Militärkommando NÖ
Geld für's Bundesheer gewährleistet unsere Sicherheit
- Brigadier Georg Härtinger, Militärkommandant von NÖ hat genau einen Wunsch an die neue Regierung: "Auf Budgettangente weiterfahren!"
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Niederösterreichs Militärkommandant Brigadier Georg Härtinger über die Hochwasserkatastrophe, die Autarkie der Kasernen und seinen Wunsch an die neue Bundesregierung, nämlich die "eingeschlagenen Budgettangente weiterzufahren". Im exklusiven MeinBezirk-Interview verrät der begeisterte Hobby-Fotograf aber auch, wofür sein Herz schlägt und welchen Berufswunsch er als Bub hatte.
NÖ. Sein Lebenslauf ist vier Seiten lang, er hat 18 Auszeichnungen, war bei vier Auslandseinsätzen (2 x Kosovo, Bosnien und Rom) und zehn internationalen Übungen: Die Rede ist von Georg Härtinger, der am 20. August von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner als neuer Militärkommandant von Niederösterreich vorgestellt wurde.
- Brigadier Georg Härtinger beim Interview über das Hochwasser: "Wir haben rund 140 Personen evakuiert, 99 davon mit der Winde. Und wir haben mit den Hubschraubern tausend Tonnen Außenlast verbracht."
- Foto: Bundesheer / Sarah Polak
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Die Hochwasserkatastrophe Mitte September hat der 58-Jährige, obwohl er noch nicht offiziell angelobt wurde, natürlich in Erinnerung:
"Es war die beste Zeit, um zu beginnen. Das Lagezentrum wurde hochgefahren und ich konnte in kürzester Zeit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenlernen".
Und das sind nicht wenige – im Militärkommando sind 800 Personen – einschließlich Truppenübungsplatz Allentsteig – beschäftigt.
Die Hochwasserkatastrophe hat auch gezeigt, wie wichtig die Soldaten sind ...
GEORG HÄRTINGER: Eine Assistenzleistung wird erst dann angefordert, wenn die lokal verfügbaren Einsatzkräfte Unterstützung benötigen. Mitte September hatten wir zwei Situationen: Wir waren bei den Erstmaßnahmen mit der Sofortrettung von Menschen (mit den Hubschraubern) dabei und haben rund 140 Personen evakuiert, 99 davon mit der Winde. Und wir haben mit den Hubschraubern tausend Tonnen Außenlast verbracht, mit denen Löcher von Dämmen gefüllt wurden. In weiterer Folge sind wir quasi mit den Landstreitkräften mit 1.500 Soldaten in den Einsatz getreten.
- Hochwassereinsatz in Niederösterreich in Zahlen
- Foto: MeinBezirk
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Ist die Arbeit erledigt?
GEORG HÄRTINGER: Nein, wir arbeiten noch immer im Pielachtal. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir vor Weihnachten fertig sind. Aktuell bauen wir noch in Traiskirchen eine Brücke und eine weitere Ersatzbrücke muss noch montiert werden. 24.500 Personentage an Einsatzleistung haben wir erbracht.
Geld kann man ja bekanntlich immer brauchen: Was genau bräuchte das Militärkommando?
GEORG HÄRTINGER: Ich bin zuständig für die Kasernen, für Infrastruktur und Truppen, die in Niederösterreich stationiert sind. Wichtig ist, dass wir die Ausbildung durchführen können. Und dazu bräuchten wir beispielsweise elektronische Absicherungen unserer Kasernen.
Wie zufrieden sind Sich mit der Ausstattung und der Infrastruktur in den Kasernen?
GEORG HÄRTINGER: Infrastrukturmäßig arbeiten wir derzeit intensiv daran, eine Autarkie der Kasernen herzustellen. In St. Pölten erhalten wir etwa eine Tankstelle. Was wir auch noch benötigen wäre eine Art eines Führungsinformationssystems, das uns die Möglichkeit gibt, vom Einsatz direkt Informationen im Lagezentrum zu erhalten. Es ist konkret das sogenannte Battle-Management-System, das derzeit getestet und angeschafft wird.
- Brigadier Härtinger: "Jede Reduzierung von Budgetmaßnahmen des Heeresbudgets geht zu Lasten der Sicherheit unserer Bevölkerung".
- Foto: Bundesheer / Sarah Polak
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Was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?
