29.11.2017, 02:34 Uhr

Bezirk Tulln rettet den Nikolaus

In Katzelsdorf darf Emma als Nikolaus-Vorbote ins Kostüm schlüpfen. Naomi, Agnes, Angelina, Ella und Bettina Klein sind begeistert.

Religiöse Feste an Kindergärten stehen unter Kritik. Mehrheit will an Traditionen festhalten.

BEZIRK (bt). Wintermarkt statt Christkindlmarkt, Lichterlfest statt Martinsfeier. Religiöse Bräuche stehen immer öfter im Zentrum der Kritik. Besonders an Schulen und Kindergärten sorgt das Thema für Aufregung. Wir haben einen Kindergarten besucht und Tullner befragt, ob der Nikolaus 'Hausverbot' bekommen oder weiter Geschenke bringen soll.

Höhepunkt im Kindergartenjahr

Eine der fünf Gruppen bastelt an ihren Nikolo-Sackerln, in einer anderen bekommt die kleine Emma gerade Bischofsmütze und -stab verliehen: Im Kindergarten Katzelsdorf/Tulbing laufen die Vorbereitungen. Denn: "Auch heuer heißen wir wieder traditionell den Heiligen Nikolaus willkommen", so Leiterin Bettina Klein. Nicht ohne Hintergrundwissen: "Anhand von Bilderbüchern oder kleinen Spielen erklären wir, dass der Nikolaus für sein soziales Engagement für Groß und Klein bekannt war, und dass er ein Helfer in der Not war." Gedichte und Lieder wie "Lasst uns froh und munter sein" komplettieren die Vorfreude. "Das ist ein Höhepunkt im Kindergartenjahr. Sie sagen immer, Nikolaus jetzt bist du endlich da, wir haben uns schon so gefreut."

Rituale können Halt geben

Laut Klein lernen die Kleinsten dabei für ihr Leben: "Sozialverhalten, Hilfsbereitschaft, ja vor allem die emotionale Erziehung wird dadurch angesprochen."
Probleme sind nicht bekannt. "Von den 85 Kindern wachsen doch zehn davon zweisprachig auf, aber da hat es noch nie etwas gegeben", berichtet die Pädagogin. Wären Eltern nicht mit dem Nikolausbesuch einverstanden, könnten ihre Kinder für diesen Zeitraum auch in eine andere Gruppe wechseln.

Der steckt also im Kostüm

Seit fünf Jahren schlüpft für die Kinder Tulbings ehemaliger Vizebürgermeister Karl Traxler in das Kostüm. "Das sollte jeder einmal erleben wie von 100 Kindern die Augen leuchten, wenn man rein kommt."
Die Kinder sind dann regelrecht sprachlos, ihre Blicke scannen den bärtigen Nikolaus von oben bis unten ab. Dieser stellt die obligatorische Frage: Ward ihr alle schön brav? "Dann kommt jedes Kind, gibt dem Nikolaus die Hand und holt sein Sackerl selbst ab. Und sagt 'Bitte und Danke'", berichtet Traxler, der den Kleinen mit einem Satz eine ganz besondere Freude macht: "Wenn ich das Christkind treffe, werde ich ihm sagen, dass ihr eine ganz brave Gruppe seid."

Tullner stärken dem  Nikolaus den Rücken

Diesen Brauch aus Kindergärten zu verbannen, ist für Traxler nicht vorstellbar, wie auch für den Großteil der Facebook-Community der Bezirksblätter. Von knapp 100 Kommentaren, die binnen 18 Stunden hinterlassen wurden, sind nur zwei für eine Abschaffung. "Ich bin der Meinung, dass Religion und Bildung getrennt gehören und alle Eltern für sich entscheiden sollen, ob ihren Kinder religiöse Gebräuche näher gebracht werden oder nicht. Und ja da gehört auch der Nikolaus dazu. Wenn jemand will, dass das Kind vom Nikolaus besucht wird, soll er ihn doch zu sich einladen! Man kann die inzwischen überall buchen! Aber ich finde nicht, dass das im Kindergarten oder in der Schule etwas zu suchen hat", schreibt etwa Steffi Böck.
Der Großteil der Antworten besagt aber das Gegenteil. Theresa Reisenhofer tippt: "Das war immer so und soll auch so bleiben. Warum sollten meine Enkelkinder auf unsere Traditionen verzichten müssen?" "Jede Kultur hat ihre Bräuche - warum sollen wir unsere verleugnen?", fragt sich Chris Nef während Susanne Haas meint: "Auf leuchtende Kinderaugen verzichten? Aber echt nicht."

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