12.02.2018, 15:10 Uhr

Vereinbarkeit Outdoordport und Wildnis

Tamara Höbinger und Alexander Maringer sind Mitarbeiter des Nationalpark Gesäuse.

Im Nationalpark Gesäuse legt man den Fokus auf einen naturverträglichen Umgang mit dem Thema Outdoorsport.

Die Berge sind Lebensraum – und, wie dieser Umstand auch trefflich beschreibt, ein Platz, an dem man den Rechten als auch den Pflichten die gleichgewichtige Wertigkeit zukommen lassen sollte. Im Nationalpark Gesäuse achtet man durch eine klare Besucherlenkung und sensible Aufklärung darauf, die Sinne für einen naturverträglichen Umgang mit dem Thema Wintersport (Schi- und Schneeschuhtouren) zu schärfen. Die Profis aus dem Bereich Naturraum geben Auskunft.

Das Schitourengehen erfreut sich immer größerer Beliebtheit, was einen massiven Anstieg an "Wildnistouristen" zur Folge hat. Woran liegt das?

TAMARA HÖBINGER: Das Schitourengehen hat sich zum Breitensport entwickelt. Auch im Wettkampfbereich ist es angesehen und viele Sportler trainieren nun da hin. Auch die Hochwintertouren haben im Vergleich zu früher zugenommen, die Leute trauen sich aufgrund des guten Informationssystems mehr zu. Es kommen wesentlich mehr Leute von außen ins Gebiet, außerdem sind sie trainierter, anspruchsvoller und gehen längere und weitere Touren.


Was bedeutet der Anstieg an Schitourengehern und Wintersportlern in der Praxis für die Wildtierwelt?

ALEXANDER MARINGER: Der Energieverbrauch bei Wildtieren steigt während der Flucht um das 15-fache. Das beginnt schon beim "Sichern" (so nennt man das aufmerksame Verhalten eines Tieres), eine Art von Energieverbrauch passiert, der zwar für uns nicht wahrnehmbar ist, das Tier aber schwächt. Energieverlust passiert also nach und nach. Man sieht das nicht gleich, sondern merkt es an den Beständen, die immer weniger werden, weil den Tieren die Kraft für den Fortpflanzungserfolg fehlt.

Von welchen Tieren, die im Bereich zwischen 600 und 2.000 Höhenmetern ihren Lebensraum finden, sprechen wir?

MARINGER: Im lichten Waldbereich unter der Baumgrenze sprechen wir von Auerhühnern, dann an der Baumgrenze von Birkhühnern und im Gipfelbereich von Schneehühnern. Weiters auch von Gämsen und natürlich Reh- und Rotwild.

Welches Verhalten kann ich als Schitourengeher jetzt an den Tag legen, um einen schonenden Umgang mit den Wildtieren zu garantieren?

MARINGER: Wildtiere können das generell recht gut einschätzen, wenn sich jemand auf einer Linie bewegt, die bekannt ist. Das heißt, sich an die Aufstiegsspuren zu halten, ist wichtig und gut. Die Tiere vermeiden auch diese Bereiche nicht grundsätzlich, sondern sie vermeiden sie vielleicht tageszeitbedingt. Morgens und abends zu den Zeiten der Nahrungsaufnahme bewegen sie sich durchaus auch an den Aufstiegsrouten. Am Tag ziehen sie sich eher in den geschützteren Waldbereich zurück.
HÖBINGER: Beim Abfahren sollte man sich weitgehend an die Aufstiegsspur halten (zirka plus 20 Meter). Ich mache selbst viel Outdoorsport und es ist mir wichtig, bei allem Spaß die Ruhe nicht zu stören. Das ist mitunter ein wesentlicher Faktor für ein naturverträgliches Sporteln, denn wie mein Professor schon gesagt hat: "Die Berge sind kein Sportgerät".
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