02.05.2018, 22:34 Uhr

"Nein sagen" muss gelernt sein

Die Diskutanten über Alkoholsucht (v.l.): bas-GF Manfred Geishofer, Arbeitsmedizinerin Ursula Püringer, Moderatorin Claudia Gigler, Bianca Heppner (Alkoholprävention) und Peter Koch (rechts) und Richard Görgl (hinten) mit Barbara Hochstrasser (2. v. re.).
Bruck an der Mur: Dachbodentheater 2.0 |

Befragt nach ihren Alk-Trinkmotiven lieferten die Befragten in unserem Bezirk äußerst bedenkliche Ergebnisse.

"Wenn ich etwas getrunken habe, geht mir die Arbeit viel leichter von der Hand" lautet der Leitsatz der aktuellen Studie der bas – Steirischen Gesellschaft für Suchtfragen. Befragt wurden 372 Erwachsene im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag (51 Prozent Männer). Das Ausbildungsniveau der Befragten reichte vom Lehr- bis zum Hochschulabschluss, vier Fünftel waren erwerbstätig.

Präsentiert wurde die Studie im Brucker Dachbodentheater von Barbara Hochstrasser, "bas"-Leiterin in Bruck-Mürzzuschlag. Das Ergebnis hat auch Experten überrascht. Das Hauptmotiv des überhöhten Alkoholkonsums war dessen leistungssteigernde Wirkung. Besonders betroffen seien junge Erwachsene und Vollerwerbstätige, sagte Hochstrasser. Aussagen, wie "wenn ich etwas getrunken habe, kann ich mich viel besser gegen andere Menschen durchsetzen" oder "Alkohol steigert meine Leistungskraft und Ausdauer" waren Hauptmotive des übermäßigen Konsums. Getrunken werde Alkohol vor Prüfungen, Verkaufsgesprächen, dem Sport oder aus dem Glauben heraus, kreativer zu sein. Männer bevorzugen die anregende Wirkung, Frauen die beruhigende und entspannende. Gebildete Frauen gleichen sich im Konsum den Männern an.

Alkohol macht mutig

Neben der selbstwerthebenden Funktion trinken Menschen, weil sie traurig und mutlos sind, so die Studie. Für viele dient Alkohol als Selbstmedikation, kurzfristig dämpft er Ängste und Spannungsgefühle. Alkohol abzulehnen empfinden viele als unhöflich. Feiern ohne Alkohol ist oft tabu. Alkohol dient der Belohnung genauso wie dazu, schneller ins Gespräch zu kommen. Er hat eine soziale, gesellschaftliche und kulturelle Funktion.

Podiumsdiskussion
Die anschließende Diskussion moderierte Claudia Gigler. Sie spornte das Publikum zum Mitreden an. Einige erzählten ihre leidvollen Erfahrungen.
Arbeitsmedizinerin Ursula Püringer plädiert für eine alkoholfreie Betriebskultur – von den Arbeitern bis zum Chef. Die Leistungssteigerung komme den Menschen nur so vor, so Püringer. Fünf Prozent der Arbeitenden seien alkoholkrank, bis zu 15 Prozent besonders gefährdet. "Rund ein Drittel trinkt unverändert viel, trotz des steigenden Gesundheitsbewusstseins", sagt "bas"-GF Manfred Geishofer. Er wünscht sich von der Politik mehr Geld für gestiegene Beratungen. Für Richard Görgl war Alkohol ein steter Begleiter. Vor dem Zittern sei er bereits jahrelang psychisch abhängig gewesen: "Irgendwann wurde die Dosis höher und es kippte." Mit dem Aktionsplan Alkoholprävention will Bianca Heppner gegen Unwissenheit ankämpfen, durch Aufklärung ab der Kinderkrippe. "Kinder sollen lernen nicht von etwas abhängig zu sein. Sie sollen sich trauen, nein zu sagen." Gut mit Kindern umgehen und sie stärken lautet die Devise von Bürgermeister Peter Koch.

Barbara Pototschnig
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