Betriebe teilen ihren Strom
Neues Energieprojekt im Unterinntal gestartet
- Bei einer Kick off- Veranstaltung in Ebbs am 2. Juni wurde das Projekt „Synergie" offiziell vorgestellt.
- Foto: Martina Obertimpfler
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Mit einem neuen Energieprojekt startet das Unterinntal in eine engere Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Wirtschaft, Gemeinden und Regionalentwicklung. Ziel ist es, Energie regional besser zu nutzen, Überschüsse sinnvoll zu verteilen und erneuerbare Ressourcen effizienter einzusetzen.
KUFSTEIN. Am 2. Juni fiel der offizielle Startschuss für das Projekt „Synergie im Unterinntal“. Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft und Wirtschaft kamen zusammen, um den Weg zu einer stärker vernetzten Energiezukunft zu besprechen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Energieerzeugung und Energieverbrauch besser aufeinander abstimmen lassen – besonders im Hinblick auf regionale Ressourcen wie Photovoltaik und Biomase.
Energie dort nutzen, wo sie entsteht
Ziel des Projektes ist es, Energieerzeugung und Energieverbrauch künftig besser aufeinander abzustimmen und vorhandene regionale Potenziale optimal zu nutzen. Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe sollen dabei nicht mehr isoliert agieren, sondern ihre Energieflüsse vernetzen und gemeinsam nutzen.
Grundlage dafür bildet eine Energiepotenzialanalyse der Region KUUSK aus dem Jahr 2022. Diese zeigt deutlich, dass in der Region erhebliche ungenutzte Potenziale im Bereich erneuerbarer Energien vorhanden sind. So besteht beispielsweise in Ebbs ein Stromerzeugungspotenzial von rund 60,9 Gigawattstunden pro Jahr, während der aktuelle Strombedarf bei etwa 26,1 Gigawattstunden liegt. Damit wird sichtbar, dass regional deutlich mehr Energie erzeugt werden könnte, als derzeit tatsächlich verbraucht wird – genau hier setzt das Projekt an.
- Ziel des Projektes ist ist es, eine bessere Abstimmung von Stromerzeugung und Stromverbrauch in der Region.Im Bild: Wolfgang Kreutzer (technischer Projektleiter)
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Energie zur falschen Zeit
Ein wesentlicher Faktor ist, die zeitliche Verschiebung von Energieproduktion und Verbrauch. Strom aus Photovoltaikanlagen entsteht vor allem bei Sonnenschein – also oft dann, wenn Betriebe ihn nicht direkt benötigen. Gerade im Gewerbegebiet Kleinfeld zeigt sich dieses Potenzial besonders deutlich: Große Dachflächen treffen dort auf unterschiedliche Verbrauchsprofile. Während einige Betriebe viel Energie erzeugen, benötigen andere sie zu anderen Zeiten – etwa am Wochenende oder in der Freizeitnutzung.
Pilotprojekt im Gewerbegebiet Kleinfeld
Im Gewerbegebiet Kleinfeld wird das Projekt erstmals konkret umgesetzt. Fünf Betriebe – 3Con, Freisinger, Moser, Stock und das Hallo du – beteiligen sich am Pilotvorhaben und lassen ihre Energieflüsse analysieren. Dabei wird untersucht, wann Strom erzeugt wird, wann Bedarf besteht und wo sich gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie regionale Energiegemeinschaften in der Praxis funktionieren können.
- Vertreter aus Wirtschaft, Landwirtschaft und Regionalentwicklung arbeiten gemeinsam an neuen Energielösungen. Im Bild: Melanie Steinbacher (GF Regionalmanagement KUUSK)
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Landwirtschaft als wichtiger Partner
Auch die Landwirtschaft spielt im Projekt eine zentrale Rolle. Besonders energieintensive Prozesse wie Heutrocknung oder Pelletierung könnten künftig stärker mit regionalen Energieüberschüssen abgestimmt werden. Damit soll Energie dann verfügbar sein, wenn sie tatsächlich gebraucht wird – etwa in saisonalen Spitzenzeiten.
Rechtlicher Rahmen und neue Möglichkeiten
Im Zuge der Kick off- Veranstaltung wurde auch auf neue gesetzliche Grundlagen hingewiesen. Energiegemeinschaften und direkte Energielieferungen zwischen Betrieben sind inzwischen grundsätzlich möglich, müssen aber organisatorisch und rechtlich noch weiter ausgearbeitet werden. Das öffentliche Stromnetz bleibt dabei ein zentraler Bestandteil, wird künftig jedoch stärker als Verteilstruktur innerhalb regionaler Systeme genutzt.
Ein Modell für die Zukunft
Das Projekt „Synergie im Unterinntal“ ist auf drei Jahre ausgelegt und wird im Rahmen von LEADER- und Fördermitteln umgesetzt. Für die beiden beteiligten Regionalmanagements stehen dabei insgesamt rund 90.000 Euro zur Verfügung, also etwa 30.000 Euro jährlich pro Region. Die Mittel werden vor allem für Analysearbeiten, Vernetzung, Begleitung der Betriebe sowie die Entwicklung und Umsetzung der Pilotprojekte verwendet. Ziel ist es, mit relativ schlanken Strukturen praxisnahe Lösungen für die regionale Energiezukunft zu entwickeln.
- Beim Start des Energieprojekts „Synergie im Unterinntal“ wurde über die künftige regionale Zusammenarbeit gesprochen. Im Bild: Bürgermeister Josef Ritzer
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Zusammenarbeit über Bezirksgrenzen hinweg
Am Projekt „Synergie im Unterinntal“ beteiligen sich nicht nur Gemeinden aus dem Bezirk Kufstein, sondern auch aus dem Bezirk Kitzbühel. Damit entsteht eine breite regionale Zusammenarbeit, die bewusst über einzelne Gemeinde- und Bezirksgrenzen hinausgeht. Ziel ist es, möglichst viele unterschiedliche Energieverbräuche und Erzeugungsformen in einem gemeinsamen System zu betrachten und zu vernetzen.
Gleichzeitig sind auch weitere interessierte Betriebe eingeladen, sich zu beteiligen. Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe oder Einrichtungen, die Potenziale im Bereich Energie sehen oder ihre Verbräuche besser abstimmen möchten, können sich an die zuständigen Regionalmanagements wenden. Dort werden interessierte Teilnehmer in das Projekt eingebunden und bei der Analyse ihrer Energieflüsse begleitet. Besonders im Fokus stehen dabei Betriebe, die über PV-Anlagen verfügen oder einen stark schwankenden Energiebedarf haben.
- v.l.n.r. Landtagsabgeordneter Michael Jäger, Elfride Klingler (Geschäftsführerin
RM Kitzbüheler Alpen), Bürgermeister von Ebbs Josef Ritzer, WK-Bezirksobfrau Sonja Altenberger, Wolfgang Kreutzer (technischer Projektleiter) und Melanie Steinbacher (GF Regionalmanagement KUUSK) - Foto: Martina Obertimpfler
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