28.11.2017, 08:44 Uhr

Apotheken-Debatte: "Ich bin froh, wenn es vorbei ist"

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Für Menschen mit Behinderung ist der Wegfall der Sowi-Apotheke ein besonders großer Wermutstropfen.

In der Debatte um die Schließung der Sowi-Apotheke sind einige Fragen auf der Strecke geblieben.

INNSBRUCK. Wer nicht weiß, dass die Sowi-Apotheke nach 18 Jahren schließen muss, der hat die letzten Wochen verschlafen. Das Urteil des Landesverwaltungsgerichtes ist bindend: Auf Grund des Gebietsschutzes muss die Apotheke Ende des Jahres schließen. Folglich ging die Leiterin der Sowi-Apotheke auf die Barrikaden: Unterschriften wurden gesammelt und auch die Stadtpolitik erhob die Stimme für die Apotheke. Mit der Hoffnung, doch noch was bewegen zu können. Elisabeth Wieser, Inhaberin der Sowi-Apotheke, weiß auch, dass viele Menschen mit Behinderung ihrer Apotheke nachtrauern werden: "Wir machen beide Flügel auf und dann kann man sogar mit einem kleinen Auto zu uns hereinfahren", betont sie. "Das kann unser Mitbewerber in der Altstadt nicht." Aber auch was anderes wurde der Altstadtapotheke bisher verwehrt: Eine Stellungnahme.


Die andere Seite

In der gesamten Berichterstattung wird dabei die Altstadtapotheke – die das Verfahren gegen die Sowi-Apotheke eingeleitet hatte – als Schwarzer Peter dargestellt. Nach dem medialen Aufschrei waren anonyme Briefe, Beschimpfungen und Boykott für die Altstadtapotheke an der Tagesordnung. Wie Andreas Winkler von der Altstadtapotheke meint: "Wir wollten nie an die Presse gehen. Es ist eine Sache, die in aller Ruhe hätte abgewickelt werden können. Unsere Stellungnahmen wurden bisher von den Medien ignoriert."


Schwierige Sache: Barrierefreiheit in der Altstadt

Sauer stößt ihm auch die Beschuldigung auf, dass man nicht barrierefrei sein würde. "Wir haben eine Glocke und bringen die Medikamente unseren Kunden raus. Aus Ortsbildschutzgründen dürfen wir keine Rampe bauen. Uns das vorzuwerfen, finde ich bedenklich, aber wir müssen damit ja selbst leben." Er weist darauf hin, dass die Sowi-Apotheke in jeder Instanz verloren hat. Außerdem sei der Gebietsschutz für die Altstadtapotheke überlebenswichtig: "Heute ist die Altstadt eine Sackgasse, weil niemand mehr durchgehen muss. Das bekommen wir natürlich zu spüren." Auf die Anfrage, ob es denn noch eine Gesprächsbasis mit der Sowi-Apotheke geben könnte – diese hofft im STADTBLATT-Gespräch noch auf ein "Weihnachtswunder" – antwortet er: "Ich bin ein bisschen sprachlos. Wenn sie den Wunsch zur Kommunikation gehabt hätte, warum ist sie an die Medien getreten?"


Keine Gewinner

Eins ist klar: Gewinner gibt es in dieser Causa kaum noch. Die Sowi-Apotheke sperrt zu, Menschen mit Behinderung müssen sich durch die Altstadt quälen und der Ruf der Winkler-Apotheke ist angeschlagen. Winkler meint abschließend nur noch: "Ich bin froh, wenn das Ganze endlich vorbei ist."
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