Dialogwoche Alkohol
Sucht als fatale "Überlebensstrategie"

Christine Paar ist Suchtberaterin sowie Sozial- und Traumapädagogin der Suchtberatung Obersteiermark in der Krottendorfergasse 1 in Leoben. "Die Arbeit geht uns nicht aus", sagt sie.
  • Christine Paar ist Suchtberaterin sowie Sozial- und Traumapädagogin der Suchtberatung Obersteiermark in der Krottendorfergasse 1 in Leoben. "Die Arbeit geht uns nicht aus", sagt sie.
  • hochgeladen von Astrid Höbenreich-Mitteregger

Die Alkoholsucht macht in der Suchtberatung Obersteiermark nach wie vor das „Kerngeschäft“ aus.
LEOBEN. Menschen, die süchtig sind nach Alkohol, die aufgrund dieser Sucht vieles oder gar alles in ihrem Leben verloren haben, sind großteils mit Ablehnung und Missbilligung der Gesellschaft konfrontiert. Dabei ist es das Gegenteil, das diese Personen in ihrem für viele unsichtbaren Kampf verdient hätten, nämlich Hochachtung, wie Christine Paar, Sozial- und Traumapädagogin sowie Suchtberaterin der Suchtberatung Obersteiermark mit Sitz in Leoben im Zuge der „Dialogwoche Alkohol“ betont. „Für jene alkoholsüchtigen Menschen, die ihren Weg zu uns finden, sich ihren Problemen stellen, ehrlich zu sich selbst sein müssen, ist das sehr schmerzhaft. Es ist ja nicht damit getan, nichts mehr zu trinken. Nüchtern der Wahrheit und den Problemen ins Gesicht zu schauen, das auszuhalten und zu bewältigen, ist alles andere als einfach. Deshalb habe ich persönlich große Hochachtung vor diesen Personen“, sagt Paar.

Anhaltend hoch

Rund 400 Klienten aus den Bezirken Liezen, Bruck-Mürzzuschlag sowie Leoben würden jährlich in der Suchtberatung Obersteiermark vom Expertenteam konstant betreut werden, ganz abgesehen von den tausenden Beratungsgesprächen, auch bezüglich anderer Süchte. In den 38 Jahren des Vereinsbestehens sei die Zahl der zu behandelnden Alkoholkranken stets „anhaltend hoch“ geblieben. „Die Alkoholsucht spielt in unserer Beratungsstelle die größte Rolle, sie ist unser ‚Kerngeschäft‘. Mehr als 40 Prozent der Klienten leiden daran“, berichtet Christine Paar weiter.

Harte Droge, schwere Krankheit

Alkohol – so leicht für jedermann zugänglich, so sehr von der Gesellschaft akzeptiert – sei eine harte Droge und die Alkoholsucht eine schwere chronische Krankheit, die unbehandelt bis zum Tod führe. Die Gründe, in die Sucht zu rutschen, seien genauso vielfältig, wie die Menschen, die es trifft. Große Rollen spielen erfahrungsgemäß aber Stress, Überforderung in der Arbeitswelt oder etwa eine gewisse familiäre Vorbelastung. „Von etwas abhängig zu werden, das geht schnell und kann jeden treffen. Es beginnt womöglich mit ein, zwei Gläschen Alkohol zum Abschalten am Abend“, so Paar.
Viele der Klienten seien trotz ihrer Sucht in der Arbeitswelt integriert. Und sie stellt klar: „Alkoholsüchtige sind kein arbeitsloses Gesindel, es ist das Gegenteil der Fall. Arbeit ist für sie ein großes Thema.“ Viele seien als ‚Arbeitssüchtige‘ erst in die Alkoholsucht geraten.

Kein persönliches, moralisches Versagen

Was ihr auch ganz wichtig ist zu betonen, ist, dass Sucht kein persönliches, moralisches Versagen ist, sondern eine tatsächliche, schwere Krankheit. „Eine Sucht ist der Versuch, ein Problem zu bewältigen, eine Überlebensstrategie zu entwickeln. Süchtige sind keine bösen Menschen, die gut werden sollen. Es sind kranke Menschen, die gesund werden sollen. Was unbedingt beendet werden muss, ist die Doppelmoral in unserer Gesellschaft bezüglich Alkohol. Er ist allgegenwärtig und normal. Trinkt man nicht mit, wird man belächelt oder ausgegrenzt. Trinkt man jedoch über die Grenze hinaus und gerät in die Sucht, wird man erst recht verteufelt und ausgegrenzt. Diese Doppelmoral gehört vom Tisch, das würde ich mir wünschen“, sagt Paar.

Sternstunden

Was das Positive an der Alkoholsucht sei, sei, dass sie behandelbar ist und zum Stillstand gebracht werden kann, was auch vielen Klienten gelingt. Flamme sie wieder auf, seien die Experten der Suchtberatung stets zur Stelle. „Meine Sternstunden sind es, wenn mir jemand sagt, dass es ihm gut geht, wenn ich sehe, dass die Klienten Erfolg haben im jahrelangen Kampf gegen ihre Sucht“, erzählt Christine Paar.

Kontakt:

Suchtberatung Obersteiermark
Krottendorfergasse 1
8700 Leoben
Bürozeiten/Terminvergabe: Mo - Do von 10 - 12 Uhr
Telefon: 03842/ 44474
E-Mail: office@suchtberatung-obersteiermark.at
Beratung nach telefonischer oder persönlicher Vereinbarung von Mo - Do von 8 - 18 Uhr.
Die Hilfe ist kostenlos und vertraulich, auf Wunsch auch anonym.

Das multiprofessionelle Team der Suchtberatung Obersteiermark besteht aus Suchtberatern, Sozialarbeitern, Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzten.

Angebote:
Beratung und Information in allen Suchtfragen
Psychosoziale und psychologische Beratung
Medizinische Beratung
Psychiatrische Betreuung
Sozialarbeit und individuelle Unterstützung
Psychotherapie
Behandlung bei behördlichen Weisungen
Angehörigenberatung

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