Viren- vs. Datenschutz
"Nutzung des Rotkreuz-Apps ist eine Vertrauensfrage"

Ronald Petrlic aus St. Barbara-Veitsch gilt als einer der führenden Datenschutz-Experten in Deutschland.
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  • Ronald Petrlic aus St. Barbara-Veitsch gilt als einer der führenden Datenschutz-Experten in Deutschland.
  • Foto: Petrlic
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Bestimmendes Thema der letzten Tage war eindeutig die Einführung der Rotkreuz-App. Während die einen darin eine wichtige Maßnahme sehen, um das Virus einzudämmen, empfinden andere die Software als einen zu massiven Eingriff in die Privatsphäre. Laut der gestrigen Pressekonferenz der Regierung soll die Verwendung allerdings definitiv nur freiwillig stattfinden.  

Der in St. Barbara-Veitsch aufgewachsene Ronald Petrlic ist mittlerweile einer der führenden Datenschutz-Experten in Deutschland. Als Professor für Informationssicherheit an der Technischen Hochschule Nürnberg beschäftigt auch er sich mit der Thematik von Anti-Corona-Apps. 

Die Stopp-Corona-App vom Roten Kreuz, soll die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Kritiker befürchten eine Verletzung des Datenschutzes.
  • Die Stopp-Corona-App vom Roten Kreuz, soll die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Kritiker befürchten eine Verletzung des Datenschutzes.
  • Foto: Screenshot roteskreuz.at
  • hochgeladen von Bernhard Hofbauer

"Die derzeitige Entwicklung von Anti-Corona-Apps in Europa und Österreich ist eine gute Sache. In asiatischen Ländern hat man gesehen, dass solche Apps helfen, die Ausbreitung zu verlangsamen. Im Gegensatz zu den asiatischen Ländern wird in Europa bei allen Entwicklungen, die zur Zeit in diesem Bereich laufen, sehr viel Wert auf Datenschutz gelegt. Das ist extrem wichtig. Nur so kann man viele Bürger hier auch dazu bringen, sich freiwillig so eine App zu installieren. Insgesamt ist es eine Vertrauensfrage: in die App (also letztlich den Entwickler der App) bzw. in den Dienstleister, der die Daten speichert", erklärt Petrlic.  

Es braucht eine europäische Lösung

"Bei der Rote Kreuz-App wird im Infektionsfall die Telefonnummer der Nutzer gespeichert, also ist das Verfahren nicht völlig anonym", so der Experte.  Im Gegensatz dazu gibt es laut Petrlic auch eine europäische Initiative namens "Pepp-PT", bei der überhaupt keine personenbezogenen Daten gespeichert werden. "Das scheint bisher die datenschutzfreundlichste Lösung zu sein", meint der ursprüngliche Veitscher, der sich begeistert davon zeigt, wie viele unterschiedliche Gruppen aus unterschiedlichen Ländern hier mit Hochdruck zusammenarbeiten.

Seiner Meinung nach wäre es wünschenswert, wenn die Rote Kreuz-App auch "Pepp-PT" nutzen würde. Zumal die Initiative eine Lösung für ganz Europa sucht. "Nationale Varianten werden auf Dauer nicht funktionieren", so Petrlic. "Nun ist zu hoffen, dass das Vertrauen der Bürger auch gegeben ist und es eine hohe Zahl an freiwilligen Nutzern gibt", meint der Datenschutz-Experte. Bisher wurde die Stopp-Corona-App des Roten Kreuzes über 200.000 Mal heruntergeladen.

Zur Person

Ronald Petrlic legte den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere im IT-Bereich in der Hauptschule Veitsch. Über das BORG Kindberg und die Universitäten in Klagenfurt, Paderborn und dem Saarland führte sein Weg schließlich nach Baden-Württemberg, wo er zum Referatsleiter des IT-Referats beim Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Baden-Württemberg wurde. Er war der erste in Deutschland, der im damals recht breit diskutierten Fall "Knuddels" für ein DSGVO-Bußgeld verantwortlich war. Ab dem kommenden Semester ist er als Professor für Informationssicherheit an der Technischen Hochschule Nürnberg tätig.

Ronald Petrlic aus St. Barbara-Veitsch gilt als einer der führenden Datenschutz-Experten in Deutschland.
Die Stopp-Corona-App vom Roten Kreuz, soll die Ausbreitung des Virus verlangsamen. Kritiker befürchten eine Verletzung des Datenschutzes.

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