Psychische Gesundheit
Immer mehr Jugendliche in Kliniken, doch das System sei am Limit
- Der Verein "VertretungsNetz" warnt vor steigenden Belastungen für Kinder und Jugendliche. Es gäbe viel zu geringe Ressourcen dafür im niedergelassenen Bereich und nicht adäquat ausgestattetestationäre Angebote. (Symbolfoto)
- Foto: AndreyPopov/Panthermedia
- hochgeladen von Antonio Šećerović
Der Verein "VertretungsNetz" warnt vor steigenden Belastungen für Kinder und Jugendliche, viel zu geringen Ressourcen dafür im niedergelassenen Bereich und nicht adäquat ausgestatteten stationären Angeboten. Wie die Zahlen dazu 2025 waren, liest du hier.
ÖSTERREICH. Expertinnen und Experten schlagen Alarm: Die Lage der Psychiatrien im Kinder- und Jugendbereich bleibt prekär. Man berichtet über steigende Belastungen für Kinder und Jugendliche, viel zu geringe Ressourcen im niedergelassenen Bereich, nicht adäquat ausgestattete stationäre Angebote sowie zu frühe Entlassungen von jungen Patienten aufgrund Bettenmangel.
Das zeigt der jüngste Bericht von „VertretungsNetz“, einem gemeinnützigen Erwachsenenschutzverein, der die Zahlen des Vorjahres analysiert hat. Seit 1980 setzen sie sich für den Schutz der Grundrechte von Menschen mit psychischer Erkrankung oder intellektueller Beeinträchtigung ein.
770 Patienten tagtäglich in der Psychiatrie
Im Schnitt sind 770 Patientinnen und Patienten tagtäglich an einer psychiatrischen Station bzw. ohne ihren Willen untergebracht. Basis dafür sei laut den Experten eine ärztliche Einschätzung, dass die Gesundheit der Betroffenen selbst oder anderer Menschen gefährdet.
Im Vorjahr wurden etwas mehr als 25.800 Unterbringungen an „VertretungsNetz“ gemeldet – die Kliniken müssen dies tun, damit der gesetzlich vorgeschriebene Grundrechtsschutz des Unterbringungsgesetzes greifen kann. Das ist ein Anstieg von drei Prozent im Vergleich zu 2024 (16.900).
Unterbringung in Wien deutlich länger
Westliche Bundesländer, wo Unterbringungen überwiegend im geschlossenen Bereich vollzogen werden, verzeichnen laut dem Verein höhere Unterbringungszahlen als östliche Bundesländer, in denen die Psychiatrie vornehmlich „offen“ (ohne versperrte Türen) geführt wird. Durchschnittlich 7,8 Tage dauert die Unterbringung in Salzburg und Tirol, in Wien sogar doppelt so lang mit 13,8 Tagen.
- Man alarmiert, dass, auch wenn die Unterbringungstage von Minderjährigen seit 2024 um zwei Prozent leicht gesunken ist, die Tage seit 2019 um 36 Prozent gestiegen sind. (Symbolfoto)
- Foto: PSD-Wien/Elisabeth Mandl
- hochgeladen von Antonio Šećerović
Man alarmiert, dass, auch wenn die Unterbringungstage von Minderjährigen seit 2024 um zwei Prozent leicht gesunken ist, die Tage seit 2019 um 36 Prozent gestiegen sind. 2025 gab es 1.305 minderjährige Patienten, drei Viertel davon waren Mädchen.
Maßnahmen gefordert
Bernhard Rappert, Fachbereichsleiter der Patientenanwaltschaft von „VertretungsNetz“, fordert mehr Ressourcen für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, denn: „Die Entwicklung betrifft die Erwachsenen von morgen. Die Kosten, die auf das Gesundheitssystem zukommen, weil psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche nicht ausreichend und adäquat behandelt werden, sind kaum abschätzbar.“
Übrigens: Laut eigenen Angaben war das Jahr 2025 ein herausforderndes Jahr für den Verein, denn aufgrund von budgetbedingt geringeren Förderungen war man gezwungen, den Personenstand in der Erwachsenen- sowie Bewohnervertretung leicht zu reduzieren. Den kompletten Bericht findest du hier.
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