"Die Lage spitzt sich dramatisch zu"

Dietmar Schweiggl, GF von Schweiggl-Obst, zu den aktuellen Ernteschäden.
  • Dietmar Schweiggl, GF von Schweiggl-Obst, zu den aktuellen Ernteschäden.
  • Foto: Sissi Furgler
  • hochgeladen von Waltraud Fischer

Kälte und Frost haben in den letzten Tagen wieder ihre Zähne gezeigt. Das Ausmaß der Schäden in den südsteirischen Weingärten ist durchwachsen. Wie ergeht es dem Obstbau Schweiggl in St. Georgen an der Stiefing?
DIETMAR SCHWEIGGL: Die Natur hat nach einem sehr schönen und für den Obstbau idealen Start in den Frühling mit außergewöhnlich hohen Temperaturen im März für eine um ca. 14 Tage frühere Blüte gegenüber einem durchschnittlichen Jahr gesorgt. Was man anfangs für eine Wiedergutmachung der Natur an die Landwirtschaft für die katastrophalen Frostschäden im Jahr 2016 hätte deuten können, hat sich leider nach der massiven Frostnacht vom 21. April nicht bestätigt. Nach einem Ernteausfall von über 90 Prozent im Jahr 2016 trifft unseren Betrieb, wie auch viele andere steirische Obstbauern, dieses neuerliche Frostereignis besonders hart. Wir haben heuer zusätzlich eine „Frostversicherung“ abgeschlossen, die einen Teil des Schadens abfedert. Die überwiegende Mehrheit von knapp 60 Prozent der österreichischen Obstbaubetriebe hat allerdings keine Frostversicherung abgeschlossen, da die Versicherungsprämien für Spezialkulturen wie Obst nach wie vor sehr hoch sind und die finanziellen Reserven nach dem Katastrophenjahr 2016 bei vielen Betrieben endgültig aufgebraucht waren. Die Schadenshöhe infolge der letzten Frostnacht lässt sich aber erst in zwei bis drei Wochen genauer abschätzen.

Nach dem Frost im Vorjahr ist man heuer schon wieder betroffen. Was bedeutet das für die steirischen Obstbauern?
Wie schon eingangs erwähnt, ist die Situation der betroffenen Obstbaubetriebe nach dem Katastrophenjahr 2016 existenzbedrohend. Mit dem neuerlichen Frostjahr 2017 spitzt sich die Lage dramatisch zu.
Einfach ausgedrückt könnte man die aktuelle Lage so beschreiben: Man arbeitet zwei Jahre lang, ohne jedoch einen Lohn oder ein Gehalt zu bekommen. Kosten und Ausgaben sind aber trotzdem zu bezahlen.

Bisher konnten Sie mit Stolz berichten, dass der Obstproduzent Schweiggl ganz ohne Förderungen gewachsen ist. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Durststrecke nach den massiven Ernteausfällen zu überstehen?
Da wir immer ohne Fremdfinanzierung und Förderungen, sondern ausschließlich mit Eigenkapital gewachsen sind, war es schon seit jeher notwendig, unsere Unternehmensstruktur sehr straff zu organisieren – dies hilft uns jetzt in dieser Situation natürlich sehr. Auch wurde der Betrieb, der von meinem Vater vor über 50 Jahren gegründet wurde, sukzessive immer breiter aufgestellt, um Schwierigkeiten eines Unternehmensbereiches mit anderen Unternehmensbereichen gegebenenfalls zu kompensieren.

Sie galten bisher als größter Apfelproduzent Österreichs, der auf gesunde, nachhaltige und kontrolliert naturnahe Produktion größten Wert legt. Was wird die Zukunft bringen?
Ich glaube, dass es für den Obstbau in der Steiermark auch künftig einen festen Platz geben wird, allerdings mit veränderten Strukturen. Da es leider viele Obstbauern nach den zwei Frostjahren 2016 und 2017 – trotz ihres Fleißes und Einsatzes – finanziell sehr schwer haben werden, mit ihren Betrieben wirtschaftlich zu überleben, werden in Folge vermutlich einige das Handtuch werfen müssen.
In unserem Betrieb werde ich gemeinsam mit meinen Brüdern Rudolf und Christoph unseren eingeschlagenen Weg der Qualität, Nachhaltigkeit und des stetigen Wachstums weitergehen. Wir planen für die nächsten Jahre die exklusive Einführung einer neuen, innovativen Apfelsorte am österreichischen Markt.

Noch eine persönliche Frage: Sie wurden dieser Tage mit einer neuen Funktion in der Wirtschaftskammer betraut. Wofür werden Sie sich künftig verstärkt einsetzen?
Seit einigen Tagen darf ich dem steirischen Agrarhandel als Gremialobmann vorstehen. Ich sehe mich als Vertreter des Handels und werde mich dafür einsetzen, vermehrt als Vermittler zwischen der landwirtschaftlichen Produktion und dem Handel in Erscheinung zu treten.
Darüber hinaus möchte ich versuchen, ein noch besseres gegenseitiges Verständnis für beide Partner zu schaffen, damit die Zusammenarbeit – im Sinne einer wechselseitigen Win-win-Situation – weiter vertieft werden kann. Die Schlagwörter „Regionalität“, „Herkunft“ und „Qualität“, die für den Konsumenten von heute eine zentrale Rolle spielen, sollen in Zukunft noch stärker im Fokus stehen.

Autor:

Waltraud Fischer aus Leibnitz

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