17.11.2016, 10:00 Uhr

Mit 96 Jahren zur WM-Goldenen

Die 96-jährige Elfriede Fuchs sicherte sich mit diesem Wurf den Weltmeistertitel im Kugelstoßen im australischen Perth (Foto: ÖTB Turnverein Judenburg)

Als älteste Teilnehmerin krönte sich die 96-jährige Elfriede Fuchs zur Weltmeisterin im Kugelstoßen.

JUDENBURG. Man sieht der rüstigen, stets fröhlichen und gut gelaunten Elfriede Fuchs, ihres Zeichens frischgebackene Weltmeisterin im Kugelstoßen, ihre 96 Jahre bei Weitem nicht an.

Turnen und Bewegung als Erfolgsrezept

Ihr Lebensmotto „Turnen und Bewegung, solange es möglich ist, und wenn ich auf allen Vieren daherkomme“, machte es möglich, dass dem seit dem Jahre 1951 aktiven Mitglied des ÖTB Turnvereines 1894 Judenburg im australischen Perth zum WM-Titel gratuliert werden durfte.

Dabei war sich die Murtalerin nach ihrem besten Versuch über 4,07 Meter gar nicht bewusst, dass sie sich gerade die Goldmedaille gesichert hat:

„Plötzlich war ich von Kameras umringt, alle wollten ein Interview von mir. Dabei kann ich gar kein Wort Englisch“, schmunzelt die 96-Jährige, die unter den über 4.o00 Athleten aus aller Welt als älteste Teilnehmerin im Einsatz war. Mit Händen und Füßen hat es dann doch geklappt.

Höhepunkt einer erfolgreichen Karriere

Der Weltmeistertitel ist der Höhepunkt in der langen, erfolgreichen Karriere von Elfriede Fuchs, die seit 1926 zunächst als Turnerin und danach auch als Leichtathletin aktiv ist.

Nachdem der Seniorin bereits beim Rückflug von den Stewardessen mit Sekt gratuliert wurde, gab es für sie und ihre Weggefährtin Gerda Peroutka einen herzlichen Empfang bei ihrem Heimatverein in der örtlichen Friesenhalle.

„Immer aktiv bleiben“

Über das Erfolgsrezept ihrer Vitalität gefragt, meinte Fuchs: „Es gibt kein Geheimnis. Aber man muss immer aktiv bleiben. Ich mache Aerobic, gehe alles zu Fuß und erledige den Haushalt. Fensterputzen etc. darf man nicht als Arbeit sehen, sondern als Training, dann machen auch solche Dinge Spaß.

Mit dem Lösen von Kreuzworträtseln und täglichem Kurrentschreiben halte ich mich auch geistig fit. Ärzte können mit mir nicht viel verdienen“.

In vier Jahren findet dann die Senioren-WM im kanadischen Toronto statt. „Elfi ist dann 100 Jahre und ich fast 80. Da geigen wir noch einmal auf!“, meinte Gerda Peroutka zu Elfriede Fuchs, die die Aussage ihrer Sportkollegin mit einem Lächeln zur Kenntnis nahm...

Abenteuer in Perth mit Gold belohnt

Eigentlich haben es die Familienmitglieder von Elfriede Fuchs erst gar nicht glauben können, dass ihre Mutter, Oma und Uroma im Alter von stolzen 96 Jahren, die Reise zur Leichtathletik-Senioren-Weltmeisterschaft im fernen Perth in West-Australien antreten würde. Doch sie wurden eines Besseren belehrt.

Trainerin, Freundin und Leichtathletin Gerda Peroutka, selbst 75 Jahre alt, zog die Fäden, überzeugte und motivierte Elfriede Fuchs für eine Teilnahme bei den World Masters Athletics Championships in fernen Gefilden.

Gesagt, getan - Ende Oktober nahmen die beiden Seniorinnen den Trip von Wien über Frankfurt, Singapur nach Down Under in einem 22-stündigen Flug in Angriff.

Elfriede Fuchs machte weder der lange Flug noch die Zeitumstellung in irgendeiner Form zu schaffen, sie war vom ganzen Flair begeistert.

„Lediglich der starke Wind war etwas störend, dauernd standen einem die Haare zu Berge“, so Fuchs.

Erster Höhepunkt in Perth war für die beiden Judenburgerinnen der Einmarsch der 4.032 Teilnehmer aus 92 Nationen, ehe es am 1. November in der Sport-Arena ernst wurde. Elfriede Fuchs krönte sich im vierten Versuch mit 4,07 Metern zur Weltmeisterin in der AK W95 im Kugelstoßen.

Die ersten Worte von Elfriede Fuchs: „Ich war sehr zufrieden“. Als Belohnung gab es am Abend ein Glas Rotwein, welches für die rüstige Murtalerin ebenso dazugehört wie vor allem die tägliche Bewegung.

Zur Person

Elfriede Fuchs wurde am 26. August 1920 geboren.

Karriere
Mit sechs Jahren Mitglied in einem Grazer
Turnverein, ab 1951 Wechsel zum ÖTB Judenburg 1894, älteste aktive Leichtathletin Österreichs.

Größte Erfolge

Vielfache Meisterin im Kugelstoßen (steirische Hallenmasters, steirische und österr. Masters);

Rang fünf bei der WM in Rissione, Italien (2007);

Rang drei bei der EM in Laibach (2008);

WM-Silber in Sacramento, USA (2011);

WM-Goldmedaille in Perth, Australien (2016).
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