Leitfaden für Silvester mit Tieren

Katrin Laubichler ordiniert in ihrer Tierarztpraxis in Hall bei Admont.
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Jedes Jahr stehen viele Tierbesitzer vor der gleichen Thematik. Silvesterknaller und Co tragen oft dazu bei, dass bei Haus- als auch Nutztieren der Knopf der Angst gedrückt wird. Zurückbleiben können schwere Traumata, die sich im Alltag auf Dauer bemerkbar machen, wenn unerwartete Knall- oder Schussgeräusche auf die sensiblen Ohren treffen. Katrin Laubichler, Tierärztin in Hall bei Admont, gibt Tipps für den sensiblen und wirkungsvollen Umgang mit diesem Thema.

Was passiert in der Psyche eines Tieres, wenn es unvorbereitet mit einer geballten Ladung "Knallerei" konfrontiert wird?

KATRIN LAUBICHLER: Für die Tiere ist diese Art von Lärm ein Reiz, der nicht einzuordnen ist. Das ist irritierend. Sie neigen dazu sich verstecken zu wollen, suchen sich einen Platz, an dem sie sich sicher fühlen. Das kann schon auch mal der Keller sein, da dies meist der Raum des Hauses ist, der den Lärm am besten abhält. Bei Jagdhunden zum Beispiel trainiert man die Schussfestigkeit bereits im Welpenalter. Die Züchter üben mit den Tieren mit Luftballons, die sie in der Nähe der "Hundekinder" zerplatzen. Tierkinder haben wenig Angst, also macht das in diesem Alter Sinn. Bei adulten Tieren kann dieser "Schuss" im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgehen. Erwachsenen Tiere haben vor dem unerklärlichen, plötzlichen Lärm meist Angst.

Wie merkt man bei einem Tier, dass es Angst hat?

Sie zeigen abnormes Verhalten, wie zum Beispiel starkes Hecheln, Erbrechen oder Durchfall. Bellen, miauen oder beißen und auch Harnmarkieren können auftreten. Es kann auch sein, dass sich das Tier verstecken möchte. Wichtig ist zu hinterfragen, woher dieses Verhalten rührt und dem Tier Schutz zu bieten, indem man ihm signalisiert, dass es okay ist, sich einen Platz der Sicherheit zu suchen. Destruktiv hingegen ist es, die Angst mit Mitleid zu verstärken. Also das Verhalten nicht mit Mitleid belohnen, doch dem Tier die Möglichkeit für den Rückzug lassen (das Tier zeigt für gewöhnlich, wo es sich halbwegs wohl fühlt). Es ist hilfreich, bei starkem Lärm von draußen die Fenster zu schließen, so verringert man die Stresssituation schon ein wenig.

Kann man auch mit Medikamenten oder alternativen Methoden entgegenwirken?
Natürlich gibt es da Möglichkeiten. Hundebesitzer, die mit diesem Problem konfrontiert sind und einen aufmerksamen Umgang mit ihrem Vierbeiner hegen, kommen schon einige Wochen vor Silvester in die Praxis. Es gibt Nahrungsergänzungsmittel oder auch "Pheromonstecker" (diese funktionieren wie die handelsüblichen Gelsenstecker und verströmen einen bestimmten Duft mit beruhigenden Wirkstoffen) und natürlich Kräutermischungen und sogenannte "Rescuetropfen". Auch mit diversen Sprays und Halsbändern kann man den Angstzuständen entgegenwirken. Sie wirken beruhigend und entspannend auf das Tier. Sehr wichtig ist, dass all diese Medikamente und Therapien eine zeitlang vorher angewendet werden. Am Tag des Ereignisses (in diesem Fall Silvester) ist es bereits zu spät.

Wie kann man den Silvesterabend für Tiere optimal gestalten?
Wichtig ist, dass man die "Gassizeiten" früh genug einplant und sich zum Gassigehen einen Platz weit abseits des ganzen "lauten Geschehens" sucht. Tagsüber kann man dem Tier eine ordentliche Portion Auslauf genehmigen, dann bleibt abends vielleicht nochmal ein kurzer Gang vor die Türe. Den Tieren zuliebe auf Knaller zu verzichten ist natürlich optimal.

Katrin Laubichler ordiniert in ihrer Tierarztpraxis in Hall bei Admont.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Vierbeinern den Stress zu nehmen. Neben Verhaltenstherapeutischen Maßnahmen natürlich auch einige "Mittelchen".

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