Gastronomie
Das Schindler kassierte im Netz einen Shitstorm

Das Schindler ist ein Haubenlokal in der Innsbrucker Innenstadt. Ein Gast löste mit seinem Posting einer Rechnung auf Facebook einen regelrechten Shitstorm aus.
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  • Das Schindler ist ein Haubenlokal in der Innsbrucker Innenstadt. Ein Gast löste mit seinem Posting einer Rechnung auf Facebook einen regelrechten Shitstorm aus.
  • hochgeladen von Agnes Czingulszki (acz)

KOMMENTAR. Anfang August machte Das Schindler negative Schlagzeilen in einer österreichischen Zeitung: Der Auslöser war eine Rechnung, die für Gedeck 4 Euro pro Person und für einen zusätzlichen Teller 3 Euro kassierte. 

INNSBRUCK. Eigentlich sollte sich ja niemand wundern: Wer in ein teures Restaurant geht, der wird eine saftige Rechnung erhalten. Und so war es dann auch, als ein Tiroler Anfang August mit seiner Begleitung in Das Schindler in der Maria-Theresien-Straße auf Besuch war. Statt einem netten Abend, empfand er die Dienstleistung allerdings als Abzocke: "Unglaublich, was sich manche Gastronomen in Innsbruck erlauben", schrieb er auf Facebook in einem Post von der Rechnung, dessen Preise er mit Leuchtstiften markierte . Für einen Gin Tonic wurden 14 Euro verrechnet, für das Gedeck pro Person 4 Euro und auch ein zusätzlicher Teller zum Salat wurde mit drei Euro in Rechnung gestellt. Die Zeitung, die das Thema aufgriff titelte: "Ist das der frechste Wirt Österreichs?" Das STADTBLATT hat versucht den Lokalbetreiber zu befragen, der allerdings trotz mehrfacher telefonischer Anfrage nicht erreichbar war. "Wir antworten nur schriftlich" war zum Schluss die Antwort. Auf das Mail kam aber auch keine Reaktion.

Wie die Wirtschaftskammer den Fall sieht, wollte das STADTBLATT ebenfalls erfahren: Welche Reaktionen der Artikel/FB-Post in den Gastronomiekreisen ausgelöst hat und ob man als Spartenobmann die Aufregung – "Frechheit", "Wucherpreise" – zu groß einschätzt oder dafür auch  Verständnis hat. Alois Rainer, Spartenobmann für Gastronomie in Innsbruck, gab schlussendlich eine allgemeine Antwort auf die anderen zwei Fragen, die das STADTBLATT zu Preisgestaltung und Gedeckpreisen gestellt hat:

 „Grundsätzlich besteht seitens eines Gastronomen freie Preisgestaltung. Preise sind natürlich immer abhängig von Lokaltyp, Ambiente, Lage, Qualität und Herkunft der Grundzutaten, uvm. Nach dem Preisauszeichnungsgesetz müssen sämtliche dem Gast verrechneten Preise auch in der Karte angeführt werden. Ein Gedeckpreis ist in der gehobenen Gastronomie durchaus üblich, da im Gedeck üblicherweise auch Brot und Butter bzw Aufstriche, vielfach auch ein Amuse Bouche, enthalten sind. Eine gesonderte Gebühr für „leere Teller“ ist zwar eher eine Ausnahme, unter dem Aspekt der Dienstleistungserbringung und der damit auch verbundenen Kosten für Reinigung, Service, Personalkosten etc. durchaus nachvollziehbar.“

Für viele nicht einmal im Traum leistbar

Wie gesagt: Über hohe Preise und Extrakosten darf sich keiner wundern, der in einem Haubenlokal Essen geht. Trotzdem ist der Aufschrei in den sozialen Medien verständlich. Denn: Es gibt Menschen, die sich so etwas nicht mal in ihren Träumen leisten können. Sie leben von einem Tag auf den anderen, drehen jeden Groschen um, damit sie ihre Miete berappen und das Kind in das Sommerlager schicken können. Besonders angesichts der Coronakrise, die jede Menge Existenzen ins Wanken gebracht hat.
Einen derartigen Lebensstil – fast 200 Euro für ein Abendessen zu zweit ausgeben – ist von ihren Lebenswelten Lichtjahre entfernt. Und das ist bitter.
Die oben geschilderte Situation führt vor allem eines sehr deutlich vor Augen: Die Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft, in der die einen ohne Bedenken mit ihrem Geld hantieren können und die anderen sich glücklich schätzen, wenn sie täglich die Kraft und Energie aufbringen können, um nicht in die Armut schlittern zu müssen. Wie Ungerechtigkeit im äußersten Ausmaß aussehen kann, sieht man besonders gut in Latein-Amerika, in der sich Reiche in Ghettos einsperren und Stellplätze für ihre Lamborghinis und Ferraris auf ihren Grundstücken ausweisen. Die Armen haben kein fließendes Wasser und keine frischen Lebensmittel – und zwischen diesen Welten ist oft nicht mehr als nur eine Mauer. Österreich ist im Vergleich noch ein gut funktionierender Staat, eine Insel der Seligen. Trotzdem muss man auf der Lauer sein, um einen Trend, der die Schere zwischen arm und reich weiter vergrößert, Einhalt zu gebieten. Eine Aufgabe, die jede Regierung fordert.

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