Der Wolf ist zurück in Salzburg

Wolfsbeauftragter des Landes, Hubert Stock, Landesrat Josef Schwaiger und Abteilungsleiter Franz Moser (v.l.). | Foto: Land Salzburg/Melanie Hutter
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  • Wolfsbeauftragter des Landes, Hubert Stock, Landesrat Josef Schwaiger und Abteilungsleiter Franz Moser (v.l.).
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Acht Wolfsverdachtsfälle und zwei bestätigte Wolfsrisse sind seit Ende April 2018 in Salzburg gemeldet worden – sieben davon im Pongau, zwei im Flachgau und einer im Pinzgau (Stand: 18. Mai 2018). Wird ein Wolfsriss vermutet, finden sich Experten des Landes so rasch als möglich vor Ort ein, um DNA-Proben zu erhalten. Es handelt sich dabei jeweils um eine A- und eine B-Probe aus dem gleichen Teil des gerissenen Tieres. Begutachterin Gundi Habenicht vom Land Salzburg erklärt: "Ich schaue mir das Rissbild genau an, entnehme DNA, das können Speichel, aber auch Haare sein, und gebe eine fachliche Einschätzung ab."

DNA-Proben ausständig

Ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, kann mit absoluter Sicherheit nur die DNA-Probe belegen und das nicht immer. So brachten z.B. die A-Proben vom Vorfall in Pfarrwerfen (29. April) kein Ergebnis hervor. Die B-Probe bestätigte allerdings die Präsenz des Wolfes. Auch in Tenneck (Gde. Werfen) handelte es sich laut des Instituts für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, um einen Wolf.

Änderungen auf EU-Ebene

Nicht nur die DNA-Probe spricht für (zumindest) einen Wolf, auch die Experten sind sich einig: Der Wolf ist zurück in Salzburg. Mit einem fünf-Punkte-Aktionsprogramm will das Land Salzburg reagieren, um die traditionelle alpenländische Landwirtschaft zu schützen und auf europäischer Ebene Änderungen durchzusetzen. Das Aktionsprogramm umfasst folgende Punkte: die Intensivierung der Herden-Schutzmaßnahmen (Information und Beratung durch das Land); schnelle, unbürokratische Entschädigungen (Grundlage ist das Jagdgesetz. Die Summe für ein Lamm beträgt z.B. 110 Euro. Bei Zuchttieren kann die Entschädigung höher sein); Managementplan für Problemwölfe (sieht auch die Entnahme von Problemwölfen vor); Installierung eines Wolfsbeauftragten (mit Hubert Stock, Bio-Bauer, Berufsjäger und Historiker aus Werfen-Tenneck bereits umgesetzt); Verhandlungen über den Schutzstatus (eine Herabstufung des Schutzstatus gegenüber der EU wird angestrebt).

Wolf: Tüpfelchen auf dem "i"

"Für ein Bundesland mit familiengeführten und klein strukturierten landwirtschaftlichen Betrieben sind die Gesetze der EU in dieser Hinsicht ungeeignet. Daher müssen wir uns um eine Änderung des Schutzstatus des Wolfes bemühen. Wenn sich Wölfe in großer Zahl bei und ansiedeln, wird sich das Gesicht des ganzen Landes ändern", erklärt Landesrat Josef Schwaiger. "Der Wolf ist vielleicht nicht der Hauptgrund, aber womöglich das Tüpfelchen auf dem ,i', dass eine Landwirt nicht mehr will. Das müssen wir verhindern", befürchtet auch Hubert Stock, Wolfsbeauftragter des Landes.

Fragen an Begutachterin Gundi Habenicht

Unterschied – Wolf Hund?
HABENICHT:
Die DNA ist zu 99 Prozent ident. Auch das Rissmuster ist sehr ähnlich, aber: Wenn die Beutetiere wehrhaft sind, geht der Wolf gezielter vor.

Wann wurde der Wolf bei uns ausgerottet und wann kam er wieder?
HABENICHT: Seit zirka 150 Jahren gibt es in Österreich nur mehr ganz vereinzelt Nachweise. Seit 2009 werden Einzeltiere wieder regelmäßig nachgewiesen. Es wurden pro Jahr zwischen drei und neun Tiere festgestellt, auf fast alle Bundesländer verteilt.

Warum reißt der Wolf Nutztiere?

HABENICHT: Sie sind eine leicht fassbare Beute für ihn, da sie keine Verteidigungsstrategien haben. Auslöser ist der Jagdtrieb.

Warum reißt er nicht nur ein Tier, um seinen Hunger zu stillen?
HABENICHT:
Wenn die Tiere nicht wehrhaft sind oder flüchten können, dann nutzt er die Gelegenheit, nimmt, was geht. Man kann sich das vorstellen wie beim Fuchs im Hühnerstall.

Warum darf man den Wolf nicht abschießen?
HABENICHT:
Weil er geschützt ist. Der Schutz ist auf EU-Ebene durch die FFH-Richtlinie geregelt, die in Salzburg durch das Jagdgesetz umgesetzt wird.

Ist der Wolf gefährlich für den Menschen?
HABENICHT:
Der Wolf hat ein Potenzial, gefährlich für den Menschen zu werden. Es besteht aber keine konkrete Gefahr alleine durch die Anwesenheit des Wolfes in der Kulturlandschaft. Übergriffe auf Menschen sind nur in absoluten Extremsituationen bekannt, zum Beispiel in Kriegszeiten oder bei extremem Mangel an Beutetieren. Von heute auf morgen wird der Mensch nicht zur Beute des Wolfes.

Lesen Sie mehr über den Wolf in Salzburg

14.05.2018 Wolfsriss in Eben vermutet
11.05.2018 Weidetiere in St. Johann gerissen
30.04.2018 Verdacht auf Wolfsriss in Pfarrwerfen
Leserbrief: Ob Wolf oder nicht, dieses Tier tötet bestialisch
16.05.2018 DNA-Probe aus Pfarrwerfen lässt keinen Rückschluss auf Wolf zu
17.05.2018 Wolf-DNA bei Fällen in Pfarrwerfen und Tenneck nachgewiesen

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Wolfsbeauftragter des Landes, Hubert Stock, Landesrat Josef Schwaiger und Abteilungsleiter Franz Moser (v.l.). | Foto: Land Salzburg/Melanie Hutter
Der Wolf ist da – und gekommen, um zu bleiben. | Foto: Franz Neumayr
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