50-Meter-Schwimmbecken
Viele Argumente gegen Cabrio-Lösung, Gesamtprojekt wird in Frage gestellt

Das 50-Meter-Schwimmbecken bleibt weiter Diskussiosthema.
  • Das 50-Meter-Schwimmbecken bleibt weiter Diskussiosthema.
  • Foto: Visualisierung: Bauconzept
  • hochgeladen von Georg Herrmann

INNSBRUCK. Die Diskussion rund um das 50-Meter-Schwimmbecken geht weiter. Galt das Projekt eigentlich als fester Bestandteil im ehemaligen Arbeitsübereinkommen der Koalition, scheint die Zukunft jetzt mehr als unsicher.

Polit-Diskussion

Auf Seite 44 des ehemaligen Arbeitspapiers von Grünen, ÖVP, Für innsbruck und SPÖ findet sich die Formulierung: "Wir wollen den Tiroler Schwimmverband und das Land Tirol bei der Errichtung einer 50-m-Schwimmhalle gemeinsam mit dem Bund unterstützen."  Innsbrucks Grüne gehen einen Schritt weiter und bezeichnen das Projekt als sinnlos: "Ein 50-Meter-Schwimmbecken, das anderen Städten und auch Alt-Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer schon zu teuer war", hält Janine Bex in einer Aussendung fest und sieht das Schwimmbecken als Millionengrab. Die NEOS Innsbruck sprechen sich gegen den Neubau eines zusätzlichen 50-m-Schwimmsportbeckens im Tivoli aus. Sie präsentieren als Alternative eine Lösung in Form einer flexiblen Überdachung. “Wir sehen sehr wohl, dass es in Tirol den Bedarf an einem ganzjährig nutzbaren 50-m-Becken gibt. Das steht für uns grundsätzlich außer Frage,” gibt es von Seiten Julia Seidls jedoch ein klares Bekenntnis zum Sportschwimmen.

Braucht Innsbruck ein 50-Meter-Schwimmbecken

Gegenargumente

Der Vorschlag für eine flexible Überdachung wird in einem Schreiben von Stefan Opatril, Vizepräsident des Österreichischen Schwimmverbands und Obmann des Schwimmclubs Innsbruck (SC Innsbruck) in zahlreichen Punkten widersprochen: Opatril hat als Protest gegen den 2020 bekanntgewordenen Projektstopp sein 1994 erhaltenes Sport-Ehrenzeichen der Stadt Innsbruck bei einer Veranstaltung an Bürgermeister Georg Willi zurückgegeben. "In diesem Schreiben möchte ich Ihnen einige (von vielen) Punkten aufzeigen, die sehr schnell klarmachen, dass eine von Ihnen angedachte „Cabrio“-Lösung keine Lösung ist", leitet Opatril sein Schreiben an die NEOS Innsbruck sowie weiteren Vertretern der Gemeinderatsfraktionen in Innsbruck ein:

  • Mit einer solchen Überdachung nimmt man Innsbruck (und auch Tirol!) das einzige richtige Sportbad im Freien. Schiebt man die seitlichen Wände zusammen, wird ein kleiner Teil des Beckens im Freien sein, ein wesentlich grösserer (jedenfalls mehr als die Hälfte) des Beckens wird mit den Seitenwänden aus Glas weiterhin verschlossen sein. Dies zeigt Ihre Visualisierung sehr eindeutig.
  • Die Stirnseite des Beckens im Norden und Süden werden ganzjährig geschlossen sein, da sich diese Elemente nicht verschieben lassen. Dann noch von einem Freibad zu sprechen, erscheint mir etwas weit hergeholt.
  • Wie sie sich die Beheizung des Beckens vorstellen, würde mich sehr interessieren. Ausschließlich über die Wassertemperatur wird es wohl nicht möglich sein. Gerade heuer war ein sehr langer, kalter Winter mit Temperaturen unter 10 Grad minus.
  • Rund um das Glashaus wird sehr wenig Platz zum Umgang bleiben, da die Schienen sehr viel Platz benötigen. Im Inneren des Glashauses wird gar kein Platz sein. Badegäste werden an schlechten Sommertagen und Regentagen Ihre Kleider, Taschen, Handtücher etc. nicht in der Halle unterbringen können. Ob sich diese Badegäste dann an schlechten Tagen im Freien entspannen werden, wage ich sehr stark zu bezweifeln.
  • Dass die Optik dieses Cabriolets für alle verheerend ist, steht wohl ausser Zweifel.
  • Abgesehen von den zu erwartenden Instandhaltungskosten, Reparaturkosten, Servicekosten für die Schiebedachmechanik etc. ist wohl auch die Frage der Beleuchtung, der Nutzung von alternativen Energiequellen und die Lebensdauer für die Glaskonstruktion ungeklärt. Persönlich kenne ich keine derartige Überdachung eines Beckens in Vorarlberg, dem Heimatland des von Ihnen erwähnten Unternehmens.
  • Wie und Wo sich Badegäste und Sportschwimmer, speziell in den 9 kalten Monaten des Jahres umkleiden sollen, bleibt bei diesem Vorschlag unbeantwortet. WC´s, Duschen und Umkleidekabinen werden in dieser Halle wohl keinen Platz haben.

