Bezirk Waidhofen
Offener Brief und Faktencheck für den Windkraftausbau

Sarah Hurt-Dollensky, Thomas Göttinger, Franz Essl und Jan Hurt (v.l.) | Foto: Daniel Schmidt
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Unter dem Motto „Ja zur Windenergie - auch bei uns im Waldviertel!” gaben heute lokale Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilbevölkerung gemeinsam mit dem Wissenschafter des Jahres, Ökologen Franz Essl, ein klares Bekenntnis zum Ausbau der Windenergie im Waldviertel ab.

WAIDHOFEN/THAYA. „Fridays for Future“ und „Scientists for Future“ präsentierten bei einer Pressekonferenz im Annolignum in Waidhofen einen offenen Brief und einen Faktencheck als Informationsbroschüre, die allgemein verbreitete Mythen und Fehlinformationen rund um die Windkraft richtigstellen soll.

Am Podium nahmen dabei Jan Hurt (Scientists for Future), Franz Essl, Unternehmer Thomas Göttinger und Lehrerin Sarah Hurt-Dollensky Platz.

Den Anfang machte Jan Hurt, der mit seinen Kollegen von Scientists for Future eine Informationsbroschüre erstellt hat, die die gängigen Falschinformationen und Mythen rund um die Windkraft aufklären soll. Die mit Zahlen untermauerten Informationen erklären die Bedrohung durch die Klimakrise, die Energiewende in Österreich, die Notwendigkeit von WIndkraft im Energiemix und gibt Antworten auf viele Fragen rund um Windkraft.

„Das Waldviertel besitzt knapp 15 Prozent des NÖ Windpotenzials. Dieses gilt es auch zu nutzen, wenn das Projekt Energiewende in Österreich gelingen soll.” Jan Hurt

Während der Pressekonferenz, die live online verfolgt werden konnte. | Foto: Daniel Schmidt
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Naturverträglicher Windkraftausbau

Die Klima- und Biodiversitätskrise sind die größten Krisen unserer Zeit. Im Waldviertel selbst äußert sich dies unter anderem durch den als Folge des Klimawandels ausgelösten Borkenkäferbefall, der in den vergangenen Jahren ein massives Waldsterben verursachte - besonders im Waldviertel.

„Ohne einen Ausstieg aus fossiler Energie wird das Waldviertel bald seinem Namen nicht mehr gerecht, denn die Fichtenwälder werden als Folge des Klimawandels absterben. Es ist daher wichtig, Naturschutz und Klimaschutz nicht gegeneinander auszuspielen, sondern gemeinsam zu denken. Ja, der Bau von Windrädern im Wald stellt einen gewissen Eingriff in die Natur dar, und Windräder muss man auch nicht schön finden. Die Klimakrise verursacht jedoch einen viel drastischeren Biodiversitätsverlust. Um diesen abzuwenden, braucht es auch die Windkraft”, so Franz Essl, Ökologe an der Universität Wien. Er erklärt außerdem, dass die Windenergie in Österreich einem komplexen und ausführlichen Zulassungsprozess mit strengen Umweltauflagen unterliegt.

Vor Errichtung eines Windrads werden Vogel- und Fledermausuntersuchungen durchgeführt, um die Auswirkungen auf die Tierwelt zu minimieren. Für die gerodete Waldfläche müssen Ausgleichsflächen aufgeforstet werden.

Unabhängige Energieversorgung

Die derzeitige Energieversorgung, die maßgeblich auf Öl und Gas aus Ländern wie Russland angewiesen ist, birgt nicht nur Abhängigkeiten, sondern auch erhebliche negative Umweltauswirkungen. Windenergie - aber auch Solarenergie - ist kostengünstig und schafft regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Außerdem ist sie ein essenzieller Teil des Energiemix der Zukunft, vor allem deshalb, weil Windenergie im Winter, wenn der Strombedarf am höchsten ist, am effizientesten erzeugt wird.

Gruppenbild mit Unterstützern in Waidhofen | Foto: Daniel Schmidt
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Dadurch ergänzt sie die Wasserkraft und Photovoltaik ideal und trägt zur Stabilisierung unseres Energieversorgungssystems bei. Thomas Göttinger stellte dazu fest: „Wir Unternehmen brauchen die Windkraft. Windräder in unserer Region ermöglichen es uns, erstmals in großem Maßstab selbst für unsere Energie zu sorgen. Windkraft gehört zu den billigsten Energieformen, das stärkt unseren Wirtschaftsstandort. Wer Wind nutzt, kann fossile Kraftwerke abschalten. Das ist wesentlich besser als teures Öl von irgendwo auf der Welt, und völlig überteuertes Gas aus Russland zu kaufen!”

"Raus aus der Fremdbestimmung und nehmen wir unsere Energieversorgung selbst in die Hand! Mit Windkraft sind wir unabhängig in Energiekrisen " Thomas Göttinger

Offener Brief vorgestellt

Der geplante Ausbau der Windenergie im Waldviertel sorgt derzeit für viele Diskussionen. Als Gegengewicht dazu präsentierte die Gruppe ein positives Zukunftsbild der Windkraft im Waldviertel, wofür sie gemeinsam mit Menschen aus der Region einen offenen Brief verfasst haben. „Stellen wir uns der Zukunft, erzeugen wir unsere Energie selbst und gestalten gemeinsam ein klimafittes Waldviertel!", so der offene Brief.

„Die offensichtlichen, raschen Veränderungen durch die Klimakrise machen mir als Mutter große Sorgen. Wenn mich meine Kinder einmal fragen, möchte ich ihnen sagen können, dass ich mich dafür eingesetzt habe, dass ihre Zukunft lebenswert bleibt. Windräder sind Teil der Lösung. Deshalb engagiere ich mich dafür”, so Sarah Hurt-Dollensky, Lehrerin an der HAK Waidhofen.

Sie selbst gibt zu, dass die SIchtbarkeit der Anlagen einen Einfluss auf das Landschaftbild haben wird. "Der Ausbau ist trotzdem der richtige Weg. Zu viel hat sich schon in meinen Lebenszeit radikal verändert - die Klimakrise ist überall sichtbar. Deshalb müssen wir Energie CO2-neutral produzieren. Es braucht alle um den Umstieg gemeinsam zu schaffen!"

Weitere Infos geplant

Den Abschluss der Pressekonferenz bildeten Fragen aus dem Publikum, die sich mit den Themen Bürgerbeteiligung an Projekten (mittels Energiegemeinsschaft Thayatal), Biodiversität und dem Mythos der Grundwasserverseuchung durch Windrärder widmeten.

Es wurde auch angekündigt, weitere Informationsveranstaltungen in der Region zu organisieren. Der erste Termin findet am Montag, 4. Dezember um 19 Uhr im Bandlkramer Schlossplatz'l in Groß Siegharts statt. 

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