02.03.2015, 09:24 Uhr

Finden Sie hier heraus, wie viele Schulden Ihre Gemeinde hat

Durchschnittlich haben Österreichs Gemeinden Schulden von 1.490 Euro / Kopf.

Am Höhepunkt der Wirtschaftskrise ging es den Gemeinde in Österreich nicht gut: Die Schulden stiegen und die Überschüsse sanken. Nach aktuellen Zahlen haben die Gemeinden gut verwaltet: Die Überschüsse haben das Vorkrisen-Niveau erreicht und mit der Tilgung der Schulden wurde begonnen. Eine Konjunkturflaute und die Steuerreform könnten die Gemeinden jedoch wieder in Krisenzeiten zurückversetzen. Inklusive Extra: Finden Sie mit unserer interaktiven Infografik heraus, wie verschuldet Ihre Gemeinde ist.





Datenquelle: Statistik Austria // Searchable Map Template by Derek Eder

Erratum [4.3. 15.09 Uhr]: Beim Verschmelzen der Datensätze wurden die Finanzschulden in den burgenländischen Gemeinden falsch zugeordnet. Dies wurde korrigiert.

Erratum [10.3. 9.05 Uhr]: Im Text wurde der Ausdruck "durch neue Ausgaben finanziert" geändert. Es muss natürlich "durch die Kürzung von Ausgaben finanziert" heißen.

Die Gemeinden stehen finanziell besser da. Die Steuerreform könnte diesen Trend jedoch umkehren

47. Das ist die Anzahl der Einwohner der kleinsten Gemeinde Österreich namens Gramais, gelegen im Bezirk Reutte in Tirol. Aber das ist nicht der einzige Rekord, den der Ort hält: Er hat mit über 37.000 Euro auch die höchste pro-Kopf-Verschuldung aller Gemeinden in ganz Österreich. Das ist mehr als beim europäischen Schulden-Kaiser Griechenland, bei dem der Wert bei knapp 29.000 Euro liegt.
„Unsere Verschuldung verursacht mir keine schlaflosen Nächte“, sagt Michael Fasser, Bürgermeister von Gramais. Seit dem Jahr 2000 habe man in mehrere notwendige Infrastrukturprojekte, wie einer Kläranlage und Wasserkraftwerke investiert. Also Ausgaben, die auf weniger Köpfe verteilt kleine Gemeinden stärker belasten.

Die Gemeinden konnten ihre Schulden reduzieren

Dennoch hat es Gramais geschafft in den letzten Jahren sowohl die Belastung pro Kopf, als auch die Gesamtverschuldung zu reduzieren. Und damit ist die Ortschaft keine Ausnahme: Die Gemeinden haben sich vom Schock der Wirtschaftskrise erholt. Im Jahr 2013 erwirtschafteten sie einen Überschuss von 1,55 Milliarden Euro, dem dritthöchsten Wert seit dem Jahr 2000.
Auch der sprunghafte Anstieg der Verschuldung durch eine Neuberechnung auf europäischer Ebene ändert da wenig. Letzten Herbst trat das „Europäische System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 2010“ (ESVG 2010) in Kraft, wodurch die Verschuldung Österreichs sprunghaft um fast 30 Milliarden Euro anstiegen. Die Maastricht-Schulden der Gemeinden verdoppelten sich auf 7,1 Milliarden Euro.
„Für die Einhaltung der Maastricht-Kriterien ist dieser Wert nicht ausschlaggebend, damit tragen die Gemeinden nur zwei Prozent zur Verschuldung bei“, sagt Peter Biwald, Geschäftsführer des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung. Dabei handelt es sich außerdem um Schulden ausgegliederter Gesellschaften, die zwar bisher den Gemeinden nicht zugeordnet wurden, aber bisher ebenfalls von Ihnen beglichen werden mussten.

Eine Steuerreform könnte die Gemeinden belasten

Das KDZ sieht den positiven Trend bei den Gemeinden jedoch gefährdet. Zum einen steht weniger Geld für Investitionen und zur Tilgung von Schulden zur Verfügung. Um genau zu sein ein Achtel (12 Prozent) weniger als vor der Krise. Ausschlaggebend sind die zwei Faktoren Wirtschaftswachstum und Steuerreform, zu deren Finanzierung die Gemeinden höchstwahrscheinlich einen großen Beitrag leisten müssten. Das KDZ sieht in der Entwicklung bis 2018 drei Szenarien:

Szenario 1: Entwickelt sich die Konjunktur gut und ändert sich durch einen Steuerreform für die Gemeinden wenig, dann steigt der Überschuss auf 1,76 Milliarden Euro

Szenarion 2: Ist die Steuerreform zur Hälfte durch die Kürzung von Ausgaben finanziert, dann würden auch die Gemeinden zur Kasse gebeten: Der Überschuss würde auf 1,42 Milliarden Euro zurückgehen und nur mehr das Niveau von 2010 erreichen.

Szenario 3: Würde zu einer belastenden Steuerreform auch noch der Wirtschaftsmotor stottern, dann fiele die verfügbare Summe für Schuldentilgung und Investition auf 1,1 Milliarden Euro und läge damit auf dem Niveau von 2009 - dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise.

Mehr dazu:

offenerhaushalt.at – Finanzdaten der Gemeinden
KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung
Gemeindefinanzbericht des KDZ
Gemeindefinanzbericht der Kommunalkredit
Budget: Warum Österreichs Staatsschulden von einem auf den anderen Tag explodierten
Wirtschaft: Das sind die stärksten und schwächsten Regionen Österreichs
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Werner Knopf aus Oberwart | 04.03.2015 | 13:03   Melden
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Christian Schwarz aus Land Österreich | 04.03.2015 | 13:37   Melden
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sdf sdf aus Graz-Umgebung | 04.03.2015 | 13:53   Melden
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sdf sdf aus Graz-Umgebung | 04.03.2015 | 13:56   Melden
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Werner Knopf aus Oberwart | 04.03.2015 | 16:35   Melden
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Manfred Weizer aus Bruck an der Mur | 05.03.2015 | 08:27   Melden
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Werner Knopf aus Oberwart | 05.03.2015 | 08:54   Melden
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Christian Schwarz aus Land Österreich | 05.03.2015 | 09:39   Melden
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Maria Pühringer aus Schwaz | 05.03.2015 | 14:19   Melden
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Gerhard Mariacher aus Graz | 25.05.2016 | 08:30   Melden
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