Neues Buch
Rudolf Werner Soukup beschreibt das Erbe der Wiener Alchemisten
- Rudolf Werner Soukups neues Buch "Alhier in Wienn" ist im Verlag Buchschmiede erschienen und im Buchhandel um 27 Euro erhältlich.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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"Alhier in Wienn": In seinem neuen Buch über Schlüsselorte der Chemiegeschichte Wiens beschreibt Rudolf Werner Soukup auch das Wirken von Alchemisten wie Paracelsus in der Stadt. Jedes der 38 Kapitel ist mit Vorschlägen für Themenspaziergänge versehen.
WIEN. "Alles ist Chemie", so lautet ein Postulat, das es in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat. "Genau so habe ich auch immer meinen Zugang zu meinem Fachgebiet angelegt", erklärt der Chemiker Rudolf Werner Soukup. Jahrelang hat er Wissenswertes zu Schlüsselorten der Chemiegeschichte in Wien zusammengetragen. Daraus hat er nun ein Buch verfasst. Chemiegeschichte ist Soukups Spezialgebiet, in dem er sogar an der TU Wien habilitierte.
"Der altertümlich formulierte Buchtitel ‚Alhier in Wienn’ ist der Kanzleisprache des 19. Jahrhunderts entnommen und bedeutet etwa ‚Hier in Wien’", sagt Soukup und blättert durch sein 330-seitiges Buch. Darin beschreibt er unter anderem die 1904 errichtete Benzin-Fabrik Gustav Koenig & Co in Kagran sowie eine keltische Münzwerkstätte am Rochusmarkt. Auch der Wienerberger Ziegelindustrie im 10. Bezirk ist ein eigenes Kapitel gewidmet, ebenso den einstigen Kalkgruben im Kaltenleutgebener Tal am Rande Liesings. In jedem Kapitel gibt es Vorschläge für Themenspaziergänge im Sinne einer "chemical history tour".
Paracelsus war in Wien
"Außerdem habe ich historischen Persönlichkeiten nachgeforscht, sofern sie einen Bezug zur Chemie hatten – und natürlich zu Wien", merkt Soukup an, während seine Augen zu leuchten beginnen. "Der berühmte Arzt, Alchemist und Mystiker Theophrastus Bombast von Hohenheim etwa wirkte 1537 in der Griechengasse im 1. Bezirk. Heute noch kennt man ihn unter dem Namen Paracelsus."
- Am Rochusmarkt gab es einst eine keltische Münzwerkstätte, die auch im Buch beschrieben wird.
- Foto: Kriechbaum/MeinBezirk
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Soukups Karriere begann an der TU Wien in seinem Heimatbezirk Wieden, wo der heute 73-jährige sein Chemiestudium absolvierte. Dazu kam Philosophie an der Universität Wien: "Nach meiner Dissertation war ich neun Jahre lang Assistent am Institut für Anorganische Chemie."
Anschließend unterrichtete der glücklich verheiratete Vater einer Tochter mehr als drei Jahrzehnte lang am Gymnasium Hagenmüllergasse im 3. Bezirk. Im Jahr 2000 habilitierte er an der TU Wien, auf der er auch Vorlesungen zur Geschichte und Philosophie der Naturwissenschaften hielt: "Dabei haben mich die Alchemisten immer besonders interessiert, weil sie von der Idee fasziniert waren, die Grenzen ihres Fachs zu überschreiten."
Chemie kann alles verändern
Was fasziniert Soukup an seinem Fachgebiet? "Dass die Chemie die Dinge verändern kann: Geruch, Geschmack und Aussehen", sagt Soukup und schwenkt ein Reagenzglas. "Weil ich selbst immer zwischen Natur- und Geisteswissenschaften geschwankt bin, fasziniert mich die Philosophie der Veränderlichkeit seit jeher – und damit auch die Frage, was bleibt."
- Im Buch beschreibt Autor Rudolf Werner Soukup die Schlüsselorte zur Chemiegeschichte Wiens in allen Details.
- Foto: Mathias Kautzky/MeinBezirk
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Wird es einmal möglich sein, den alchemistischen Traum zu verwirklichen und Blei in Gold zu verwandeln? "Im Atomreaktor der TU Wien im Prater habe ich mit eigenen Augen beobachtet, wie Eisen erfolgreich in Kobalt und Nickel umgewandelt wurde. Als Chemiker gibt es auf diese Frage also nur eine Antwort: Sag niemals nie!"
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