24. April 2016: Das war's mit dem roten Wien

Christoph Schwarz ist Chefredakteur der bz - Wiener Bezirkszeitung.
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Man brauchte kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass es Rot und Schwarz nicht gut ergehen würde bei dieser Bundespräsidenten-Wahl. (Und: Ja, nennen wir das Kind beim Namen. Diese Wahl war keine Persönlichkeitswahl, sondern auch eine Abrechnung mit den beiden Altparteien.)

Dass es die beiden Großparteien sogar in ihren Stamm-Bundesländern so übel erwischte, war dann aber doch überraschend. So etwa Rudolf Hundstorfer in Wien, wo er nur 12,31 Prozent der Wählerstimmen erhielt.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, welchen Bruch im politischen Wesen dieser Stadt das bedeutet: Erst einmal ging der SPÖ die Bundeshauptstadt bei der Präsidentenwahl an eine andere Partei verloren - und da nur knapp, an Thomas Klestil. Bei allen anderen Bundespräsidenten-Wahlen war die Stadt fest in roten Händen. Heinz Fischer etwa konnte sich im Jahr 2004 in 22 von 23 Bezirken gegen Benita Ferrero-Waldner durchsetzen. Nur die Innere Stadt war damals in schwarzen Händen. (Dass die ÖVP dort diesmal ebenso abgestraft wurde, wird der SPÖ ein schwacher Trost sein.) Im Jahr 2010 war Heinz Fischer zwar in allen neun Bundesländern vorne - nirgends aber so stark wie in Wien.

Damit ist es nun vorbei. Die SPÖ konnte sich in keinem einzigen Bezirk mehr an die erste Stelle setzen. Die Stadt ging verloren. Und sie ist zweigeteilt. In ein blaues und ein grünes (Wir wollten doch ehrlich sein!) Lager. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer ist in sechs Bezirken vorne, der Deckmantel-Grüne Alexander Van der Bellen in 17 Bezirken. Viele der Flächenbezirke gingen an Hofer, die Innenstadt geschlossen an Van der Bellen.

Damit haben die Wähler gezeigt, dass selbst der stärkste Parteiapparat nicht alle Probleme auf Dauer zudecken kann.

Die aktuelle Situation bedeutet vor allem aber die größtmögliche politische Spaltung der Stadt. Bis zur Stichwahl am 22. Mai wird daher noch viel auf uns zukommen. Auch auf Wiens Straßen. Dass sich die FPÖ in ihrer Asyl-Demo-Welle, die sie in Liesing und Floridsdorf gestartet hat, bestärkt fühlt, ist zu erwarten. Auch die Gegenseite wird nicht ruhig zusehen.

Dass politisch Bewegung in die Stadt kommt, ist grundsätzlich gut. Wenn die Spannungen zu groß werden, wird das aber rasch zum Problem.

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