Pferdeflüsterin will Wissen teilen
„Ich kenne kein Pferd, das schwierig geboren wird“
- Anja Maria Kruckow bietet mobiles Reitcoaching, Pferdetraining, Reitunterricht und Reitmentaltraining an.
- Foto: Verena Hinteregger
- hochgeladen von Julia Gerold
Mit „Freiraum Pferd“ hat Anja Maria Kruckow aus St. Peter am Kammersberg einen neuen Weg eingeschlagen. Die Pferdewirtschaftsfacharbeiterin und zertifizierte Reitmentaltrainerin setzt auf einen partnerschaftlichen Umgang zwischen Mensch und Tier. Ihr Ansatz: Nicht nur das Pferd soll lernen – auch der Mensch muss bereit sein, sich selbst zu hinterfragen.
OBERSTEIERMARK. „Ich kenne kein Pferd, das schwierig geboren wird.“ Dieser Satz bringt die Haltung von Anja Maria Kruckow wohl am besten auf den Punkt. Seit 1. Oktober bietet sie unter dem Namen „Freiraum Pferd“ mobiles Reitcoaching, Pferdetraining, Reitunterricht und Reitmentaltraining an. Dafür kommt sie direkt zu den Ställen ihrer Kundinnen und Kunden in den Bezirken Murau und Murtal sowie bis nach Tamsweg, Leoben, Klagenfurt und Liezen.
Ihr Angebot richtet sich an Freizeitreiterinnen und Freizeitreiter, Wiedereinsteiger, Besitzer junger oder sensibler Pferde sowie an Turnierreiter, die an ihrer mentalen Stärke arbeiten möchten. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Beziehung zwischen Mensch und Pferd.
Ein persönliches Umdenken
Kruckows Zugang zum Reiten ist stark von ihren eigenen Erfahrungen geprägt. Schon als Kind begann sie zu reiten, machte aber immer wieder Pausen, weil vieles im klassischen Reitunterricht nicht ihren moralischen und ethischen Vorstellungen entsprach.
Mit 21 Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Pferd. Obwohl dieses immer brav und unkompliziert gewesen sei, bemerkte Kruckow irgendwann, dass es sich zunehmend zurückzog und weniger mit ihr kommunizierte. Sie begann, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen, nahm sich zurück und reduzierte ihre Erwartungen. Mit der Zeit kam auch ihr Pferd wieder stärker auf sie zu.
- Die "Pferdeflüsterin" aus dem Bezirk Murau achtet auf Mensch und Pferd.
- Foto: Sabrina Schnedl
- hochgeladen von Julia Gerold
Diese Erfahrung führte bei ihr zu einem grundlegenden Umdenken. Sie habe zwar nie grob mit ihrem Pferd gearbeitet, aber versucht, es in eine Form zu bringen, die ihm nicht entsprach. „Ich habe das gemacht, was mir gelernt wurde“, sagt sie. Heute möchte sie deshalb einen anderen Weg vermitteln.
Pferd und Mensch als Team
Kruckow sieht Reiten als Teamsport. „Stell dir ein Tanzpaar vor. Würde da einer den anderen einfach hauen?“, fragt sie. Für sie sollte die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd auf Augenhöhe stattfinden.
Das bedeutet auch, dass ein Pferd ihrer Meinung nach Nein sagen darf – solange dadurch die Sicherheit des Menschen nicht gefährdet wird. Verweigert ein Pferd eine Aufgabe, will Kruckow deshalb nicht einfach mit Druck reagieren. Vielmehr müsse man sich fragen, warum das Pferd diese Aufgabe nicht ausführen möchte. „Für mich gibt es nicht: Das Pferd muss“, sagt sie.
- Die Arbeit mit den Pferden macht ihr Spaß.
- Foto: Verena Hinteregger
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Gleichzeitig ist es ihr wichtig, dass Menschen beim Reiten Freude empfinden. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist deshalb das Mindset des Menschen. Stress, Ehrgeiz und Druck bleiben laut Kruckow nicht beim Reiter selbst. Das Pferd nehme die Stimmung seines Menschen wahr und reagiere darauf.
Tipps für Reiter
Neben der Beziehung zwischen Mensch und Pferd soll für Kruckow aber vor allem eines nicht zu kurz kommen: der Spaß am Reiten. Dafür gibt sie Reiterinnen und Reitern einige Tipps mit auf den Weg:
- Das Positive bewusst wahrnehmen:
Das eigene Mindset kann viel verändern. Anja Maria Kruckow empfiehlt, regelmäßig drei Dinge aufzuschreiben, die man selbst gut gemacht hat, und drei Dinge, die das Pferd gut gemacht hat. So richtet sich der Blick stärker auf die Fortschritte statt auf Fehler. - Erlebnisse teilen:
Positive Erfahrungen sollte man mit Menschen teilen, die diese Erlebnisse verstehen und wertschätzen. Ein Austausch kann dabei helfen, Erfolge bewusster wahrzunehmen und neue Motivation zu finden. - Erwartungen hinterfragen:
Was erwarte ich eigentlich von mir selbst? Und wer erwartet was von mir? Sich diese Fragen ehrlich zu stellen, kann helfen, unnötigen Druck beim Reiten zu erkennen und abzubauen. - Sich selbst reflektieren:
Am Ende steht die Frage: Was möchte ich eigentlich selbst? Wer seine eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse kennt, kann auch bewusster mit seinem Pferd arbeiten.
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