat angegeben werden muss, wenn dieser nicht mit dem des Lebensmittels identisch ist.
Das bedeutet folgendes: Wenn auf einem Joghurt der Vermerk "made in Austria" angegeben ist, die Milch aber aus Südtirol ist, dann muss dies gesondert angegeben werden, beispielsweise "Joghurt aus Österreich", "Milch aus Italien". Dies kann allerdings auch durch geografische Hinweise wie Erklärungen, Piktogramme, Symbole oder Begriffe, die sich auf Orte oder geografische Gebiete beziehen, geschehen. Die Hauptzutat muss dabei immer im gleichen Sichtfeld sein wie die Herkunftsangabe des Gesamtprodukts.
- Angaben der Primärzutaten
- Foto: LK Tirol, Grafik: Lustaufsland/Fleischanderl
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Schlupflöcher in der Primär-Zutaten Verordnung
Bei einer primären Zutat handelt es sich sowohl um eine Zutat, die über 50 Prozent des Lebensmittels ausmacht als auch um eine Zutat, welche von Verbraucherinnen und Verbrauchern mit dem Produkt in Verbindung gebracht wird. Dadurch sind auch Schlupflöcher möglich. Auch sind Markenlogos von dieser Regelung ausgenommen.
"Hat somit beispielsweise ein Wursthersteller Österreich-Fahne oder -Slogan im Markennamen oder -Logo, muss er die Herkunft der Primärzutat Fleisch nicht angeben." (LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger)
Die Angabe der Herkunft der Primärzutaten bleibt aber weiterhin freiwillig: So ist die Angabe der Herkunft nicht zwingend - solange jede Angabe weggelassen wird.
Faktencheck der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend
Ein Faktencheck der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend in Zusammenarbeit mit dem Verein "Wirtschaften am Land" ergab enttäuschende Ergebnisse. Eigenmarken von Butter und Käseprodukten bei gängigen Handelsketten und Diskontern wurden in örtlichen Verkaufsfilialen untersucht. Die Untersuchung ergab, dass 40 Prozent der überprüften Eigenmarken nicht nachweislich aus österreichischer Milch hergestellt sind. Von den 112 überprüften Butter- und Käse-Eigenmarken stammen 66 Prozent nachweislich von österreichischer, GVO-freier Milch (GVO: gentechnisch veränderte Organismen). Bei fast jedem vierten Produkt ist also nicht ersichtlich, aus welchem Land oder Kontinent der Rohstoff Milch bzw. daraus verarbeitete Produkte wie Milchpulver stammen. Sieben Prozent beziehen ihre Rohstoffe aus anderen EU-Mitgliedsstaaten und vier Prozent außerhalb Europas.
„Viele Tirolerinnen und Tiroler greifen beim täglichen Einkauf sehr bewusst zur regionalen Qualität. Bei 27 Prozent der Eigenmarken ist jedoch gar nicht erkennbar woher der Rohstoff Milch stammt.“ (Bettina Hechenberger, Obfrau der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend)
Auch bei den getesteten Käsesorten sieht es mit den Angaben über die Herkunft nicht viel besser aus. 62 Prozent der überprüften Käse-Eigenmarkenprodukte stammen aus österreichischer, GVO-freier Milch. Bei 25 Prozent der Marken war nicht erkennbar, aus welchem Land beziehungsweise von welchem Kontinent der Rohstoff Milch oder das verwendete Milchpulver bezogen wurde.
Neben den Käse-Eigenmarken wurde auch die Butter in den Diskontern und Lebensmittel-Ketten getestet. 78 Prozent der angebotenen Butter ist nachweislich mit Milch aus Österreich hergestellt worden. Allerdings ist bei jeder fünften Eigenmarken-Butter nicht erkennbar, woher die Milch bezogen wurde.
Rot-weiß-rotes Logo reicht nicht
Eine Vielzahl von Kennzeichnungsmethoden, wie zum Beispiel ein rot-weiß-rotes Logo, täuschen fälschlicherweise vor, dass ein Produkt rein österreichisch ist. Dies führt zu Verwirrung anstatt Sicherheit zu bieten. Bezeichnungen wie "abgepackt in Österreich" geben keine Auskunft über die Herkunft, sondern verweisen lediglich auf den letzten Verarbeitungsschritt. Das sogenannte "Genusstauglichkeitskennzeichen" hat eine ähnliche Funktion. In den letzten Jahren ist der Anteil von Eigenmarken im Supermarkt kontinuierlich gestiegen. Die RollAMA-Daten für das Jahr 2022 zeigen, dass Eigenmarken mit 63 Prozent fast zwei Drittel des gesamten Sortiments ausmachen. Der Trend ist steigend.
Mehr Transparenz bei der Herkunftsbezeichnung gefordert
Die beiden Obleute der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend Bettina Hechenberger und Dominik Traxl sind entschieden für mehr Transparenz: Der Regionalitätscheck habe deutlich gezeigt, dass es in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf gibt. Es dürfe nicht sein, dass hochwertige landwirtschaftliche Produkte aus Österreich einfach durch günstigere ausländische Rohstoffe ersetzt werden, ohne dass die Verbraucher davon Kenntnis haben:
"Deshalb fordern wir die verpflichtende Herkunftskennzeichnung auf verarbeitete Lebensmittel, wie seitens der EU-Kommission schon lange angekündigt. Gerade junge Landwirte und Hofübernehmer brauchen Zukunftsperspektiven. Wir fordern daher alle politischen Instanzen auf rasch zu handeln, um Konsumenten mehr Sicherheit beim Einkauf und den heimischen Bauernfamilien eine angemessene Wertschöpfung für ihre Produkte zu bieten.“
*Die Umfrage ist nicht repräsentativ
Aktuelle Umfrage
Alle Umfrageergebnisse findest du unter Umfrageergebnis-Tirol
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