Gedenken an ein Mitglied der „Weißen Rose“ mit Tirolbezug

Die Gedenktafel neben dem Eingang zur Aldranser Dorfkirche erinnert an Christoph Probst, Mitglied der deutschen Widerstandgruppe Weiße Rose, der seine letzten Monate in Aldrans verbrachte hatte.
  • Die Gedenktafel neben dem Eingang zur Aldranser Dorfkirche erinnert an Christoph Probst, Mitglied der deutschen Widerstandgruppe Weiße Rose, der seine letzten Monate in Aldrans verbrachte hatte.
  • Foto: Hubmann
  • hochgeladen von Stefan Fügenschuh

TIROL. Am 22. Februar 2018 jährt sich der Todestag von drei Mitgliedern der studentischen Widerstandsgruppe „Weißen Rose“, Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst zum fünfundsiebzigsten Mal. Vor allem durch den in Murnau in Bayern am 6. November 1919 geborenen Christoph Probst, der im Wintersemester 1942/43 in Innsbruck Medizin studierte, gibt es einen direkten Bezug zu Tirol. Da er im Herbst 1942 in Innsbruck kein Zimmer fand wohnte er in Aldrans. Seine Frau mit den beiden ersten Kindern war seit Herbst 1942 in Lermoos untergebracht.

An seinem 65. Geburtstag wurde am 6. November 1984 zum Gedenken an ihn am Ehrenmal vor dem Universitäts-Hauptgebäude am Innrain eine Gedenktafel angebracht. Seither gab es in jedem Jahr um diesen Termin den von der Universitätspfarre und der Hochschülerschaft getragenen „Christoph-Probst-Gedenktag“. Die Stadt Innsbruck benannte 1994 auf Antrag der Österreichischen Hochschülerschaft den Platz vor der Universität in „Christoph-Platz-Platz“. Bischof Reinhold Stecher, Landeshauptmann Partl, Bürgermeister Niescher und die Universitätspfarre hatten diesen Antrag ausdrücklich befürwortet. Damit erhielt die Universität eine neue Adresse. Die Gemeinde Aldrans widmete ihm 2013 anlässlich des 70. Todestages eine Gedenktafel an der Pfarrkirche.

Wer war Christoph Probst?

An der Universität in München begann Probst das Medizinstudium. Dort kam es auch zum Kontakt mit den Geschwistern Scholl und weiteren Gleichgesinnten wie etwa Willi Graf oder Alexander Schmorell. Mit Flugblättern, in denen diese Studentengruppe mit dem Namen „Weiße Rose“ das totalitäre Nazi-Regime verurteilte, und die, oft unter Lebensgefahr, im ganzen Deutschen Reich verteilt wurden, versuchten sie, zum Widerstand gegen die Diktatur aufzurufen. Zunehmend vertiefte sich Probst, der ungetauft war, in die Werke religiöser Schriftsteller wie John Henry Newman, Augustinus, Paul Claudel, Sören Kierkegaard und Reinhold Schneider.

1940 wurde er zum ersten Mal Vater. Im Herbst 1942 kam er zum Medizinstudium nach Innsbruck. Hier wurde der 23-Jährige – seine Frau hatte gerade das dritte Kind geboren - am 19. Februar 1943 als Mitglied der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verhaftet. Nach einem Schauprozess wurde er am 22. Februar in München zusammen mit Hans und Sophie Scholl hingerichtet. Zuvor hatte er sich noch in der Gefängniszelle katholisch taufen lassen. In seinem Abschiedsbrief an seine Mutter schrieb er: "Ich danke Dir, dass Du mir das Leben gegeben hast. Wenn ich es recht bedenke, so war es ein einziger Weg zu Gott… Eben erfahre ich, dass ich nur noch eine Stunde Zeit habe. Ich werde jetzt die heilige Taufe und die heilige Kommunion empfangen. Wenn ich keinen Brief mehr schreiben kann, grüße alle Lieben von mir.“ Von den Geschwistern Scholl verabschiedete er sich unmittelbar vor der Hinrichtung mit den Worten: „In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder!“

Christoph Probsts letzte Wochen

Das Weihnachtsfest 1942 wurde für Probst eine Zeit tiefer religiöser Besinnung. In einem Brief an seinen Bruder vom 18. Dezember 1942 schrieb er: „Es soll auch so ein Freudenfest sein, an dem man voll Dankbarkeit der Güte des Schöpfers dankt, dass er uns Christus gesandt hat, durch den wir wissen, dass unser Leiden, unser Leben einen Sinn hat, der uns ein Leben vorgelitten hat aus reinster Güte, der das Leid verständlich gemacht hat und geheiligt hat, der uns auf das Leben nach dem Tod gewiesen hat, der die Liebe predigte, die wahre Verbrüderung der Menschen, der uns das Brot des Lebens gebracht hat und an dem es keinen Zweifel gibt.“

Nach seiner Verhaftung am 19. Februar blieb ihm nicht mehr viel Zeit. Er konnte am 22. Februar 1943 noch einen Brief an seine Schwester schreiben. Darin heißt es unter anderem: "Wie schwer mir die Trennung von Frau und Kindern ist, weißt Du. Aber mein Vertrauen und meine Hoffnung sind stark und helfen mir. Ich habe das Gefühl, als wenn ich euch besonders nah wäre, allen meinen Lieben, und weiß, dass diese Liebesbande unzerstörlich sind. Ich weiß, dass mir nun nichts mehr bleibt, als auf mich zu nehmen und zu tragen, was kommt.“

Im Abschiedsbrief an seine Mutter, kurz vor seiner Hinrichtung geschrieben, heißt es u.a. „...grüße alle Lieben von mir. Sag ihnen, dass mein Sterben leicht und freudig war. Ich denke an meine herrlichen Kinderjahre, an meine herrlichen Ehejahre. Durch alles hindurch schimmert Dein liebes Angesicht….Lass Dir Deine Lebensfreude nicht rauben. Wandere Deinen Weg zu Gott weiter….“
Am späten Nachmittag des 22. Febr. 1943 wurde Christoph Probst um 17 Uhr enthauptet.

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