04.04.2016, 14:07 Uhr

Bundespräsidentenwahl: Wie es um die Chancen der Kandidaten steht

Strategieberaterin Heidi Glück sieht derzeit ein sehr knappes Rennen (Foto: Glück)

Bundespräsidentenwahl: Im Wahlkampf beginnt jetzt die heiße Phase. Wir haben dazu mit der Politik-Insiderin und Strategieberaterin Heidi Glück gesprochen.

Heidi Glück...

...über Wahlprognosen:

"Spätestens seit der Wien-Wahl wissen wir, dass man Wahlprognosen nicht überbewerten sollte. Zudem beginnt der Wahlkampf erst jetzt so richtig. Die bisherigen Prognosen sind daher nur bedingt aussagekräftig."

...auf die Frage, welche Wählerschicht das Rennen um die Hofburg entscheiden wird:

"Die Generation ,50 plus'"

... über Irmgard Griss:

"Ihr früher Start war ein Vorteil. Jetzt kommt es darauf an, wie gut sie noch Wähler mobilisieren kann. Da wurde sie von Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen zuletzt überholt."

...über Alexander van der Bellen:

"Der bisherige Umfragesieger strahlt nicht mehr so hell. Er wirkte zuletzt auch schon etwas müde. Man stellt sich die Frage, ob er der Belastung des Amtes und den Mühen der Repräsentation gewachsen ist."

...über Norbert Hofer:

"Er wirkt relativ jung im Vergleich zu seinen Konkurrenten und kommt als der nette Blaue von nebenan gut rüber. Sein Nachteil: Er hat relativ wenig eigenes Profil entwickelt und steht bislang im Schatten von H.C. Strache."

...über Andreas Khol und Rudolf Hundstorfer:

"Beide schleppen den Regierungsmalus mit sich herum. Sie müssten sich von der Regierung emanzipieren und sagen, was sie sich künftig von dieser Koalition erwarten. Und sie brauchen die Mobilisierung ihrer Kernwähler, um in die Stichwahl zu kommen. Khol wirkt trotz seines Alters erstaunlich fit und up to date."

...über Richard Lugner:

"Von seinen 9,9 Prozent bei der Bundespräsidentenwahl 1998 ist er meilenweit entfernt. Er könnte aber Norbert Hofer ein, zwei Prozentpunkte abluchsen."

Hofburg in Wien
Wer zieht als Bundespräsident in die Hofburg ein? Foto: MEV Verlag GmbH

...über blau-rote Wählerströme:

"Ehemalige SPÖ-Wähler, die in den vergangenen Jahren in Scharen FPÖ gewählt haben, werden jetzt nicht zum SP-Mann Hundstorfer zurückkehren. Sie sehen einfach keinen Nutzen darin."

...über die (schwindende) Kraft der Basis:

"Dass sich die roten Gewerkschafter für Hundstorfer und die schwarzen Bürgermeister für Khol zerreißen, sehe ich bis jetzt noch nicht. Genau das würden beide aber brauchen."

...über Flüchtlinge und Protestwähler:

"Die Flüchtlingsdebatte spielt natürlich mit und nützt primär Norbert Hofer. Der FP-Kandidat profitiert aber auch vom großen Protestwähler-Potential."

...über den Albtraum im Mitte-Rechts-Lager:

"Dass sich Hofer, Khol, Griss und Lugner wechselseitig so stark kannibalisieren, dass es dann Hundstorfer und Van der Bellen in die Stichwahl schaffen, halte ich für sehr unwahrscheinlich."

...über den Albtraum bei Rot und Grün:

"Dass es weder Hundstorfer noch Van der Bellen in die Stichwahl schaffen, glaube ich auch nicht. Für die Wähler wäre bürgerlich gegen links im zweiten Wahlgang ein spannendes Duell."

...über das Ende blauer Träume

"Falls es Hofer in die Stichwahl schaffen sollte, wird es für ihn sehr schwer. Da stellt sich dann die Frage, ob die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher einen FPÖ-Bundespräsidenten will."

...über den Wahlausgang am 24. April:

Mein Fazit knapp drei Wochen vor der Wahl: Griss, Van der Bellen, Hofer, Khol und Hundstorfer haben eine Chance, in die Stichwahl zu kommen. Es wird aber sehr eng. Die Aktien von Griss und Van der Bellen sind zuletzt gesunken. Hofer legt zu und auch Kohl und Hundstorfer holen leicht auf.

Das könnte Sie auch interessieren:

* Umfrage: Brauchen wir einen Bundespräsidenten?
* MEINUNG: Schafft endlich das Amt des Bundespräsidenten ab
5
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.