Warum Berggottesdienste zu Tirol gehören
Dem Himmel ganz nah
- hochgeladen von Roman Scamoni
Wer in Tirol im Sommer unterwegs ist, begegnet ihnen immer wieder: Bergmessen auf Almen, an Gipfelkreuzen oder vor kleinen Kapellen. Manchmal begleitet von einer Musikkapelle, manchmal ganz schlicht. Menschen sitzen auf Steinen oder im Gras, Wanderstöcke liegen neben Rucksäcken, über dem Tal ziehen Wolken vorbei.
Gottesdienst unter freiem Himmel hat in Tirol eine lange Tradition. Die Berge sind dabei kein Hintergrund, den man einfach austauschen könnte. Wer hinaufgeht, lässt etwas zurück – Straßenlärm, Termine, den Blick aufs Handy. Und bekommt dafür einen anderen Blick: weiter, langsamer, mit mehr Himmel als sonst.
Gipfelkreuz, Almwiese und ein voller Sommerkalender
Auch im Sommer 2026 finden in Tirol wieder zahlreiche Bergmessen und Berggottesdienste statt. Die Diözese Innsbruck führt online eine eigene Übersicht mit Gipfelmessen, Almmessen und Gottesdiensten, oft verbunden mit einer Wanderung. Manche Feiern gibt es seit Jahrzehnten, andere sind rund um ein bestimmtes Gipfelkreuz oder einen Gedenktag entstanden.
Die Bandbreite ist groß: Anfang Juli stand etwa eine Gipfelmesse am Pollinger Joch am Programm. Am 19. Juli wird bei Gries im Sulztal eine Almmesse zur Einweihung der Sulztal Alm gefeiert. Und am 9. August ist eine Bergmesse auf der Mandlspitz/Nordkette angekündigt, musikalisch gestaltet von Bläsern der Stadtmusikkapelle Innsbruck-Arzl.
Wer sich orientieren will, findet die Termine auf der Website der Diözese Innsbruck unter „Berggottesdienste in Tirol“.
Vom Kinosaal auf die Alm
Wer bei Bergmessen in Tirol zuerst an die katholische Kirche denkt, liegt damit nicht falsch. Die Tradition ist alt und tief mit dem Land verwoben. Gleichzeitig gibt es inzwischen auch andere christliche Gemeinden, die im Sommer hinaus auf den Berg gehen.
Ein Beispiel dafür ist die Kirche im Kino, eine Freikirche aus Innsbruck. Ihre Gottesdienste feiert sie normalerweise tatsächlich dort, wo der Name es verspricht: in einem Kinosaal, zwischen Leinwand und Popcorngeruch. Im Sommer tauscht die Gemeinde das Kinodach gegen freien Himmel – unter anderem auf der Fronebenalm oberhalb von Fulpmes.
Am Sonntag, 19. Juli 2026, ist es dort um 10.30 Uhr bereits zum dritten Mal so weit. Das Motto heuer: „Dem Himmel ganz nah“. Es gibt eine Live-Band, eine Predigt mit Bezug zum Alltag und ziemlich sicher keine Kirchenbank weit und breit.
Wer gut zu Fuß ist, wandert hinauf. Wer lieber fährt, nimmt die Bergbahn bis zur Mittelstation Froneben. Eingeladen sind alle – mit oder ohne Konfession, mit oder ohne Glauben im Gepäck.
Unterschiedliche Formen, eine Erfahrung
Eine traditionelle Bergmesse mit Musikkapelle und ein freikirchlicher Gottesdienst mit Live-Band sehen auf den ersten Blick unterschiedlich aus. Trotzdem steckt in beiden dieselbe Erfahrung: Für ein paar Stunden ist der Alltag weiter weg. Der Blick reicht über das nächste Problem, den nächsten Termin, die nächste Nachricht am Handy hinaus.
Gott ist am Gipfel nicht näher als im Tal. Nur zwischen Wind und Weite wird man manchmal aufmerksamer, als man es unten wäre.
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