"And Grandma said..."
Der Stammesälteste des Mohawak-Clans und seine Reise durch unsere Region

Die Musikkapelle der Landwirtschaftlichen Schulen in Bruck begrüßte Tom Porter seinen Sohn Aroniennens. | Foto: Leopold Kohr-Akademie
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  • Die Musikkapelle der Landwirtschaftlichen Schulen in Bruck begrüßte Tom Porter seinen Sohn Aroniennens.
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Die Vertreter des Kulturvereins Tauriska bzw. der Leopold Kohr-Akademie begleiteten Tom Porter (Sakokwenionkwas) und seinen Sohn durch Salzburg bzw. in den Pinzgau.

SALZBURG / PINZGAU. Mythische Tänze, politische Repression, Handwerk, Klimawandel, irokesische Schöpfungslehre und die Herausforderung, Tradition zu bewahren – die beiden Tage mit Sakokwenionkwas (Tom Porter), Stammesältester des Mohawak-Clans, und seinem Sohn Aroniennens waren voll mit inspirierenden Gesprächen.

Dankbarkeit gegenüber den einstigen Helfern

Seit Tom Porter 1944 in einem Reservat an der Grenze zwischen den USA und Kanada geboren wurde, hat er die Unterdrückung seiner Stammeskultur durch die amerikanische Regierung wiederholt erlebt. Drei Mal in seinem Leben spitze sich die Lage dabei so zu, dass es aus der Perspektive der Mohawak einem Bürgerkrieg ähnelte. Während dieser harten Zeiten haben er und die indigenen Stämme in Nordamerika vielfältige Unterstützung von Journalisten, Politikern und anderen engagierten Menschen aus Europa erhalten. Vielen dieser Menschen hat Tom Porter versprochen, sie vor seinem Ableben noch mal zu besuchen und Ihnen zu danken.Aktuell bereisen er und sein Sohn sechs Wochen lang Europa und bedanken sich und erzählen jedem, der daran interessiert ist, von ihrer Kultur und ihrer Geschichte.

Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern

Die Mohawak leben, genauso wie die vier anderen indigenen Völker, seit über 2.000 Jahren in einer matrilinearen Gesellschaft. Frauen haben hier die Macht spirituelle und politische Führer zu bestimmen und wieder abzusetzen. Dadurch werden weibliche Werte und Kooperation gefördert und automatisch ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern geschaffen. Auch Sakowenionkwas führt seine Rolle als spiritueller Führer mit dem Wohnwollen der Mohawak Frauen. Sein Handeln ist stark von den Lehren seiner Großmutter geprägt, welche er dem englischen Buch mit dem Titel "And Grandmother says ... " zusammengefasst hat. Das Buch beginnt wie alle wichtigen Dinge der Mohawak mit "dem, was wir vor allem wichtigen sagen": einer 15-seiten langen Danksagung an den Schöpfer, die Bäume, die Fische und alle anderen Geschöpfe der Natur.

"Ein ganz außergewöhnlicher Mensch"

„Schon beim Ankommen am Hauptbahnhof war uns bewusst, dass hier ein ganz außergewöhnlicher Mensch unser Bundesland besucht“, erzählen Susanna Vötter-Dankl, Christian Vötter und Inge Patsch. Um einen kleinen Einblick in die Landeshauptstadt Salzburg zu geben wurde unter der Begleitung der Sprecherin der Salzburger Fremdenführer Inez Reichl-de-Hoogh ein Stadtrundgang unternommen. Schloß Mirabell, der Garten, das Landestheater, die Salzach und die vielen Kaffeehäuser und besonders die Bäume (Tom Porter liebt Bäume) in der Stadt beeindruckten die Gäste aus Kanada.

Vortrag in St. Virgil

Die politischen Dynamiken und die spirituelle Verbindung zur Natur waren das zentrale Thema des Vortrages in St. Virgil in Salzburg, der von der Leopold-Kohr Akademie/TAURISKA, in Kooperation mit dem Netzwerk Sabine durchgeführt wurde. Die Moderation des Abends übernahm Georg Steinitz, übersetzt wurde von Peter Linhuber und Direktor Jakob Reichenberger als Hausherr begrüßte die Gäste.