Fragen

"Ich freue mich, dass Sie die Notwendigkeit eines 50m Sporthallenbades in Innsbruck sehr wohl erkannt haben, es bleiben jedoch bei Ihrer „Lösung“ viele Fragen offen", hält Stefan Opatril in Richtugn der NEOS Innsbruck weiter fest:

  • Leider wird kein Training mehr möglich sein. Für Trainer und Betreuer wird in dieser Halle kein Platz mehr sein.
  • Schwimmwettkämpfe werden nicht mehr stattfinden können. Für den Schiedsrichter, die Wendenrichter, die Zeitnehmer wird kein Platz mehr in der Halle sein. Sie werden ausserhalb der Verglasung Ihren Aufgaben bei einem Wettkampf nachkommen müssen - was selbstverständlich nicht möglich ist.
  • Trainingsuhren werden in dieser Halle leider keinen Platz mehr haben.
  • Zuschauer und Betreuer werden im Sommer Ihre Kinder von aussen durch die Verglasung beobachten müssen und im Winter leider gar nicht am Wettkampf teilnehmen können.
  • Wasserballtraining und -spiele werden nicht mehr möglich sein. Für Ballspiele ist ein Glashaus einfach nicht geeignet.
  • Der leistungsmässige Schwimmsport in Tirol wird durch ein solches Projekt sterben müssen.

Schulschwimmen

  • Die von Ihnen genannte Entfernung der Schule zum Standort Tivoli erachte ich als lösbar. Die VS Angergasse, als auch die NMS Hötting West und das Gymnasium in der Au haben einen um 13 Minuten längeren Weg zum Tivoli als zum Hallenbad Hötting. Mit den Öffis wohlgemerkt, direkt zum Terminal Amraser Strasse. Mittels Blockveranstaltungen halte ich dies für durchaus machbar.
  • Für das Schulschwimmen kann diese Variante keine Lösung sein. Sie wissen aber auch, dass unzählige Schulen keine Möglichkeit mehr haben, den Schwimmunterricht durchzuführen, da der Platz einfach nicht vorhanden ist. Der Platz für das Schulschwimmen wird damit jedenfalls nicht geschaffen. Möchte man, dass jedes Kind in Innsbruck schwimmen lernt, muss man aber ein Angebot schaffen, das mehr Wasserfläche bietet.

Kostenfrage

  • Glashaus (erste Kostenschätzung) 4 Mio.
  • Neubau Vereinshaus (für Umkleidekabinen, WC´s, Duschen - nur für Schwimmverein, nicht für Badegäste und Schüler) 3 Mio.
  • Sanierung des Hallenbad Hötting 10 Mio.
  • Umbau und sogar Ergänzung des Hallenbad Hötting ? Mio.
  • Sanierung der nicht frostschutzsicheren Wasserleitungen und Technikanlagen im Tivoli ? Mio.

TOTAL 17 Mio. + ?? Mio. (siehe oben)

"Wenn Sie wissen, dass die neue „Megahalle“ 32-34 Mio. - und nicht die von Ihnen kolportierten 40 Mio.! - kosten wird und vom Bund 7 Mio. und vom Land Tirol 8,33 Mio. kommen, ist mir persönlich der Kostenvorteil nicht bewusst. Sie wissen auch, dass weder Bund noch Land sich an den Kosten Ihrer Halle beteiligen werden", erklärt Opatril :"Somit bleiben für die Stadt Innsbruck und für die IKB 18,67 Mio. ohne die Unsicherheiten der Sanierungen und Umbauten und eine Lösung für die gesamte Bevölkerung und insbesondere für die vielen Kinder der Stadt Innsbruck, von denen immer weniger schwimmen lernen können!! Der Anteil der Stadt Innsbruck kommt zur Gänze aus dem Erlös der Verwertung der Liegenschaft, auf dem das Hallenbad Hötting steht. Zudem ist dieses Grundstück ideal für Wohnbau im Zentrum der Stadt - und nicht wie manche so gerne sagen: im Westen der Stadt! Dazu kommen die doppelten, laufenden Betriebskosten (für das Hallenbad Hötting und das Glashaus im Tivoli) und Personalkosten für 2 Hallen!!" Stefan Opatril abschließend: "Der tolle Vorteil einer solche Überdachung hält sich für mich freundlich gesagt in Grenzen."

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