Taubenschlag O-Dorf
Jetzt hagelt es Anzeigen gegen Politiker

Die Taubenpopulation ist seitdem sich selbst überlassen. Hungernde und kranke Tiere sind die Folge, so der Vorwurf.
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Der Streit um die Übersiedlung des Taubenschlags geht in die nächste Runde. Die Rechtsantwaltskanzlei Kirchmauer hat gegen die politischen Verantwortlichen, Bürgermeister Willi, die Vizebürgermeister Anzengruber und Lassenberger, sowie gegen die Veterinärbehörde eine Anzeige wegen Tierquälerei durch Unterlassung eingebracht.

INNSBRUCK. Im Auftrag des Vereins gegen Tierfabriken hat die Rechtsanwaltskanzlei Kirchmauer Anzeigen gegen die politischen Verantwortlichen und die Veterinärbehörde der Stadt eingebracht. In der Anzeige wird dargelegt, dass es innerhalb der Taubenpopulation aufgrund der Unterlassung einer weiteren artgerechten Fütterung zu einem chronischen Hunger und damit verbundenen Qualen kommt. Da die Tauben bis vor kurzem noch in der Obhut der Stadt Innsbruck gewesen sind und diese freiwillig die Verantwortung für die Tiere übernommen hatte, trifft sie auch eine Garantenstellung und somit eine Verpflichtung, weiterhin Fürsorge für die Tiere zu übernehmen. Diese Verantwortung trifft auch insbesondere die Person des Bürgermeisters sowie der Vizebürgermeister. Ebenso strafbar machen sich nach Ansicht der Rechtsanwaltskanzlei jedoch auch die Organe der zuständigen Veterinärbehörde. Diese habe bisher sämtliche Verantwortung von sich abgeschoben und dies damit begründet, dass es sich bei Tauben um Wildtiere handle.

Pressekonferenz vom 30. Mai mit VGT-Beteiligung (v.li.nach re.: Peter Kahr (Tierengel Tirol), Anwohnerin O-Dorf, Mesut Onay (ALI), Nicole Staudenherz (VGT Tirol), Hans Lutsch (ARGE Stadttauben Salzburg ) | Foto: VGT.at
  • Pressekonferenz vom 30. Mai mit VGT-Beteiligung (v.li.nach re.: Peter Kahr (Tierengel Tirol), Anwohnerin O-Dorf, Mesut Onay (ALI), Nicole Staudenherz (VGT Tirol), Hans Lutsch (ARGE Stadttauben Salzburg )
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Tauben ausgesetzt

Wie in der Anzeige ausgeführt und mit zahlreichen Quellen belegt wird, handle es sich bei Stadttauben jedoch rechtlich gesehen viel mehr um Haustiere, da sie Nachkommen von freigelassenen oder entkommenen Brief-, Hochzeits- oder sonstigen Haustauben sind. Als solche haben sie selbst nach vielen weiteren Generationen ihr typisches angezüchtetes Verhalten nicht verloren und es kommt nach wie vor zu keiner genetischen Vermischung mit Wildtaubenarten. Stadttauben sind auf ein Leben in freier Wildbahn weder adaptiert noch aufgrund der Zucht geeignet. In Bezug auf die Tauben aus dem ehemaligen Taubenschlag käme erschwerend hinzu, dass diese die letzten sieben Jahre eine nachträgliche Konditionierung in Bezug auf das erfuhren, was sie einmal waren, nämlich Haustauben. Gemäß dem Tierschutzgesetz müsse die Veterinärbehörde jedoch eine tierschutzkonforme Unterbringung und Betreuung solcher – ausgesetzter und/oder zurückgelassener - Tiere sicherstellen. Die Behörde darf die Tiere nicht sich selbst und ihren Qualen überlassen. Würde es sich um ausgesetzte Hunde bzw deren Nachkommen handeln, wäre es undenkbar, dass die Behörde nicht reagieren würde, für Tauben scheint jedoch ein anderer Maßstab zu gelten.

Bei einer Kundgebung vergangene Woche, machten Politiker, Tierschutzorganisationen und Anrainer erneut auf das vermeintliche Leid der Tauben aufmerksam. | Foto: Michael Steger
  • Bei einer Kundgebung vergangene Woche, machten Politiker, Tierschutzorganisationen und Anrainer erneut auf das vermeintliche Leid der Tauben aufmerksam.
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Versagen der Politik

"Wir sehen hier ein gänzliches Versagen der staatlichen Institutionen", meint Michael Krumböck, Rechtsanwaltsanwärter in der Kanzlei Kirchmauer, "rechtlich ist ganz klar, dass es sich bei Tauben um Haustiere handelt und die politischen Verantwortlichen ebenso wie die Veterinärbehörde daher zu einem Handeln und somit einer artgerechten Versorgung der Stadttauben gezwungen sind. Stattdessen versuchen diese lediglich wechselseitig die Verantwortung abzuschieben. Man kann hier getrost von einem Tierschutz-Skandal sprechen." Wie Niki Staudenherzer, Kampagnenleiterin des VGT Tirol erkärt: "Gab es jahrelang im O-Dorf ein funktionierendes Konzept mit Vorbildwirkung für andere Städte. Es ist absolut unverständlich, warum dieses – entgegen den Warnungen von Expert:innen – aufgegeben und trotz des anhaltenden Leides nach wie vor offensichtlich an keiner adäquaten Lösung gearbeitet wird. Das O-Dorf braucht seinen Taubenschlag zurück, verfügbare Plätze gäbe es zur Genüge. Der VGT fordert, dass der Taubenschlag ins O-Dorf zurückkommt. Bis dahin müssen Tierschützer:innen straffrei füttern können, damit die Tauben nicht zugrunde gehen, lässt der Verein gegen Tierfabriken in einer Aussendung wissen. 

Infoveranstaltung ohne Gäste

Wie bereits berichtet, hatte die Stadt eine Infoveranstaltung angeboten, zu der laut Aussage der Amtstierärztin auch der führende Tierschutz und andere Personen eingeladen wurden, aber niemand kam. Peter Kahr und Hans Lutsch von der ARGE Stadttaube Salzburg, die den Taubenschlag im O-Dorf mit initiiert haben, wollen das nicht auf sich sitzen lassen. Peter Kahr habe schon vorab wegen eines Urlaubs um Verschiebung des Termins gebeten. Hans Lutsch wiederum sei überhaupt nicht eingeladen worden, denn wäre dem so gewesen, wäre er auch gekommen, lässt er wissen. 

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