Landwirtschaftliche Fachschule Bruck

Am Freitag, dem 10. Mai wurde die Landwirtschaftliche Fachschule in Bruck an der Glocknerstraße besucht. Ein Schuhplattler, eine Schnazlergruppe und die eigene Musikkapelle der Fachschule, der Direktor Christian Dullnigg und das Lehrer-Team begrüßten die Gäste aus Amerika.
Tom Porter sagte zu den jungen Schülerinnen und Schüler: "Ihr seid unsere Zukunft und ich bin begeistert von dieser Schule, an der Landwirt- und Hauswirtschaft, Handwerk und Kultur gelebt wird - DANKE für diesen Moment."

Tischler und Handwerkslehrer

In der Tischlerei fühlte sich der Stammesälteste besonders wohl. Bis zu seiner Pensionierung war er über 30 Jahre als Tischler und Handwerkslehrer tätig. Ähnlich gehen die meisten Angehörigen indigener Völker in Nordamerika heute typischen westlichen Berufen nach. Und auch die Jugend ist wie unsere Jugend digital vernetzt. Was sie jedoch wesentlich von anderen Jugendlichen am amerikanischen Kontinent unterscheidet, sind die Werte und der Glauben, der ihr Handeln prägt. So etwa das Konzept der 7 Generationen, nach dem jedes Handeln so gestaltet werden soll, dass es 7 Generationen zugutekommt. Unter solchen Rahmenbedingungen hat die wirtschaftliche Ausbeutung von Böden und natürlichen Ressourcen keinen Platz. Sakokwenionkwas und viele andere Mitstreiter haben sich deshalb wiederholt gegen Vorhaben der amerikanischen Behörden aufgelehnt, welche Rohöl oder andre Rohstoffe extrahieren wollten. Aus Sicht der Mohawak ist die Erde unser aller Mutter. Sie zu ehren und zu beschützen wird regelmäßig bei den Stammestreffen bestärkt und vereint die indigenen Nationen in ihren Bemühungen für den Naturschutz.

Nationalpark- und Kulturzentrum

Die unterschiedlichen Ansätze zum Naturschutz und deren Stärken und Schwächen haben auch die Gespräche im Nationalparkzentrum mit dem Nationalparkdirektor Wolfgang Urban und dem Nationalparkranger Werner Schuh geprägt. Am Abend im Kulturzentrum TAURISKA-Kammerlanderstall erfuhr Tom Porter, wie TAURISKA mit der Leopold Kohr-Akademie seit über 30 Jahren sich für den Erhalt, Wiederbelebung und Weiterentwicklung von Handwerk und Tradition einsetzt, aber auch die modernen, zeitgenössischen Kulturaspekte in den Alltag der Region einfließen lässt.
Als Überraschungsgast kam der Steinsucher Lois Steiner zur Runde und übergab dem Gast einen Pyrit aus dem Habachtal in Bramberg. Am Samstag wurde das Pomarium (Obstlehrgarten) beim Reitlbauern in Bramberg besucht. Äußerst beeindruckt ware der Mohawakälteste von der Vielfalt der Sorten, die in liebevoller Arbeit selbst auf 900 Höhenmetern eine solche Bandbreite an süßen Früchten erzeugen und auch davon, wie alles in Form einer Kreislauflandwirtschaft funktioniert.
Die vielen wunderbaren Begegnungen haben auf beiden Seiten viel Inspiration und Bestärkung hinterlassen. Ein kurzer, aber beeindruckender Besuch eines Stammesältesten vom Bären-Clan der Mohawk in Salzburg.
Danke an alle Unterstützer und Mitwirkenden - Tom Porter und sein Sohn reisen weiter und geben Einblick in ihre Geschichte und Wissen der indigenen Völker - es geht um Mutter Erde, um uns und um die Zukunft für unsere Kinder ...

Ein Bericht von Monon e.U. (Inge Patsch), die Tom Porter, Susanne Vötter-Dankl und Christian Vötter Salzburger als Dolmetscherin begleitete. 

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