25.03.2016, 00:30 Uhr

RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf über Lagerhäuser, Bauernsterben und Klimawandel

"Kennen Sie jemanden, der ein Brot essen will, wo der Weizen vorher mit Mykotoxinen belastet war? Ich nicht", sagt Wolf zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. (Foto: Arnold Burghardt)

Kommen den Lagerhäusern die Kunden abhanden? Wie kann die globale Landwirtschaft alle Menschen ernähren? Das und vieles andere haben wir RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf gefragt. Hier seine Antworten.

Reinhard Wolf...

...über selbstfahrende Traktoren:

"Der selbstfahrende Traktor ist Realität: Mit Hilfe neuer Technologien schaffen wir es, einen Traktor mit 250 PS und einer Maschine hinten dran auf zwei Zentimeter genau zu steuern. Aus rechtlichen Gründen muss aber nach wie vor ein Mensch auf dem Traktor sitzen. Im Ackerbau oder im Obst- und Weinbau sind solche Traktoren bereits Im Einsatz.

...über den Onlinehandel in den Lagerhäusern:

"Man schaut und kauft heute übers Internet. Wir haben Umfragen, wonach 60 Prozent der Kunden, die einen Rasenmäher kaufen wollen – und Rasenmäher ist ein Kernthema der Lagerhäuser – sich im Internet darüber informieren. Daher werden die Lagerhäuser ihr digitales Angebot ausbauen."

...über Vergangenheit und Zukunft der Lagerhäuser:

"2015 war schwierig: Schweinepreis, Milchpreis, Getreidepreis – all das war nicht förderlich. Rund 1.040 Lagerhaus-Standorte gibt es derzeit in Österreich. Wir sind der Nahversorger des ländlichen Raums. Und wir fühlen uns diesem ländlichen Raum verpflichtet. Wie intensiv man in einer Region tätig sein kann, entscheidet schlussendlich der Kunde vor Ort."

RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf
RWA-Generaldirektor Reinhard Wolf, Foto: Arnold Burghardt

Über das Bauernsterben:

"Die Lagerhäuser erzielen 30 Prozent ihres Umsatzes mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Betriebsmitteln und Landtechnik. Es gibt natürlich einen Strukturwandel. Aber ich bin davon überzeugt, dass es in Österreich immer einen Bauernstand geben wird. Es wird vielleicht weniger Bauern geben. Aber die werden noch spezialisierter, technologisch noch besser ausgestattet und überhaupt noch professioneller sein."

Über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln:

"Wie soll die globale Landwirtschaft bald neun Milliarden Menschen ernähren? Das geht nicht ohne moderne Technologien. Dazu gehören auch Pflanzenschutzmittel. Es geht darum, dass wir Pflanzen vor tierischen und pilzlichen Schädlingen schützen. Oder kennen Sie jemanden, der ein Brot essen will, wo der Weizen vorher mit Mykotoxinen belastet war? Ich nicht."

Über den Klimawandel:

"Österreich wird in den nächsten Jahrzehnten auch mit dem Klimawandel eine intensive Landwirtschaft betreiben können. Wir werden jedoch trocken- und hitzeresistentere Sorten anbauen müssen. Und es wird da und dort eine Kulturverschiebung geben. Im Weinviertel gab es vor 20 Jahren keinen Mais-Anbau. Das war ein Thema für die Steirer. Wenn Sie heute ins Weinviertel fahren, hat der Mais dort eine massive Bedeutung bekommen."

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Peter Würti aus Pinzgau | 28.03.2016 | 10:53   Melden
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Peter Würti aus Pinzgau | 28.03.2016 | 11:18   Melden
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Josef Lankmayer aus Lungau | 28.03.2016 | 16:39   Melden
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Peter Würti aus Pinzgau | 02.04.2016 | 05:22   Melden
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