Tiroler Behinderteninitiative feiert 30. Geburtstag bei Papstaudienz und mit Dankgottesdienst im Rom
Happy birthday, „RollOn Austria“!

Papst Franziskus nahm sich viel Zeit für die Pilgergruppe von „RollOn“ und segnete die MitarbeiterInnen und die mitgebrachte Engel-Skulptur.
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  • Papst Franziskus nahm sich viel Zeit für die Pilgergruppe von „RollOn“ und segnete die MitarbeiterInnen und die mitgebrachte Engel-Skulptur.
  • Foto: Foto: Dözese Ibk.
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INNSBRUCK (dibk). Rund 90 PilgerInnen der in Tirol beheimateten Behinderten-Initiative „RollOnAustria“ hat Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch explizit begrüßt. In seinen Worten an die deutschsprachigen Pilger erwähnte er „insbesondere die Gruppe des Vereins RollOn Austria“ sowie Bischof Hermann Glettler, der die Gruppe in Rom begleitet.

Herzliche Begegnung mit Franziskus

Als Wunsch gab Franziskus in der Generalaudienz den aus Tirol Angereisten mit: „Der Heilige Geist, der uns zu Brüdern und Schwestern Christi und zu geliebten Kindern des einen Vaters macht, komme auf euch herab und bleibe bei euch allezeit.“
Besonders herzlich verlief die persönliche Begegnung am Ende der Audienz, bei der Papst Franziskus die MitarbeiterInnen von "RollOn Austria" und die mitgebrachte Engelsstatue segnete.

Ein Engel reist um die Welt

Die Delegation von „RollOn Austria“ nahm anlässlich ihres 30. Gründungsjubiläums an der Generalaudienz teil. Als Zeichen gegen Diskriminierung Behinderter brachte die Gruppe eine 2,30 Meter große Engelsskulptur mit gebrochenem Flügel mit. Die von tausenden Lichtern erleuchtete Gestalt solle ein Zeichen dafür sein, dass behinderte Menschen genauso kostbar wie alle anderen Menschen sind, teilte „RollOn“-Obfrau Marianne Hengl mit. Der Engel soll nun um die Welt reisen, und Wertschätzung für behindertes Leben stärken, so Hengl.

Soziallandesrätin berichtet Papst über Tiroler Teilhabegesetz

Eine Kultur der Achtsamkeit im Zusammenleben der Menschen – egal, ob mit oder ohne Behinderung – wird von der katholischen Kirche mit Papst Franziskus an der Spitze als wichtiger Teil des christlichen Menschenbildes formuliert. „Diese Achtsamkeit beinhaltet auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen an allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens und kommt im Tiroler Teilhabegesetz zum Ausdruck“, betonte Soziallandesrätin Gabriele Fischer, die dem Papst im Rahmen der Generalaudienz vor allem von der Genese des Tiroler Teilhabegesetzes einen Bericht abgab, die über die Landesgrenzen hinaus Interesse weckt. In einem kreativen und höchst partizipativen Gesetzwerdungsprozess, der mithilfe des Projektes „Mach mit! Es geht um uns!“ und in Form eines Legislativen Theaters durchgeführt wurde, konnte die Einbindung der Menschen mit Behinderungen an Entscheidungen, die die Weiterentwicklung, Veränderung oder Anpassung von Leistungen der Behindertenhilfe betreffen, erreicht werden. „Diese Einbindung wird zusätzlich durch die im Gesetz erstmals vorgesehene NutzerInnenvertretung gestärkt. Das persönliche Budget, das mit dem Tiroler Teilhabegesetz ermöglicht wird, fördert die Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderungen“, informierte die Landesrätin Papst Franziskus.

Glettler: Freundschaft für das Leben

Am Mittwochabend feierte Bischof Hermann Glettler mit den Pilgern des Sozialvereins einen Dankgottesdienst in Rom, an dem auch die beiden österreichische Botschafter René Pollitzer (Rom) und Franziska Honsowitz-Friessnigg (Heiliger Stuhl) sowie Landtags-Präsidentin Sonja Ledl-Rossmann und Soziallandesrätin Gabi Fischer teilnahmen.
In seiner Predigt erinnerte Glettler an eine Botschaft des Mitteleuropäischen Katholikentages 2014 von Mariazell: „Christen sind Freunde des Lebens. Freunde des geborenen und noch nicht geborenen Lebens, des entfalteten und beeinträchtigten Lebens, des irdischen und des ewigen Lebens.“ Das sei ein Dauerauftrag, so der Bischof: „Wir erleben in diesen Tagen eine Wallfahrt, die uns in der Freundschaft für das Leben stärkt. Wir erneuern unsere Intention, allen Mitgliedern unserer Gesellschaft eine möglichst gleichberechtigte Teilnahme an allen relevanten Lebensvollzügen zu ermöglichen. Ihr alle seid Freunde und Freundinnen des Lebens in seiner vielfältigen Gestalt!“
Freundschaft lebe von Kommunikation, ist der Bischof überzeugt: „Heilsam ist das Hinhören und Raum geben, das Ankommen-Dürfen und Verstanden werden.“
Freundschaft sei letztlich auch Geschenk und Auftrag: „Wirkliche Freundschaft ist anspruchsvoll. Freundschaft trägt, weil Beziehung trägt. Freunde stehen ganz selbstverständlich füreinander ein.“
Bischof Glettler wörtlich: „Unsere Freundschaft mit Gott motiviert zu einem hohen Interesse am Leben des Nächsten, zu einer aktiven Teil-Habe am Leben, als auch zu einer bewussten Teil-Gabe. Wir können die Rolle des Freundes annehmen, der sich aktiv einschaltet in die Gestaltung des Lebens - auch wenn es mühsam ist, Geduld braucht und nicht ohne Konflikte abgeht. ‚Hast Du einen Freund unter jenen Menschen, die es schwer haben im Leben?‘ Diese Frage hat mir ein Bekannter zugemutet. Sie leitet mich auch heute noch.“

