09.11.2016, 09:30 Uhr

Der Heilige Martin darf bleiben

Anita und Eva Sattlecker finden Nikolaus und Co gut.

Sollen Kreuze, Martinsfeiern und der Nikolo aus Schulen im Bezirk verschwinden? Ein Lokalaugenschein.

BEZIRK TULLN (bt). Kreuze sollten als religiöse Symbole aus Schulklassen verschwinden, Bildungsministerin Hammerschmid machte nun aber einen Rückzieher. Auch religiöse Feiern wie der Martinsumzug am kommenden 11. November (Laternenfest) oder die Nikolofeier stehen immer wieder unter Kritik. Die Bezirksblätter befragten Direktoren, Schüler, Eltern und Politiker aus dem Bezirk Tulln, ob der Heilige Martin und Nikolaus bleiben dürfen oder verbannt werden sollten.

Schulen sehen kein Problem

Jahr für Jahr kommt der Nikolaus in die Volksschule Kirchberg am Wagram, natürlich mit kleinen Geschenken im Sack. Zu Beginn und Ende des Schuljahres besuchen Schüler und Lehrer einen Gottesdienst. "Wir verbannen die Religion nicht komplett, das gehört auch zu unserer Kultur. Aber wir zwingen niemandem etwas auf", so Direktorin Alexandra Brunner. Schüler mit anderem oder ohne Religionsbekenntnis können in einer Sammelklasse bleiben. So handhabt das auch die Neue Mittelschule Zwentendorf. Probleme hat es hier noch nie gegeben, auch nicht im Bezug auf das Kreuz in jedem Klassenzimmer. Deshalb sieht Direktor Franz Rabl, der die ganze Diskussion für überzogen hält, auch keinen Änderungsbedarf.

Politik scheint einig

Alles so belassen wie es ist, wollen auch Tullns Bürgermeister und HAK-Direktor Peter Eisenschenk und der Großweikersdorfer Bildungsgemeinderat Walter Matzka. "Religion bietet Menschen die Chance Antworten auf die wesentlichen Fragen des Lebens zu gewinnen", gewichtet Eisenschenk, TVP, auch den Religionsunterricht schwer. Zu bestimmten Anlässen, etwa Schulbeginn und -schluss, besuchen seine Schüler das Atrium. "Da gibt es keine liturgischen Teile, aber schon Botschaften die aus dem Christentum kommen. In erster Linie Verständnis, Wertschätzung und Nächstenliebe, aber diese Inhalte gibt es ja auch in anderen Religionen", findet Eisenschenk kein Problem an religiösen Feiern.
"Ich bin zwar selbst kein Mitglied der katholischen Kirche, aber ich bin dafür die sogenannten westlichen Werte zu behalten und unser Leben danach auszurichten", sagt Walter Matzka, SPÖ. Den Heilige Martin und Nikolo verbannen will er keinesfalls, und das Kreuz soll bleiben. "Dann müssten die Kreuze ja auch von Kirchtürmen heruntergenommen werden."

"Verpflichtung schützt Direktoren"

"Die Kreuze hängen schon so lange, warum sollten die wegkommen?" fragt sich Doris Aigner, Mutter eines 16-jährigen Sohnes. In der Schule gelebte Bräuche erachtet sie als wertvoll. Anita Sattlecker aus Heiligeneich, ihre Töchter besuchen die Volksschule und Neue Mittelschule Atzenbrugg, kann in Sachen Kreuz der Verpflichtung mehr abgewinnen als der Entscheidungsfreiheit. "Wenn das von oben kommt, sind die Direktoren selbst wenigstens nicht angreifbar." Alle bisher gelebten Bräuche aus dem Schulalltag zu verbannen wäre keine Option. "Wenn die Kinder dann an bestimmten Feiertagen nicht frei hätten, würden sich ja auch alle aufregen."

"Angst vor Nikolaus"

Die Meinung von Krzysztof Kowalski, Pfarrer von Tulln St. Stephan, liegt wohl auf der Hand. "Österreich hat eine lange, lange christliche Tradition. Ja, das Kreuz soll hängen." Das Feiern von Bräuchen in den Schulen würde er gerne noch verstärken: "Kinder haben Angst vor dem heiligen Nikolaus, aber nicht vor Halloween. Das kann ich nicht verstehen."

Wenig Bedeutung für Schüler

Obwohl es um ihr direktes Umfeld geht, sind es wohl die Schüler selbst, die sich am wenigsten von der Debatte betroffen fühlen. Der 16-jährige Markus Aigner weiß zwar, dass in seiner Klasse ein Kreuz hängt, besonders wichtig ist ihm das aber nicht. Hingegen findet es die 8-jährige Eva "hübsch". Nikolaus und Osterhase haben sie leider nur in der ersten Klasse besucht, doch daran denkt sie noch gerne zurück. Auch die Martinsumzüge waren für sie und ihre Mama Anita etwas ganz Besonderes, dass sie nicht missen wollen würden.

Die derzeitige Gesetzeslage:

In allen KlassenzimmernAnita und Eva Sattlecker finden Nikolaus und Co gut. von Schulen, an denen die Mehrzahl der Schüler dem Christentum angehört, müssen Kreuze hängen.

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