Peter-Tunner-Straße in Leoben
Stolpersteine für vertriebene Familie
- MuseumsCenter-Leiterin Susanne Leitner-Böchzelt, Kulturreferent Johannes Gsaxner, Obfrau des Vereins für Gedenkkultur Daniela Grabe, Stolperstein-Patin Veronika Fuhrmann, Thomas Meier und Heribert Macher-Kroisenbrunner vom Verein für Gedenkkultur (v.l.) vor dem Haus Peter-Tunner-Straße 18, wo die drei Gedenksteine für Familie Klinger verlegt wurden.
- Foto: Foto Freisinger/Russold
- hochgeladen von Astrid Höbenreich-Mitteregger
In Leoben wurden zum vierten Mal Stolpersteine zur Erinnerung an NS-Opfer verlegt. Diesmal für die Familie Klinger, die aus der Peter-Tunner-Straße vertrieben wurde.
LEOBEN. Es war ein berührender Festakt, der in der Peter-Tunner-Straße 18, dem letzten freiwilligen Wohnort der Familie Klinger, vom Verein für Gedenkkultur und der Stadtgemeinde Leoben abgehalten wurde. Und zwar im Zuge der Stolpersteinverlegung für Cäcilia, Nissan und ihren damals 18-jährigen Sohn Herbert. Die Familie musste die Wohnung in diesem Haus 1938 verlassen. Während die Eltern nach ihrer Deportation von Wien aus nach Opatow/Lagow ermordet wurden, konnte Sohn Herbert noch Ende 1938 nach Palästina flüchten. Seine Eltern hätten mit dem nächsten Schiff nachkommen sollen, schafften es aber nicht, was den Leobener, der am 12. Juli seinen 101. Geburtstag in Tel Aviv gefeiert hätte, sein ganzes Leben lang schmerzte. Herbert Klinger verstarb am 24. Juni.
Mutter und Vater sind nicht mehr vergessen
„Herbert Klinger war es sehr wichtig, dass seine Eltern Gedenksteine in Leoben bekommen würden. Er war informiert über die Verlegung der Stolpersteine und er hat sich sehr gefreut darüber, dass seine Mutter und sein Vater nun nicht mehr vergessen sind“, sagte Daniela Grabe, Obfrau des Vereines für Gedenkkultur Steiermark. Die in den Gehweg eingelassenen Stolpersteine, auf denen die wichtigsten Daten der verfolgten Menschen zu lesen sind, sollen ein sichtbares Zeichen in der Öffentlichkeit sein und dem entgegenwirken, was den Nationalsozialisten viel zu oft gelungen ist: Menschenleben auszulöschen und sie für immer vergessen machen.
Erinnern und mahnen
„Wir möchten diese Menschen wieder in Erinnerung rufen und ihnen ihre Namen zurückgeben. Wir können nie wieder etwas gut machen, aber wir können mit den Stolpersteinen erinnern, für die Zukunft mahnen und einen Gedenkplatz für Nachkommen schaffen“, betonte Grabe.
Leobens Kulturreferent Johannes Gsaxner strich die große Bedeutung hervor, der Familie Klinger ihren Namen zurückgegeben zu haben: „Es ist ein Zeichensetzen im Sinne des Nichtvergessens und der Wachsamkeit. Und wenn unsere Schulklassen die Orte mit den Stolpersteinen besuchen, sich mit den Schicksalen auseinandersetzen, auch dann hat dieses Projekt sein Ziel erreicht.“
Sag zum Abschied leise Servus
Susanne Leitner-Böchzelt, Leiterin des MuseumsCenters Leoben, verlas am Ende einen sehr persönlichen und emotionalen Brief an Herbert Klinger, geschrieben von Judith Weinmann-Stern, Obfrau des Vereins „Wien – Tel Aviv“, die eine gute Freundin von Klinger war. Musikalisch untermalt wurde der Festakt vom Streichquintett der Kunst- und Musikschule Leoben, das Herbert Klingers Lieblingsmusik spielte. Von Herbert Klinger selbst wurde eine Originalaufnahme des Liedes „Sag zum Abschied leise Servus“ eingespielt.
Die Patenschaft für die drei Stolpersteine übernahm das Ärzteehepaar Veronika und Walter Fuhrmann aus Leoben.
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