22.08.2016, 11:34 Uhr

22. August 2016: Die Leopoldstadt als Wahl-Wegweiser für Österreich

Agnes Preusser, stv. Chefredakteurin der bz - Wiener Bezirkszeitung. (Foto: Edler)
Am 18. September wählt die Leopoldstadt ein weiteres Mal. Das wird dem Rest Österreichs mehr oder weniger egal sein. Sollte es aber nicht. Tatsächlich ist es nämlich bereits eine richtungsweisende Wahl kurz bevor der Bundespräsident gewählt wird.

Zwar haben die Roten im 2. Bezirk die Oberhoheit – mit 38,64 Prozent sogar ziemlich deutlich -, trotzdem sind sie in der kommenden Wahl zum Nebenspieler verdammt worden. Denn auch hier dreht sich alles um Blau und Grün, die um den zweiten Platz kämpfen. Die Grünen lagen beim ersten Wahlgang schließlich nur um 21 Stimmen vor der FPÖ. Bei der österreichweiten Bundespräsidentenwahl war der Vorsprung von Alexander Van der Bellen mit 31.026 Stimmen ebenfalls denkbar knapp.

Auch sonst gleicht die Vorgeschichte der Wahl jener der Bundespräsidentenwahl. Auch hier ordnete der Verfassungsgerichtshof eine Neuwahl an. Auch hier war es zu Diskrepanzen bei den Briefwahlstimmen gekommen. Auch hier wurde die Wahl erfolgreich durch die FPÖ angefochten.

Kein Wunder also, dass sich auch die Wahlkampfthemen im Kern gleichen. Zumindest im Kleinen. Denn statt das Sicherheitsgefühl in ganz Österreich in Frage zu stellen, konzentriert sich die FPÖ rund um Bezirksparteiobmann Wolfgang Seidl auf das „Drogendorado Österreich“, den Praterstern. Uschi Lichtenegger von den Grünen Leopoldstadt kontert mit „Wollen wir Angstmacherei und gesellschaftliche Spaltung? Wollen wir den Zweiten in Karmelitermarkt und Praterstern zerstückeln?“. Auch das kommt einem doch ziemlich vertraut vor.

Nicht zu vergessen: Der Wahlausgang ist als Stimmungsbarometer für ganz Wien zu sehen. Nicht ganz unerheblich, schließlich war letztendlich das Wiener Ergebnis für Van der Bellens vorläufigen Sieg ausschlaggebend.

Man darf also mit Spannung den Ausgang der Wahl beobachten. Und das zeigt vor allem eines: Wie wichtig die oft so belächelte Bezirkspolitik eigentlich ist. Denn plötzlich ist der Posten des Vize-Bezirksvorstehers aus der Leopoldstadt (zumindest kurfristig) das interessanteste Amt des ganzen Landes.

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