Schärmer: Engel mit einem Flügel steht für jeden Menschen

In einer kleinen Geburtstagsfeier stellten sich prominente Gratulanten ein. Caritasdirektor und Gründungsmitglied von „RollOn“ Austria Georg Schärmer erinnerte an die Anfänge, als der Verein zur Förderung behinderter Menschen im Elisabethinum Axams gegründet wurde. Schärmer hob besonders das Engagement und die Beharrlichkeit von Obfrau Marianne Hengl hervor. Ein besonderer Dank gelte Hengl und ihrem Team für viel Arbeit im Hintergrund abseits der Medien. Damit werde deutlich, dass es wirklich um den Menschen gehe.
Mit ungewöhnlichen Projekten gelang es in den drei Jahrzehnten, das Bild des Menschen mit Behinderung neu darzustellen. Menschen wurden vor den Vorhang geholt und damit Vorurteile abgebaut. Wichtig sei auch gewesen, so Schärmer, politische Statements abzugeben: „Im Vordergrund steht der Schutz des Lebens und damit ein Lebensrecht.“
Der Engel mit einem Flügel stehe für alle Menschen, den „jeder hat irgendein Handicap zu tragen“, so der Caritasdirektor. „Engel seien Brückenbauer und Engel sagen nur einen Satz: Fürchte dich nicht!“

Grußbotschaften aus der Landespolitik

Soziallandesrätin Gabi Fischer drückte ihr tiefes Gefühl einer Teilhabe aus. Viele Impulse würden den Verein auszeichnen. „Aus einem Bäumchen, das gepflanzt wurde, ist ein starker Baum mit kräftigen Wurzeln geworden“, so die Landesrätin, die sich für einen Austausch in der Vielfalt stark machte: „Eine Gesellschaft kann nur dann funktionieren, wenn Vielfalt akzeptiert wird.“
Für Landtags-Präsidentin Sonja Ledl-Rossmann sei die Teilnahme an der Feier ein ganz persönliches Anliegen gewesen. „Hier ist eine anfängliche Vision in besonderer Form in Erfüllung gegangen.“ Ledl-Rossmann dankte allen Initiatoren, Unterstützern sowie dem gesamten Team für ihren Einsatz. Gleichzeitig überbrachte sie auch die persönlichen Glückwünsche von Landeshauptmann Günther Platter.

Hengl: Feier in voller Demut und Wertschätzung aller Engel

Die Frau der ersten Stunde von „RollOn Austria“, Marianne Hengl, zeigte sich zutiefst dankbar und demütig anlässlich des Jubiläums. „Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben das alles möglich gemacht“, so die Obfrau. Durch die Arbeit sei es gelungen, dass das Gesicht gegenüber Menschen mit Behinderung ein freundlicheres geworden ist. „Berührung wurde möglich“, so Hengl. Ein großer Dank gelte einer Vielzahl von Engeln im Hintergrund. Besonders hob sie die ersten Jahre im Verein mit Georg Schärmer sowie die langjährige, treue Unterstützung durch den ORF Tirol hervor, insbesondere durch den verstorbenen ehemaligen Landesdirektor Robert Barth.
In 30 Jahren konnte der Verein unter anderem mehr als 70 schwerst vermittelbaren Menschen langjährige Arbeitsplätze verschaffen. Das sei nicht immer einfach gewesen, doch man hätte an die Menschen geglaubt.
Hengl dankte abchließend Bischof Hermann Glettler, dass er ihre „so dahin gesagte Idee“ einer Pilgerreise nach Rom sofort unterstützte. „Die Reise ist ein Traum. Ich habe mir vieles gewünscht und vieles konnte realisiert werden. Heute bin ich die glücklichste Chefin, denn ich habe wunderbare Menschen zur Seite“, so die engagierte Frontfrau von „RollOn Austria“.

Die Intitiatve „RollOn Austria“

Die Initiative „RollOn Austria“ setzt sich seit 1989 für Anliegen von Menschen mit Behinderungen in Österreich ein, u.a. durch eigene Fernseh- und Radiosendungen, TV-Spots sowie Plakatkampagnen. Sie fungiert auch als Unterstützungsnetzwerk von Betroffenen und ihren Familien, um „Berührungsängste und Barrieren in den Köpfen abzubauen“, ist auf der Website zu lesen.

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