"Liebe & Macht"
Buch blickt hinter die Kulissen des Wiener Kongresses
- Autorin Karin Unterreiner zeigt die Macht der Frauen hinter den Kulissen des Wiener Kongresses.
- Foto: Katharina Stögmüller
- hochgeladen von Sabine Krammer
Die Historikerin Katrin Unterreiner beleuchtet in ihrem Buch "Liebe & Macht" den Wiener Kongress. Im Zentrum des Geschehens: die politische Bedeutung von Frauen.
WIEN. Der Wiener Kongress war eines der bedeutendsten politischen Ereignisse Europas, um nach den Napoleonischen Kriegen die politische Ordnung neu zu gestalten. Allerdings haben nicht nur Diplomatie und offizielle Verhandlungen die Geschichte gelenkt. Auch Emotionen, Beziehungen und Intrigen haben die Entscheidungen maßgeblich geprägt.
In ihrem Buch "Liebe & Macht – Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses" wirft die Historikerin Katrin Unterreiner einen Blick hinter die Kulissen und beleuchtet die verborgenen Kräfte, die die Geschichte gelenkt haben. Im Fokus steht der Einfluss von Frauen wie Herzogin Wilhelmine von Sagan, der französischen Kaiserin Marie Louise oder der Salonnière Fanny von Arnstein.
Komplexes politisches System
"Ein wesentlicher Teil des Geschehens spielte sich in Salons, bei Empfängen und in persönlichen Netzwerken ab. Frauen waren dabei keineswegs nur schmückendes Beiwerk. Sie traten als Vermittlerinnen, Beraterinnen und strategische Akteurinnen auf", so die Autorin. Unterreiner zeigt eindrucksvoll, dass Frauen die Akteure miteinander vernetzten, Informationen steuerten, Entscheidungen beeinflussten und unverzichtbare Beraterinnen der führenden Diplomaten waren. Macht war auf dem Wiener Kongress auch weiblich.
- Der Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815) ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen Europa neu.
- Foto: Jean Baptiste Isabey/Wien Museum
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Um in historischen Dokumenten neue Themen sichtbar zu machen, müssen der Zugang zu den vorhandenen Quellen wie Briefen, Tagebüchern, Spitzelberichten oder diplomatischen Berichten sowie die Fragestellung verändert werden. "Dadurch öffnen sich diese Quellen plötzlich auf ganz andere Weise. Man muss sie mit einem erweiterten Blick lesen und ernst nehmen, was sich zwischen den Zeilen abspielt", so Unterreiner. Was früher als Anekdote oder Klatsch abgetan wurde, wird heute als Teil eines komplexen politischen Systems verstanden.
Vom Buch zur Ausstellung
Die gebürtige Steirerin Unterreiner studierte in Wien Kunstgeschichte und Geschichte, lebt seit vielen Jahren in der Inneren Stadt, ist Kuratorin und Autorin zahlreicher Bücher über die Habsburger und die Kulturgeschichte der k.u.k.-Monarchie. Passend zu dem Buch findet auf Schloss Halbturn im Burgenland eine gleichnamige Ausstellung statt.
"Während ein Buch die Möglichkeit bietet, Zusammenhänge detailliert darzustellen, kann eine Ausstellung die Atmosphäre und Inszenierung unmittelbar erfahrbar machen. Die Feste, die Begegnungen und die gesellschaftlichen Räume auf dem Wiener Kongress waren nicht bloß Kulisse, sondern Teil des politischen Prozesses", so Unterreiner. Im November startet die sechsteilige Disney+ Original-Serie "Vienna Game" über den Wiener Kongress, bei der Katrin Unterreiner als wissenschaftliche Beraterin mitgearbeitet hat.
Das Buch "Liebe & Macht" (152 Seiten) ist im Carl Ueberreuter Verlag erschienen und kostet 26 Euro.
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