GEORG HÄRTINGER: Wir haben es mit sehr volatilen (Anm. unbeständigem) Sicherheitsverhältnissen an den Randzonen Europas zu tun. Und aufgrund der Entfernung oder aufgrund der militärischen Bedrohung von Europa ist eine Auswirkung auf Österreich nicht auszuschließen. Daher bin ich überzeugt, dass die eingeleiteten (Beschaffungs-)Maßnahmen notwendig sind, um die Sicherheit Österreichs und damit auch Niederösterreichs zu gewährleisten. Jede Reduzierung von Budgetmaßnahmen des Heeresbudgets geht zu Lasten der Sicherheit unserer Bevölkerung. Daher mein einziger Wunsch: Dass man diese eingeschlagene Budgettangente auch tatsächlich weiterfährt.
Der Militärkommandant : Seine Erfolge ... und ganz privat
Georg Härtinger ist verheiratet, hat drei Kinder (Sohn, 30 Jahre und zwei Töchter mit 28 und 23 Jahren) und einen 16-jährigen Kater. Er wohnt in Paudorf und ist in St. Pölten aufgewachsen.
Was wollten Sie Ihrer Gattin schon immer einmal mitteilen?
Ich hab sie gern, so wie sie ist.
Der schönste Urlaub ... war sicher mein letzter Urlaub in Italien. Wir waren in Cesenatico.
Haben Sie überhaupt Freizeit? Und wenn ja, wie gestalten Sie diese?
Wenig. Aber ja, ich habe Freizeit. Ich fotografiere gern. Am liebsten Schwarz-Weiß-Fotografie, wodurch man Menschen mit besonderem Charakter bei ihrer Tätigkeit einfangen kann. Etwa, wenn mit Händen etwas gemacht wird.
Werden Sie Ihre Bilder ausstellen?
Nein.
Sportlich?
Die Leichtathletik fasziniert mich. Ich war selbst jahrelang in St. Pölten Leichtathlet, war sogar im Landeskader für Zehnkampf. Und ich habe Niederösterreich bei den Bundesmeisterschaften im 110 Meter Hürdenlauf vertreten. Im Staffellauf 110 Meter Hürdenlauf halte ich immer noch einen Stadtrekord, im Zehnkampf werde ich auf der ewigen Bestenliste geführt, wo man verschiedene Distanzen läuft. In der Leichtathletik ist man auf sich selbst angewiesen, der Zehnkampf ist eine herausfordernde Sportart. Das faszinierendste ist der Stabhochsprung. Das habe ich auch am liebsten gemacht. Die vier Meter habe ich trotzdem nicht geschafft.
Der Tag beginnt für mich ... mit einem Frühstück, der wichtigsten Mahlzeit des Tages. Striezel, Butter, selbst gemachte Marmelade und Tee dürfen nicht fehlen. Und ich frühstücke jeden Tag mit meiner Frau Beate.
Welchen Berufswunsch hatten sie, als sie noch ein kleiner Bub waren?
Ich habe nach meinem einjährigen freiwilligen Jahr in Mautern Maschinenbau studiert. Ich wollte immer Schiffe bauen, nach Hamburg. Aber zu dem Zeitpunkt, wo ich studiert habe, hatten die Computer noch diese bernsteinfarbenen Bildschirme. Und ich musste auf einem DIN A0-Plakat ein genormtes Ventil der OMV nachkonstruieren, zuerst mit Bleistift und dann zeichnet man da verschiedene Linien mit Tusche nach. Und jeder Einzelschritt musste durch den Assistenten bestätigt werden. Am Ende, beim Tusche abziehen, habe ich einen Strich verzogen. Alles wurde mir durchgestrichen und ich sollte es nochmal machen. Das war ungefähr 14 Tage vor der Aufnahmeprüfung an der Militärakademie. Und ich habe mir gesagt, wenn das Papierzeichnen meine Zukunft ist, dann mache ich das nicht mehr. Und seitdem bin ich da.
Die größten beruflichen Meilensteine sind ... Jubiläumsveranstaltungen des Bundesheeres am Helden- und Rathausplatz. Ich war derjenige, der zum Beispiel das letzte große Scharfschießen des Bundesheeres, mit der Deutschen Bundeswehr und der tschechischen Armee, gemeinsam am Truppenübungsplatz Allentsteig 2015 gemacht hat. 2016, 2017 habe ich mich mit den Flüchtlingen, die über das Mittelmeer gekommen sind, beschäftigt und die Ausbildung der libyschen Küstenwache gestartet. Ich war der Ausbildungsverantwortliche für Minurcat I, das war das Österreichische Kontingent im Tschad (Zentralafrika), wo von der EU-Mission auf UNO-Mission gewechselt wurde. Den Radlpass habe ich übrigens 1991 verteidigt.
Wie anfangs erwähnt: Der Lebenslauf umfasst vier Seiten.
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